Wirtschaft
Leichtigkeit im Handel: Dax zeigt sich beschwingt
Leichtigkeit im Handel: Dax zeigt sich beschwingt(Foto: picture alliance / dpa)

Verluste wettgemacht: Frühlingsgefühle bringen Dax zum Tänzeln

Die europäischen Börsen kontern den Tiefschlag zu Wochenbeginn . Die Indizes ignorieren auch den gesunkene Ifo-Index. Für neue Luft sorgen Chinas Führung und ein zunächst freundlicher US-Handel.

Die europäischen Börsen haben den Tiefschlag zu Wochenbeginn gut weggesteckt und zur Erholung angesetzt. Bröckelnde gewinne an den US-Börsen verhinderten jedoch einen größeren Satz nach vorn. Letztlich schloss der Leitindex Dax um 1,6 Prozent fester bei 9338 Stellen. Der MDax legte 1,2 Prozent auf 16.268 Zähler zu. Der TecDax gewann 1,1 Prozent auf 1221 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 erhöhte sich um 1,3 Prozent auf 3093 Stellen.

Das Ausbleiben neuer Hiobsbotschaften zur Ukraine und von Chinas Konjunktur wurde mit Erleichterung aufgenommen. Ein im März überraschend stark gestiegenes Verbrauchervertrauen in den USA entfachte am Nachmittag konjunkturellen Rückenwind für die Kurse.

Für Bewegung sorgten Meldungen zur Fed-Zinspolitik. So bekundete Fed-Gouverneur Charles Plosser, Wirtschaftsdaten ausschlaggebend dafür, wann die Leitzinsen in den USA angehoben werden. Es sei sinnlos über Zinserhöhungen nachzudenken, solange das Wertpapierkaufprogramm der Fed nicht beendet sei.

Später hieß es, Plossen dringe auf kräftige Zinserhöhungen im nächsten Jahr und peile ein Zinsniveau von drei Prozent zum Ende 2015 an. Damit würde er wesentlicher stärker an der Zinsschraube drehen wollen als die meisten seiner Fed-Kollegen. Diese befürworten im Mittel ein Zinsniveau von 1,0 Prozent zum Ende des kommenden Jahres. Ende 2016 sollen laut Plosser bereits 4 Prozent erreicht sein, seine Kollegen peilen hingegen nur 2,25 Prozent an.

Ifo verpufft

Wenig Wirkung entfaltet indes der gesunkene Ifo-Index. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im März. "Die Krise der Schwellenländer und die Ereignisse auf der Krim zeigen ihre Wirkung", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

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"Der Ausblick für die deutsche Konjunktur bleibt trotz des leicht gesunkenen Ifo-Index freundlich, da der Index nach wie vor auf einem hohem Niveau liegt", sagt Johannes Jander von der Helaba Für Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bedeutet der hohe Indexstand, "dass wir in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent rechnen können." Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, geht davon aus, dass ein robuster BIP-Zuwachs für dieses Jahr einigermaßen in trockenen Tüchern sei. "Die Gefahr nimmt aber zu, dass die Unternehmen ihre Expansionspläne für das Jahr 2015 behutsamer angehen."

Derweil greift die chinesische Führung erwartungsgemäß nach zuletzt schwachen Wirtschaftsdaten ein und beginnt, die Staatsausgaben zu erhöhen. Still und leise hat die Staatsführung einzelne Maßnahmen ergriffen, um den Wachstumsverlust zu stoppen - von Investitionen in die Infrastruktur bis hin zu erleichtertem Zugang zu Kapital.

Stada stoppen Fall

Gesucht waren an den Börsen vor allem konjunktursensible Papiere und Sektoren wie Automobilbau, Rohstoffproduktion, Chemie und Bau sowie Technologie.

Im Dax schlossen beinahe alle Werte im Plus. Auf den letzten Metern schoben sich Deutsche Post mit einem Aufschlag von 3,3 Prozent an die Spitze. gerüchte über eine Zuielanhebung beim Briefgeschäft hatte das Papier schon schadlos durch den schwarzen Wochenauftakt kommen lassen. FMC gewannen 3,0 Prozent und Fresenius 2,2 Prozent. Bloomberg berichtete, das US-Gesundheitsprogramm Medicare könne die Erstattung von Leistungen von Dialyse-Anbietern wie FMC und DaVita neu berechnen. "Die Frage ist, ob die Zahlungen an FMC und andere Anbeiter nun erhöht oder gesenkt werden. Am Markt spekuliert man offensichtlich auf höhere Zuschüsse aus dem Medicare-Programm", sagte ein Händler. Infineon kletterten nach positivem Analystenkommentar 2,2 Prozent.

Deutsche Bank erhöhten sich trotz neuerlicher Durchsuchungen der Ermittler angesichts des Verdachts auf Prozessbetrugs um 1,2 Prozent.  Bislang rechne man am Markt offensichtlich nicht damit, dass die Ermittlungen auf das operative Geschäft der Bank negativ wirken, hieß es. Das Sentiment für die Aktie bleibe aber "schwer angekratzt", die Deutsche Bank komme aus den Negativschlagzeilen nicht heraus.

Am Ende standen ThyssenKrupp, die 0,8 Prozent nachgaben. Commerzbank vervollständigten das Verlierer-Duo - hier ging es 0,6 Prozent zurück.

In der zweiten Reihe verteuerten sich Stada nach dem scheinbaren Fall ins Bodenlose vom Vortag um immerhin 5,5 Prozent. Der Pharmahändler hatte angesichts der Währungsschwankungen in Russland seine Jahresziele kassiert. Kuka stiegen um 3,2 Prozent. Osram legten nach einer Kaufempfehlung 2,5 Prozent zu.

Auf den Verkaufslisten standen Leoni ganz oben. Das Papier konnte zum handelende sein Minus immerhin auf 3,4 Prozent begrenzen. Die Aktien reagieren auf die Bekanntgabe der endgültigen Geschäftszahlen. Vor allem überrascht der Dividendenvorschlag von 1 Euro. Erwartet worden waren 1,50 Euro. Auch der Ebit-Ausblick bleibt unter der Prognose der DZ-Bank von 234 Millionen Euro. Die Überraschungen werden vom Abgang des Vorstandschefs Klaus Probst komplettiert. Unter Druck kamen zudem Klöckner, die um 1,9 Prozent sanken.

Zuversicht bei Jenoptik und Evotec

Im TecDax kletterten Jenoptik um 5,3 Prozent. Der Technologiekonzern sieht sich nach den ersten Monaten 2014 in seiner Jahresplanung bestätigt. "Die Auftragseingänge bis März liegen deutlich über dem Umsatz", sagte Vorstandschef Michael Mertin.

Evotec zogen um 0,7 Prozent an. Der Biotechkonzern hat seine Jahresziele geschafft und blickt nun mit Zuversicht auf 2014. Im laufenden Jahr soll der Umsatz ohne Meilenstein- und  Abschlagszahlungen sowie Lizenzen im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. Wegen des Ausfalls der Zahlung nahm Evotec für 2013 allerdings eine Wertberichtigung vor und schrieb operativ und unter dem Strich rote Zahlen.

Am unteren Ende fielen Kontron um 0,6 Prozent. Analyst Markus Turnwald von der DZ-Bank spricht von einer schwachen operativen Entwicklung und das trotz einer guten Umsatz-Entwicklung. Zudem kann der vage Ausblick nicht überzeugen.

Kingfisher wird Hornbach-Konkurrent

Im SDax drehten Hornbach erst ins Plus und dann auf: Am Ende stand ein Plus von 5,3 Prozent zu Buche. Am Markt wurden Papiere aus dem Bestand von Kingfisher. Europas größter Baumarktbetreiber trennt sich komplett von seinem Hornbach-Anteil. Die Briten verkaufen ihren 21,2 Prozent-Anteil für 195 Millionen Pfund. Die Unternehmerfamilie Hornbach übernimmt 25 Prozent der nicht börsennotierten Stammaktien. Zwei weitere Aktienpakete hatte Kingfisher über Nacht an der Börse platziert. 17,4 Prozent der börsennotierten Vorzugsaktien sowie 5,2 Prozent der Anteile an den börsennotierten Stammaktien an der Hornbach AG gingen an institutionelle Investoren. Hintergrund des Ausstiegs ist nun unter anderem, dass Kingfisher im Sommer dieses Jahres selbst mit vier Testmärkten in den deutschen Markt einsteigen will.

Der Ticketvermarkter CTS Eventim erhöht nach einem Rekordjahr die Dividende. Der Konzern zahlt damit zum neunten Mal in Folge eine Dividende. CTS Eventim hat 2013 Umsatz und Ergebnis auf Rekordstände gesteigert und sieht nach einem guten Start in das neue Jahr auch für 2014 eine positive Geschäftsentwicklung. Das Papier zieht um 1,9 Prozent an.

Air Berlin holt es nach dem Steigflug des Vortages zurück auf den Boden der Tatsachen. Die Spekulationen zufolge vor ihrem Börsenabschied stehenden Papiere verlieren 5,2 Prozent.

Schlechte Nachrichten für Anleger kommen von der Berentzen-Gruppe AG, die 2013 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist. In Der Folge wird die Dividende gekürzt. Zuletzt hatte der Spirituosenhersteller 2011 einen Überschuss ausgewiesen. Die Kündigung der Pepsi-Cola-Konzession im Juni 2013 per Ende 2014 und ein kostenträchtiges und ertragsschwaches Auslandsgeschäft hätten zu massiven Belastungen geführt, hieß es. Inzwischen sei eine Korrektur der 2012 begonnenen Internationalisierung eingeleitet worden.

Quelle: n-tv.de

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