Wirtschaft
Die Furcht vor einem Handelskrieg des Westens mit Russland und die Zuspitzung der Irak-Krise lassen Anleger in Deckung gehen.
Die Furcht vor einem Handelskrieg des Westens mit Russland und die Zuspitzung der Irak-Krise lassen Anleger in Deckung gehen.(Foto: picture alliance / dpa)

Bilanzsaison auf der Zielgeraden: Krisenherde schlauchen Anleger

In der kommenden Börsenwoche heißt es klein anfangen. Der Dax hat die 9000 Punkte nur knapp retten können. Anleger müssen auf positive US-Daten und Unternehmenszahlen hoffen. Große Dax-Unternehmen öffnen zudem ihre Bücher. Mit dabei Eon und RWE.

Mit Russland droht ein Handelskrieg, der Konflikt im Irak spitzt sich zu und die Berichtssaison fiel bislang eher durchwachsen aus: In dieser Gemengelage dürften sich Dax-Anleger mit Aktienkäufen in der neuen Woche zurückhalten, prognostizieren Börsianer. Ein Hoffnungsschimmer ist die amerikanische Wirtschaft: "Sollten die anstehenden US-Konjunkturdaten überzeugen, könnte sich die Stimmung zumindest zeitweise etwas aufhellen", sagt NordLB-Analyst Tobias Basse.

In der abgelaufenen Woche ging es für den Dax deutlich bergab. Erstmals seit März fiel der Leitindex wieder unter die Marke von 9000 Punkten, zum Handelsschluss am Freitag konnte er aber wieder knapp über diese psychologisch wichtige Marke steigen. Auf Wochensicht verlor er dennoch rund zwei Prozent.

Seit Anfang Juli hat der Dax damit schon mehr als acht Prozent eingebüßt. Die Wall Street konnte sich am Freitag erholen. Das Ende des russischen Militär-Manövers an der Grenze zur Ukraine beruhigte der Anleger etwas. Vor allem dividendenträchtige Unternehmen waren gefragt. Der der Dow-Jones-Index ging mit einem Plus von 1,1 Prozent aus dem Handel - der prozentual höchste Tagesgewinn seit dem 4. März. Auf Wochensicht gewann er damit 0,4 Prozent.

Anleger dürfte aber weiter sorgen, dass sich Russland und der Westen wegen des Ukraine-Konflikts immer weiter mit gegenseitigen Strafen belegen. Im Vergleich zu den USA würde eine Sanktionsspirale die europäische Wirtschaft wohl deutlich härter treffen, sagt Commerzbanker Lutz Karpowitz.

Gerade Deutschland sei auf umfangreiche Energielieferungen aus Russland angewiesen, zudem wären von einer stärkeren Rezession in Russland auch viele osteuropäische Handelspartner betroffen, erklärt der Experte.

Anleger blicken mit Sorge auf den Ölpreis

Zusätzlich belastet werden könnten die Märkte durch steigende Ölpreise infolge des Irak-Konflikts. Wenn es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen der sunnitischen Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) und den USA komme, steige die Furcht vor Angebotsausfällen des zweitgrößten Ölproduzenten der Opec, sagt ein Börsianer. Das treibe die Preise in die Höhe und habe langfristig negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Das US-Militär flog am Freitag erstmals Luftangriffe auf die Islamisten, die ersten im Irak seit Abzug der Truppen Ende 2011. Präsident Barack Obama hatte begrenzte Luftangriffe genehmigt, um US-Bürger in der kurdischen Stadt Erbil und im übrigen Land zu schützen.

Bei den Konjunkturdaten richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Einzelhandelsumsätze in den USA am Mittwoch. Analysten sagen für Juli ein Plus von 0,3 Prozent voraus nach 0,2 Prozent im Vormonat. Auf europäischer Seite steht unter anderem das Bruttoinlandsprodukt für die Euro-Zone am Donnerstag auf der Agenda. Experten rechnen damit, dass die Erholung in der Währungsunion im zweiten Quartal kaum vorangekommen ist. Zuvor dürften Anleger den ZEW-Index im Blick haben. Das Stimmungsbarometer der deutschen Börsenprofis fällt voraussichtlich um gut sieben Zähler auf 20,0 Punkte zurück.

RWE und Eon legen Zahlen vor

In der neuen Woche wollen aus dem Dax unter anderem die Versorger RWE (Donnerstag) und Eon (Mittwoch) ihre Zwischenbilanzen vorlegen. Darüber hinaus haben der Konsumgüter-Hersteller Henkel (Dienstag), der Technologiekonzern ThyssenKrupp und der Düngemittel-Produzent K+S (jeweils Donnerstag) Berichte angekündigt. Gut eine Woche vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison will auch der SDax-Neuling Borussia Dortmund seine Bücher öffnen.

In den USA ist die Bilanzsaison bereits so gut wie ausgelaufen. Für Mittwoch hat sich der Netzwerk-Ausrüster Cisco angekündigt. Am Tag darauf folgt der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart.

Zum Wochenschluss könnte noch der kleine Verfall für Gesprächsstoff sorgen. Am Freitag verfallen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Quelle: n-tv.de

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