Wirtschaft
Japanische Sportler bei der Präsentation Tokios für die Olympiade 2020.
Japanische Sportler bei der Präsentation Tokios für die Olympiade 2020.(Foto: REUTERS)

Olympia-Frust in Japan: Madrid-Gerücht betrübt Nikkei

Die Asien-Börsen nehmen sich vor der Veröffentlichung des US-Jobberichts zurück. An den wichtigsten Handelsplätzen treten die Indizies auf der Stelle. Die Ausnahme ist Japan: Kurz vor der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2020 zeichnet sich offenbar Madrid als Favorit ab. Die Börse in Tokio macht einen Satz zurück. Unter dem Strich reicht die Olympia-Hoffnung aber für ein Wochenplus.

Während an den Finanzmärkten in Ostasien am Freitag gespanntes Warten auf den US-Arbeitsmarktbericht das Geschehen dominierte, beschäftigte die Anleger in Japan die Bewerbung Tokios um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2020. Zweifel, dass Tokio bei der Entscheidung am Samstag tatsächlich den Zuschlag erhalten wird, sorgten nach vier Handelstagen mit Kursgewinnen zum Wochenausklang für ein deutliches Minus.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans legte 0,2 Prozent zu. In Sydney legte der S&P/ASX 200 leicht um 0,1 Prozent zu. Der Kospi in Seoul rückte ebenso um 0,1 Prozent vor. Und auch der Hang-Seng-Index in Hongkong trat mit einem Plus von 0,1 Prozent auf der Stelle. Der Shanghai-Composite verbuchte indes mit 0,8 Prozent ein kräftigeres Plus.

Der Nikkei-Index verlor dagegen 1,5 Prozent auf 13.860 Punkte und war damit in der Region klarer Ausreißer nach unten. Andere Stimmen im Handel werteten die Käufe vor dem Wochenende dagegen lediglich als Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Aufschlägen. Während in Tokio die jüngsten guten Konjunkturdaten aus den USA keine Rolle spielten, sorgten sie an den anderen Börsen Ostasien für Kauflaune. Allerdings fielen die Indexgewinne durchweg eher klein aus, was Teilnehmer mit Vorsicht der Anleger wegen der weiter schwelenden Syrien-Krise, vor allem aber dem US-Arbeitsmarktbericht erklärten.

Anleihen weiter im Aufwind

Dieser könnte richtungsweisend für die weitere US-Geldpolitik werden, zumal die US-Notenbank ihr weiteres politisches Vorgehen insbesondere an die Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt geknüpft hat. Sollten die Zahlen gut oder gar besser ausfallen als erwartet, steigt die gemeinhin ohnehin bereits hoch eingeschätzte  Wahrscheinlichkeit, dass es schon im September zu einer ersten Drosselung (Tapering) der expansiven Geldpolitik kommt. "Gleich wie die Daten ausfallen werden, sie dürften an den Märkten für einige Konfusion sorgen. Starke Zahlen werden den bitteren Beigeschmack haben, dass das Tapering auf dem Weg ist", sagte Rivkin-Analyst Tim Radford.

Dass die Finanzmärkte mit einem raschen Start in den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik rechnen, spiegelt sich auch in der Entwicklung an den Anleihemärkten wider. Dort setzte sich der Aufwärtstrend der Renditen fort und die zehnjährige US-Rendite überwand erstmals seit zwei Jahren wieder die Drei-Prozent-Marke.

Die Börse in Tokio verzeichnete unterdessen trotz der Verluste zum Wochenausklang ihre erfolgreichste Börsenwoche seit Anfang Juli mit einem Plus von annähernd vier Prozent. "Viel dazu beigetragen haben Käufe in Erwartung einer erfolgreichen Olympia-Bewerbung", sagte Tachibana Securities, Marktexperte bei Kenichi Hirano und ergänzte: "Dieser Optimismus ist aber wieder verflogen und nun wird wieder Luft rausgelassen aus Aktien der Sektoren, die potenziell von Infrastrukturausgaben profitieren würden".

Japanischer Immobiliensektor verliert

In Tokio gab der Immobiliensektor-Index 2,3 Prozent nach. Bei den Einzelwerten traf es besonders Kajima und Taisei, die um 2,2 Prozent und 4,0 Prozent nachgaben. Taisei gilt als Favorit für den Bau des neuen Nationalstadions. Da diese Aktien "zuletzt von Hoffnungen auf einen Zuschlag für Tokio profitierten, ist es nur natürlich, dass einige Investoren jetzt aus dem Spiel aussteigen wollen", sagte Kyoya Okazawa von BNP Paribas in Tokio. Die spanische Zeitung "El Mundo" hatte die Namen von bis zu 50 Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees veröffentlicht, die für Madrid stimmen wollen.

Der Kurs von NTT DoCoMo gewann unterdessen 0,5 Prozent, gestützt von einem Bericht, wonach das Unternehmen - wie andere Konkurrenten schon länger - demnächst auch das iPhone von Apple vertreiben darf. Vor allem der Rivale Softbank bekam den Wandel in der Anleger-Gunst zu spüren und büßte 2,2 Prozent ein. Für KDDI ging es 0,2 Prozent abwärts.

Quelle: n-tv.de

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