Wirtschaft
Hochsommer in Tokio: Das Thermometer steigt, die Exporte ziehen an.
Hochsommer in Tokio: Das Thermometer steigt, die Exporte ziehen an.(Foto: AP)

Zinsfrage verunsichert Börsianer: Nikkei schließt knapp im Plus

Im asiatischen Börsengeschehen wirft die anstehend Veröffentlichung der Fed-Protokolle ihre Schatten voraus. Mit Blick auf die drohende Zinswende und ein Ende der Billiggeld-Ära üben sich Anleger in Zurückhaltung.

Die Aktienmärkte in Fernost haben sich zur Wochenmitte kaum vom Fleck bewegt. Zwar sorgte Analysten zufolge ein schwacher Yen zum Dollar allgemein für gute Stimmung. Allerdings habe dies besonders bei Exportwerten zu Gewinnmitnahmen geführt. Zudem zeigten sich viele Händler vor dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole am Donnerstag zurückhaltend.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging in Reichweite des Vortagesschluss mit 15.454 Punkten aus dem Handel. Auch der MSCI-Index für die Aktienmärkte in der Region Asien-Pazifik ohne Japan legte nur minimal um knapp 0,1 Prozent zu.

Die Aussicht auf eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft gab dem Dollar am Mittwoch Auftrieb. Mit 1,3301 Dollar notierte der Euro auf einem Neuneinhalb-Monats-Tief. Auch zur japanischen Währung legte der Dollar zeitweise auf 103,22 Yen zu, den höchsten Stand seit Anfang April.

Tokio erwartet die Zinswende

Insgesamt setzten die Anleger im asiatischen Handel nach einer Reihe guter US-Konjunkturdaten offenbar darauf, dass eine baldige Zinserhöhung in den USA immer wahrscheinlicher wird. Wie in Europa warten Analysten daher gespannt auf die Mitschriften von der zurückliegenden Juli-Konferenz der US-Währungshüter. Die Veröffentlichung der sogenannten Fed-Protokolle ist für den Abend (20.00 Uhr MESZ) geplant. Anleger in China und Japan können daher erst im frühen Handel am Donnerstag (Ortszeit Tokio) darauf reagieren.

Von den Protokollen erwarten sich Experten neue Hinweise auf den Zeitpunkt der Zinswende. Die Frage ist auch für die Kurse in Asien von großer Tragweite: Als gesichert gilt, dass die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Bank of Japan (BoJ) in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Rally an den Aktienmärkten beigetragen hat.

Positive Konjunktursignale kamen aus Japan: Erstmals seit drei Monaten legten die Exporte im Juli wieder zu. Mit einem Plus von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag der Anstieg etwas höher als von Experten erwartet. Im Juni war noch ein Rückgang von 1,9 Prozent verzeichnet worden. Getrieben wurde der Anstieg im vergangenen Monat insbesondere von Autos und elektrischen Maschinen. Starke Exporte könnten dabei helfen, die durch eine Steuererhöhung geschwächte Binnennachfrage zu kompensieren.

In Schanghai standen bei den Einzelwerten Aktien aus dem chinesischen Bankensektor auf der Verkaufsliste, während die Aktien von Spirituosenherstellern zu den Favoriten gehörten. Sichuan Tuopai Shede Wine verteuerten sich zeitweise um 4,1 Prozent. Ping An Bank fielen im Verlauf um bis zu 1 Prozent zurück. Teilnehmer sagten, dass eine Konsolidierung nötig sei. Deng Wenyuan, Analyst bei Soochow Securities, riet darüber hinaus, die Anleger sollten auf der Hut sein, ob es demnächst weitere negative Meldungen vom Immobilienmarkt gebe.

Die Aktie der Bank of China gab mit Quartalszahlen zeitweise deutlich nach. Dabei sprachen Analysten von Goldman Sachs von einem soliden Gewinnwachstum. Die Bank of China hatte das Ergebnis um 11 Prozent steigern können. Auch das Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen wurde von Goldman als positiv herausgestrichen. Das schien Anlegern in Schanghai offenbar nicht auszureichen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen