Wirtschaft
Die Bullen preschen am deutschen Aktienmarkt vor.
Die Bullen preschen am deutschen Aktienmarkt vor.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Was zählt, ist die Marke: Dax-Bullen sprengen den Trend

Die Enttäuschung über Chinas schwächelnde Wirtschaft verpufft am deutschen Aktienmarkt schnell. Die Charttechniker übernehmen das Kommando. Das Resultat: Dax und Co. ziehen deutlich ins Plus, getragen von zahlreichen guten Nachrichten. Nur die BVB-Aktionäre schauen in die Röhre.

Am deutschen Aktienmarkt haben die Anleger es am Dienstag so richtig krachen lassen. Nach einer kurzen Berg-und-Talfahrt zu Beginn drehten die Indizes ins Plus und bauten dieses systematisch aus. Die schwachen Konjunkturdaten aus China bremsten nur kurz. Am Nachmittag lieferte die positive Eröffnung der Wall Street weitere Impulse.

Der Dax schloss 2,4 Prozent fester bei 7658 Zählern. Spekulationen auf eine Zinssenkung der EZB und positive Unternehmenszahlen aus der Chipbranche beflügelten die Kurse ebenfalls. Der MDax ging 1,9 Prozent höher bei 13.345 Punkten aus dem Handel. Der TecDax rückte 1,0 Prozent auf 920 Stellen vor.

The trend is your friend

Der Dax durchbaich damit den kurzen Abwärtstrend bei knapp 7600 Punkten. Damit gerät nun der mittelfristige Abwärtstrend bei etwa 7800 Punkten in den Blick. "Das Umfeld stimmt", gab sich ein Händler zuversichtlich. Die japanische Geldpolitik führe zu deutlich rückläufigen Renditen in der Peripherie, das entspanne auch die Situation an den Aktienmärkten.

"Die neue Geldpolitik der japanischen Notenbank liefert gute Argumente, weshalb japanische Investoren ihr Kapital vermehrt im Ausland anlegen und die internationalen Kapitalmärkte mit Geld überschwemmen werden", meinte dann auch Marco Wagner, Analyst der Commerzbank. Außerdem setzen die Anleger nach neuen schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland auf weitere geldpolitische Impulse auch der Europäischen Zentralbank. .

Italien beruhigt

Etwas Ruhe gab es von der Schuldenkrisen-Front: Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Regierungskrise in Italien sorgte am Rentenmarkt für Entspannung. Anleger griffen bei den zehnjährigen Staatsanleihen des Landes zu. Im Gegenzug fiel die Rendite erstmals seit November 2010 unter die Vier-Prozent-Marke. Die Titel warfen zeitweise nur noch 3,979 Prozent ab nach 4,089 Prozent im Vortagesgeschäft.

Investoren setzen darauf, dass mit der Wiederwahl Giorgio Napolitanos zum Staatspräsidenten der politische Stillstand in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone überwunden wird. Beobachter hielten es für möglich, dass der 87-Jährige noch im Tagesverlauf die Einigung auf eine Große Koalition präsentieren könnte.

Lufthansa fliegt hoch, Coba runter

Nach dem Ende des eintägigen Warnstreiks und der Wiederaufnahme des normalen Flugverkehrs kletterten die Titel der Lufthansa im Dax mit am stärksten. Das Papier verteuerte sich fast 4 Prozent. Deutsche Bank zogen sogar rund 5 Prozent an.

Dahinter folgten HeidelbergCement mit einem Aufschlag von 4,3 Prozent: "Die Baukonjunktur läuft, zumindest in den USA", so ein Händler. Auch in China habe die Baukonjunktur möglicherweise einen Boden ausgebildet. "Die Probleme in der Peripherie der Eurozone sollten dagegen hinreichend eingepreist sein", ergänzte er.

Auf der Verliererseite standen lange K+S ganz vorn. Sie drehten aber zum Ende noch 0,3 Prozent ins Plus. Das Unternehmen hatte zum Wochenstart mitgeteilt, Probleme mit einem Minenprojekt in Kanada zu haben. Die Eröffnung verzögere sich und auch die Kosten stiegen deutlich an.

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Einziger Dax-Verlierer waren zu Handelsschluss Commerzbank mit 1,1 Prozent im Minus: Die Coba hatte grundlegende Änderungen für ihre Aktionäre umgesetzt. Zehn Commerzbank-Aktien in den Wertpapierdepots der Anteilseigner sind zu einer zusammengelegt worden. Der Nennwert der Wertpapiere verzehnfacht sich mit dem Schritt. Die Commerzbank-Aktien werden ab Mittwoch unter einer neuen Wertpapierkennnummer gehandelt. Die Umstellung in den Depots der Aktionäre erfolgt automatisch.

BASF und Thyssen

BASF-Titel rückten dagegen 2,5 Prozent vor. Der weltgrößte Chemiekonzern will sein Spezialchemiegeschäft Performance Products wettbewerbsfähiger machen und rund 500 Stellen in dieser Sparte streichen. Der Abbau soll bis 2015 erfolgen und vor allem den Standort Basel betreffen. Weitere Maßnahmen sollen demnach noch auf dem Prüfstand.

ThyssenKrupp leitete in seiner Stahlsparte den Verkauf von Werken mit insgesamt rund 1820 Mitarbeitern ein. Der Aufsichtsrat der betroffenen Sparte ThyssenKrupp Electrical Steel hat den vorbereitenden Maßnahmen für den Verkaufsprozess zugestimmt. In Deutschland ist die Trennung von dem Werk Gelsenkirchen mit rund 620 Mitarbeitern geplant. Daneben will ThyssenKrupp die Werke im französischen Isbergues mit 590 Beschäftigten und im indischen Nashik mit rund 610 Beschäftigten verkaufen. Die Thyssen-Aktie zog 1,8 Prozent an.

Im MDax verteuerten sich Krones um 5,0 und Leoni um 4,2 Prozent und nahmen damit die Spitzenpositionen im Index ein. Das negative Pendant dazu lieferten Rheinmetall, die 0,7 Prozent verloren, und SGL Carbon, die 2,6 Prozent einbüßten.

Aixtron zieht davon

Die Aktien von Aixtron profitierten vom guten Ausblick des US-Wettbewerbers Veeco Instruments. So sagte Veeco-Chef Peeler, dass der Trend aber in die positive Richtung zeige. Zudem hieß es, dass Veeco sehr kurzfristig Aufträge von LED-Produzenten erhalten habe, das erste Mal seit zwei Jahren. Dies wurde an der Börse dahingehend gewertet, dass die Nachfrage nach LEDs anziehe. Die Aktie von Veeco legte deutlich zu. Aixtron zogen nach: um satte 10,3 Prozent.

Kein einheitliches Bild lieferten dagegen die Zahlen von Sartorius. Nach einem sehr starken Vorjahresquartal ist der 2013er Start für Kürten "etwas enttäuschend" ausgefallen, sagte DZ-Bank-Analyst Sven Kürten.. Allerdings zeige das Unternehmen eine gute Profitabilität. Nachdem die Aktie seit Anfang März in eine deutliche Korrektur gestartet sei, biete sie nun ein interessantes Einstiegsniveau. Die Aktie ist für Kürten ein Kauf mit einem Kursziel von 81 Euro. Die Aktie legte dennoch rund 7 Prozent zu.

BVB-Aktionäre geschockt

Der Wechsel von Mario Götze zum Erzrivalen Bayern München belastet die Aktien von Borussia Dortmund (BVB). Die Papiere des Champions-League-Halbfinalisten rutschten um rund 3 Prozent ab und waren damit so billig wie zuletzt Anfang März. Bayern München zahlt Medienberichten zufolge eine Ablösesumme von rund 38 Mio. Euro für den offensiven Mittelfeldspieler und Jung-Nationalspieler Götze.

Quelle: n-tv.de

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