Wirtschaft
Nach der Wahl ist vor der Wahl - nach dem Präsidenten müssen die Franzosen noch ein Parlament wählen.
Nach der Wahl ist vor der Wahl - nach dem Präsidenten müssen die Franzosen noch ein Parlament wählen.(Foto: picture alliance / Peter Kneffel)
Sonntag, 07. Mai 2017

Umschichtungen erhöhen Tempo: Macron öffnet dem Dax die Tür zur 13.000

An den europäischen Börsen ist ein Wahlsieg Emmanuel Macrons längst eingepreist. Inzwischen richten sich die Augen bereits auf die Parlamentswahl in Frankreich. Da auch Italien seinen Schrecken verloren hat, beginnt eine wahre Punkte-Hatz.

Die Rekordjagd des Dax wird nach der Stichwahl um die französische Präsidentschaft wohl weitergehen. "Die Fahrt in Richtung 13.000 Punkte kann beginnen", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Die Sorgen vor einem Zerfall der Eurozone haben sich bislang in keiner der Entscheidungen der Wähler bestätigt." Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank zufolge müssen sich Investoren aber noch etwas gedulden. "Die Märkte haben seit dem Sieg von Emmanuel Macron bei der ersten Wahlrunde im April schon einiges eingepreist." Außerdem müsse sich der europafreundliche Politiker für seine geplanten Reformen noch eine parlamentarische Mehrheit organisieren, betont Axel Angermann, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Feri. Daher richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit bereits auf die Wahlen zur Nationalversammlung im Juni.

Der Optimismus der Investoren verhalf dem Dax in der alten Woche zu einem Kursplus von 2,2 Prozent. Zu Handelsschluss am Freitag erklomm der Frankfurter Index mit 12.717 Punkten einen neuen Höchststand. Der Pariser Auswahlindex CAC40 stieg auf 5432 Zähler und lag damit auf dem höchsten Stand seit mehr als neun Jahren. Der Euro war für 1,0994 Dollar zu haben.

Mit einem Wahlsieg Macrons stiegen die Chancen auf Wirtschaftsreformen, betont Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Es muss dabei auch nicht unbedingt der große Wurf sein. Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende große Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen." Davon würde die gesamte Eurozone profitieren.

Überkauft - aber keine Signale für Ende der Dax-Rally

Inzwischen gilt der Dax aus technischer Sicht kurzfristig als überkauft. "Technische Signale für ein Auslaufen der Rally liegen aber nicht vor", sagt Achim Matzke, Analyst von Commerzbank Technical Analysis and Index Research. Spätestens ab Juli dürften die 2018er-Gewinnschätzungen in den Blick rücken. Derzeit rechnet der Markt für das kommende Jahr mit weiter steigenden Gewinnen, im Dax um etwa 7 Prozent. Das erhöht entsprechend das Aufwärtspotenzial weiter.

"Die europäischen Märkte sind wesentlich günstiger als die US-Aktien", sagt Heino Ruland von Ruland Research. Er sieht deshalb Chancen, dass nach der französischen Präsidentschaftswahl Geld aus den USA in die Eurozone fließt. "Die politischen Risiken sollten dann ausgepreist werden, auch weil sich die Situation in Italien stabilisiert", sagt Ruland.

Zahlenflut aus dem Dax

Im Fokus der Anleger stehen erneut jede Menge Firmenbilanzen: So legt rund ein Dutzend Dax-Werte in der neuen Woche Zahlen vor. Dazu gehören unter anderem die Commerzbank, Münchener Rück und Eon sowie Deutsche Telekom und Allianz. Im Ausland öffnen noch einige Nachzügler ihre Bücher wie Walt Disney. Zudem gibt der weltgrößte Stahlkocher ArcelorMittal seine Quartalsergebnisse bekannt.

Bislang hat rund die Hälfte der europäischen Großkonzerne Zahlen vorgelegt. Reuters zufolge übertrafen rund 80 Prozent von ihnen beim Umsatz die Markterwartungen. Unter den Industrie-Unternehmen liegt die Quote sogar bei über 95 Prozent. Experten rechnen für das erste Quartal mit einem Gewinnplus von durchschnittlich knapp 14 Prozent. Damit bewegen sich heimische Konzerne auf Augenhöhe mit der US-Konkurrenz.

Angesichts dieser Zahlenflut treten die anstehenden Konjunkturdaten etwas in den Hintergrund. Auf dem Terminplan stehen am Montag die Auftragseingänge der deutschen Industrie. Am Tag darauf folgen die Zahlen zur Industrieproduktion. "Die bis zuletzt sehr positiven Stimmungsindikatoren sprechen dafür, dass die deutsche Wirtschaft auch im Frühjahr spürbar zulegen wird", sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Zum Wochenschluss sind die entsprechenden Daten aus der Eurozone an der Reihe.

Dieser Tag steht außerdem ganz im Zeichen der Inflation: Sowohl Deutschland als auch die USA veröffentlichen Daten zur Teuerung. Dies könnte Spekulationen um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Fed neue Nahrung geben. Schließlich stehen zudem die US-Einzelhandelsumsätze auf der Agenda. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Quelle: n-tv.de

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