Wirtschaft
So sieht Freude auf dem Börsenparkett aus. Der Donnerstagshandel lieferte auch allen Grund dazu.
So sieht Freude auf dem Börsenparkett aus. Der Donnerstagshandel lieferte auch allen Grund dazu.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Plus von 250 Punkten: Dax macht einen kräftigen Satz

Athener Schulden-Wahnsinn, China-Börsen-Hype: Diese Schlagworte bestimmen den Handel am Aktienmarkt. Die Anleger finden ihre Kauflaune wieder. Der Dax knackt zeitweise die 11.000er Marke. Einige Titel profitieren besonders.

Eine Stabilisierung an den zuletzt turbulenten Börsen in Asien und auch die Hoffnung auf eine baldige Lösung des Griechenland-Dramas haben dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag einen wahren Kurssprung beschert. "Es gibt nichts weiter Besorgniserregendes", sagte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf.

Nach Verlusten von mehr als 30 Prozent in nur wenigen Wochen - allein zur Wochenmitte büßte der Shanghai Composite 6 Prozent ein – warteten die chinesischen Börsen mit positiven Vorzeichen im Donnerstaghandel aus. Sowohl der Composite als auch Nikkei und MSCI-Index für den Raum Asien/Pazifik (ohne Japan) konnten zum Teil deutlich zulegen. Einziger Wermutstropfen: Peking griff wieder zu milliardenschweren Stützungskäufen.

Im griechischen Schuldendrama stieg zudem die Zuversicht, dass es doch noch zu einer baldigen Lösung kommt, die alle Seiten zufriedenstellen könnte. "Die Anleger sind hoffnungsvoll, dass es noch eine Einigung geben kann", so Marggraf.

Der Dax kletterte stetig und schloss bei 10.996 Punkten und damit 2,3 Prozent höher als am Mittwoch. Da hatte sich der Leitindex nach einem schwachen Wochenstart bereits etwas gefangen. Im Verlauf des Tages war der Dax zeitweilig über der 11.000-Punkte-Marke. Der MDax gewann 2,1 Prozent auf 19.813 Zähler, der TecDax 1,9 Prozent auf 1645 Stellen.

Die Analysten der Societe Generale sahen darin ein deutliches Zeichen dafür, dass die Risikoangst an den Aktienmärkten vorbei ist. Für einen neuen "Risk Off"-Modus sprechen zudem  die Entwicklungen am US-Aktienmarkt, beim Euro und dem Kupferpreis. So hätten die Short-Positionen von Hedge Fonds im S&P-500-Index den größten Umfang seit Juni 2012. Im Euro hätten zudem Dollar-Long-Positionen auf historischen Hochs gestanden, von denen sie in den letzten vier Monaten sehr schnell zurückgekommen seien. Entgegen den ursprünglichen Befürchtungen habe die Unsicherheit um Griechenland nur sehr limitierten Einfluss auf die Wechselkurse gehabt. Ähnliches sei am Kupfermarkt zu beobachten, so die Analysten.

Einzelwerte: Autos fahren vor

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Bei den Dax-Aktien positionierten sich die Verlierer von der Wochenmitte als Gewinner: Die Autowerte gingen auf Erholungsfahrt. Nach zum Teil deutlichen Abschlägen zuletzt konnten BMW , Daimler, VW und Conti bei den Anlegern wieder punkten: Die Aufschläge betrugen 2,2 bis 3,4 Prozent. Schwächster Einzelwert war die Aktie von K+S mit einem Plus von 0,3 Prozent.

Nachdem Alcoa die Berichtssaison in den USA eingeläutet hat, legten in Deutschland mehrere MDax-Unternehmen ihre Zahlen vor: Die Optikerkette Fielmann setzte dabei ihren Wachstumskurs auch im zweiten Quartal fort. Die Aktien zogen 1,3 Prozent an. Ebenfalls mit Zahlen warteten Südzucker auf. Den MDax-Konzern drücken weiter die niedrigen Zuckerpreise. Die Zahlen fielen aber besser aus als erwartet. Der Kurs stieg um 7,5 Prozent. Und auch die Gerresheimer-Aktien zogen an: 3,7 Prozent ging es nach einem ausgewiesenen Umsatzsprung nach oben.

Aixtron lassen Federn

Im TecDax stachen Aixtron heraus - negativ. Die Titel gaben zeitweise mehr als 8 Prozent ab. Grund war eine Analysteneinstufung, bei der das Kursziel deutlich nach unten korrigiert wurde.

USA: Dow rettet sich ins Plus

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Die Wall Street startete überaus freundlich und profitierte vom gestoppten Kurseinbruch in China. Daneben stützten anhaltende Hoffnungen auf eine womöglich doch noch zustandekommende Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland die Stimmung. Konjunkturseitig gab es noch unerwartet deutlich gestiegene Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (+15.000 auf 297.000). Gegen Handelsende gaben die US-Indizes aber den größten Teil ihrer Gewinne wieder ab.

Der Dow-Jones-Index legte minimal um 0,2 Prozent zu und schloss bei 17.549 Punkten. Im frühen Handel hatte er noch 200 Punkte höher gelegen. Der S&P-500 gewann ebenfalls 0,2 Prozent auf 2051 Zähler. Der Nasdaq Composite stieg um 0,3 Prozent auf 4922 Stellen.

Unternehmensseitig stand unter anderem PepsiCo im Fokus. Der Getränkeriese kämpft weiter mit dem starken Dollar, verdiente aber dank guter Snack-Geschäfte in Nordamerika besser als erwartet. Allerdings fiel die Aktie um 0,5 Prozent. Alcoa hatte bereits am Mittwoch nachbörslich durchwachsene Zahlen präsentiert: Der Kurs zog dennoch um 1,7 Prozent an. Nach einem sehr verhaltenen Ausblick des Wettbewerbers F1Q im April verfehlte nun QLogic das selbstgesteckte Ziel. Als Grund nannte das Unternehmen die schwache Nachfrage im traditionellen Geschäft mit Unternehmens-Servern und -Speichern. Der Kurs brach um rund 21,5 Prozent ein.

Devisen: Euro schwächelt

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Der Kurs des Euro hat am Donnerstag vor wegweisenden Entscheidungen für Griechenland nachgegeben. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Abend mit 1,1024 US-Dollar gehandelt. Der Euro lag damit unter dem Niveau im frühen Handel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1054 (Mittwoch: 1,1024) US-Dollar fest.

"Die ungeklärte Griechenlandfrage spielt keine große Rolle am Devisenmarkt", sagte Commerzbank-Devisenexpertin Thu-Lan Nguyen. Seit der jüngsten Zuspitzung des Konfliktes sei der Euro immer nur vorübergehend unter Druck geraten. Die Regierung in Athen arbeitet derzeit an neuen Spar- und Reformvorschlägen, um einen drohenden Ausstieg aus der Währungsunion zu verhindern. Sollte es zu keiner Einigung kommen, droht das Ausscheiden aus dem Währungsraum.

Asien: Nikkei ziert sich lange

In Japan gab der Nikkei mehr als 3 Prozent auf den tiefsten Stand seit drei Monaten nach. Später zogen die Kurse in China auch die japanische Börse nach oben. Am Handelsende stand dann ein Plus von 0,6 Prozent bei 19.856 Zählern. Am Mittwoch war der Nikkei im Sog der massiven Kursstürze in China und Hong Kong um 3,1 Prozent abgesackt. Der breiter gefasste Topix fiel leicht um 0,2 Prozent auf 1580 Punkte.

Rohstoffe: China hilft auch den Ölpreisen

Die Ölpreise zogen deutlich an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Abend 58,84 US-Dollar. Das waren 2,2 Prozent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,7 Prozent auf 52,68 Dollar.

Der Grund für den Preisanstieg: Von der Beruhigung an den dortigen Aktienmärkten profitierten auch andere riskantere Anlagen wie Rohstoffe. An der grundsätzlichen Lage am Ölmarkt ändert dies aber nichts: Das weltweite Angebot übersteigt die Nachfrage seit Langem deutlich.

Am Londoner Terminmarkt verteuerte sich zudem eine Tonne Kupfer um knapp 1 Prozent auf 5384 Dollar. In Shanghai war der Future zuvor noch um 5,7 Prozent eingebrochen. Der Preisrückgang sei übertrieben gewesen, erklärten die Analysten der Commerzbank. Händler sprachen von einer technischen Erholung.

Quelle: n-tv.de

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