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Dax rettet Mini-Plus, Dow ins Minus: Kursturbulenzen setzen Anlegern zu

Auf den Wirkungstreffer vom Dienstag folgt ein weiterer Schlag für die Anleger am deutschen Aktienmarkt: Trotz starker Zahlen kommen Dax und Co. nicht zur Ruhe, die Kurse vollführen eine wilde Berg- und Talfahrt. Und die Wall Street macht auch mit.

Einem 400-Punkte-Rückschlag vom Tageshoch am Dienstag folgt zur Wochenmitte eine 220 Zähler umfassende Handelsspanne im deutschen Leitindex. Von technischer Erholung oder gar einer Beruhigung ist am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch keine Rede. Stattdessen gab es einen leicht positiven Start, dann ein Abdriften ins Minus, gefolgt von einer deutlichen Erholung und am Ende? Immerhin ein Mini-Plus.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent bei 11.350 Punkten. Das Tagestief markierte er sogar unterhalb der 11.300er Marke bei 11.264 Stellen. Das Tageshoch setzte er bei 11.458 Stellen. Der MDax verabschiedete sich dagegen 0,6 Prozent schwächer bei 20.012 Zählern. Der TecDax verlor 0,3 Prozent auf 1592 Stellen.

Man könne momentan nicht sehr gut mit schwachen amerikanischen Konjunkturdaten umgehen, sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel am Nachmittag und verwies auf die schwächer als erwartet ausgefallenden Daten vom Jobmarkt. Es sei zudem mit weiteren Turbulenzen zu rechnen, prognostizierte Finanzmarktexperte Dirk Müller im n-tv-Interview. Von einem "schwierigen Umfeld" sprach n-tv-Börsenexperte Frank Meyer: "Der Dax ist angeknockt." Ein Händler konstatierte: "Auch wenn der Dax bereits gut 8 Prozent nachgegeben hat, rechne ich mit einem Test der Marke von 11.200 Punkten". Die gut verlaufende Berichtssaison schaffe es nicht, Käufer an den Markt zu locken, erläuterte er. Das zeigte sich auch im Mittwochshandel.

Dax: Allianz-Zahlen sitzen

Allianz und BMW ließen berichtstechnisch positiv aufhorchen: Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann verabschiedete sich mit einem steigenden Quartalsgewinn. Der Überschuss nach Anteilen Dritter habe sich von Januar bis März um elf Prozent auf 1,82 Milliarden Euro erhöht, hieß es von Deutschlands größtem Versicherer. Der Umsatz kletterte um 11,2 Prozent auf 37,8 Milliarden Euro. "Unsere Ergebnisse des ersten Quartals sind ein guter Auftakt für das Jahr", sagte Diekmann, der seinen Posten an Oliver Bäte übergibt. Die Allianz schüttet eine Rekorddividende von 6,85 Euro aus. Die Aktie lag zeitweise mehr als 2,5 Prozent im Plus und schloss dann noch 2,2 Prozent fester.

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BMW-Titel bildeten den Dax-Verlauf ab: Erst verteuerten sich die Papiere, dann folgten Gewinnmitnahmen und am Ende ein Minus von 2,2 Prozent. BMW setzte dank einer hohen Nachfrage in allen wichtigen Regionen seinen Rekordkurs fort: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sei der Umsatz um 15 Prozent auf 20,9 Milliarden Euro gestiegen, hieß es von Unternehmensseite. Unter dem Strich blieben im ersten Quartal mit 1,5 2 Milliarden Euro vier Prozent mehr als vor einem Jahr übrig. Neben BMW schlossen auch Daimler und VW mit negativen Vorzeichen. Volkswagen wurden allerdings ex Dividende gehandelt.

Ein positiver Analystenkommentar schob Bayer an. Die Analysten der Berenberg Bank hatten ihre Kaufempfehlung mit einem auf 155 (bisher 146) Euro höheren Kursziel versehen. Die Aktien kletterten um 1,3 Prozent - am Handelsende stand bei dem Phaarmriesen ein Aufschlag von rund 0,5 Prozent.

MDax: Norma schlägt alle

Bei den Nebenwerten konnten Hannover Rück mit ihren Zahlen zunächst positiv überraschen. Der Gewinn zog um ein Fünftel an, der Aktienkurs immerhin 0,6 Prozent. Umsatz- und Ergebnis legten auch bei Evonik zu, was den Aktienkurs und die Fantasie der Anleger beflügelte. Ein Plus von 1,3 Prozent schlug zu Buche, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten und den Kurs mit einem Minus schließen ließen. Für Kuka ging es dagegen nach oben: 4,8 Prozent. Übervolle Auftragsbücher, ein Umsatzplus von mehr als 50 Prozent und ein um ein Viertel höherer Gewinn lieferten indes der Treibstoff für den Kursanstieg.

Die günstigen Wechselkurse verhalfen dem Chemiekalienhändler Brenntag zu einem starken Jahresauftakt. Auf den Kurs schlug sich das nicht nieder, die Aktien schlossen nahezu unverändert. Norma hat im ersten Quartal deutlich mehr umgesetzt und verdient und sieht sich weiter im Plan, die Jahresziele zu erreichen. Die Papiere zogen 0,6 Prozent an.

Windeln.de: Börsengang mit Hindernissen

Das IPO von Windeln.de riss die Anleger dagegen nicht vom Hocker. Die Papiere fallen unter den Ausgabepreis - und das deutlich. Am Abend sollte mit Sixt Leasing ein weiteres IPO erfolgen.

USA: Vorsicht an der Wall Street

Fusionspläne in verschiedenen Branchen verhalfen den US-Börsen zunächst zu leichten Kursgewinnen. Später rutschten die Kurse jedoch ins Minus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,5 Prozent auf 17.842 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,4 Prozent auf 2080 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 0,4 Prozent auf 4919 Punkte.

Enttäuschende Jobdaten des Arbeitsvermittlers ADP verunsicherten zum Teil. "Einige denken, dass die Fed ihre Zinsanhebungen nun hinausschieben wird", sagte Handelsstratege Joe Saluzzi von Themis Trading.

Für Impulse sorgten Übernahmevorhaben. Der Kurs von Synageva BioPharma verdoppelte sich kurzerhand. Das Unternehmen erhielt eine Offerte der Pharmafirma Alexion. Deren Aktien gaben rund 8 Prozent nach.

Euro: Ein deutlicher Satz nach oben

Die Serie negativer Wirtschaftsdaten aus den USA stützte weiterhin den Euro. Die Zahl der Beschäftigten im Privatsektor stieg im April um 169.000. Erwartet wurde aber ein Plus von 205.000. Ein im März viel stärker als erwartet gestiegenes US-Außenhandelsdefizit hatte am Dienstag bereits Ängste ausgelöst, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft sein könnte.

Der Euro stieg auf 1,1350 US-Dollar nach einem Tagestief von 1,1175. Mit der Überwindung der 1,13er-Marke seien gegen den Euro positionierte Teilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt worden, hieß es am Markt zu der raschen Aufwärtsbewegung der Gemeinschaftswährung.

Asien: Noch kein Regenbogen in Sicht

Die Aktienmärkte in Ostasien und Australien waren im Sog kräftiger Kursverluste in Europa und den USA vom Dienstag einträchtig auf Talfahrt gegangen. Dabei sah es während des Handels in China noch nach einer zweigeteilten Börsenlandschaft aus, denn in Schanghai und Hongkong befanden sich die Kurse auf Erholungskurs. Im späten Geschäft drehten sie jedoch ins Minus und der Shanghai-Composite rutschte nach dem Kurseinbruch von über 4 Prozent am Dienstag um weitere 1,6 Prozent ab. Der HSI gab lediglich um 0,4 Prozent nach, er hatte am Vortag aber auch weniger stark verloren. "Nach dem Sturm an den Märkten werden wir einen umso schöneren Regenbogen sehen", hieß es aus staatlichen Medien in China zur Beruhigung der Anleger.

Größter Tagesverlierer war der Aktienmarkt in Sydney mit einem Abschlag von 2,3 Prozent auf 5692 Punkte und damit dem niedrigsten Stand seit drei Monaten. Der Kospi in Seoul verlor 1,3 Prozent; er hatte nach der Feiertagspause am Dienstag noch Nachholbedarf nach unten. In Japan wurde bereits den dritten Tag in Folge nicht gehandelt, diesmal wegen eines nachgeholten Feiertages.

Öl wieder teurer

Die Ölpreise zogen indes weiter an und erreichten am späten Nachmittag neue Jahreshöchststände. Angestachelt durch unerwartet niedrige Lagerbestände von Rohöl in Amerika schnellte der Preis zwischzenzeitlich rund 3 Prozent nach oben, später gab er das Gros der Gewinne wieder ab. Das Barrel Leichtöl der Sorte WTI stieg schließlich noch um 0,9 Prozent auf 60,93 US-Dollar. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete 69,56 US-Dollar. Seit dem Jahrestief Mitte März ist der Ölpreis damit um satte 33 Prozent nach oben geschossen.

Quelle: n-tv.de

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