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Rekordsprünge am Aktienmarkt: MDax und TecDax übertrumpfen Dax

Nach dem historischen Allzeithoch herrscht Katerstimmung: Der Dax entfernt sich von der "magischen Marke". Erst am Nachmittag kehren die Käufer zurück, dank überraschend guter US-Arbeitsmarktdaten. Die Musik spielt aber woanders.

Nach dem historischen Hoch beim Dax haben zum Wochenschluss MDax und TecDax nachgezogen. Nachdem der Leitindex am Donnerstag erstmals die 10.000er Marke geknackt hat, lieferten am Freitag nun MDax und TecDax ihre Rekorde ab. Den nötigen Push dazu lieferten die besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten.

Der US-Arbeitsmarkt setzte im Mai seinen bereits seit Monaten andauernden Aufwärtstrend fort. 217.000 Stellen wurden im Mai geschaffen. Ökonomen hatten 210.000 erwartet. Das bisherige Rekordniveau der Beschäftigten von 138,4 Millionen Personen vom Januar 2008 wurde damit im Mai übertroffen. Hierzu habe es nur eines Aufbaus um 113.000 Stellen bedurft, so die Analysten der Dekabank. Die Stellenverluste während der großen Rezession von 8,7 Millionen sind damit nach knapp fünf Jahren Aufschwung wieder aufgeholt.

Der Dax schloss mit einem Plus von 0,4 Prozent und 9987 Punkten. Der Leitindex schaffte ein Tageshoch von 10.000,92 Punkten. Das erst am Donnerstag markierte Allzeithoch von 10.013,69 Punkten erreichte er damit nicht. Der MDax ging mit einem Aufschlag von 1,1 Prozent und 17.130 Zählern aus dem Handel. Der Nebenwerte-Index markierte mit seinem Tageshoch von 17.139,64 Punkten ein Alltimehigh. Er hatte am Montag erstmals die 17.000er Marke übersprungen. Der TecDax wollte nicht nachstehen, legte 1,0 Prozent auf 1317 Stellen zu und schrieb sich mit 1319,42 Punkten in die Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt ein.  Der Euro stabilisierte sich, an den Rohstoffmärkten zeigte sich bei Gold ein ähnliches Bild.

EZB schreibt Geschichte

Am Donnerstag hatten die Währungshüter ein ganzes Bündel von Maßnahmen angekündigt, um die Kreditvergabe in der Eurozone anzukurbeln und eine mögliche Deflation zu verhindern. Neben der Senkung der Leitzinsen auf rekordniedrige 0,15 Prozent beschloss die EZB einen Strafzins für Banken und neue milliardenschwere Geldspritzen.

Mit diesem Maßnahmenpaket dürfte die Risikobereitschaft der Anleger noch lange anhalten. "Mit niedrigsten Renditen bei Anleihen kommen die Investoren momentan kaum an einem Investment am Aktienmarkt herum", sagte ein Händler. "Die EZB hat trotz der hohen Erwartungen nicht enttäuscht", so Gary Yau von der Credit Agricole. Die Aktionen sollten sich positiv auf das Wirtschaftswachstum in der Eurozone auswirken, wobei insbesondere die Peripherie profitieren sollte, erläuterte der Analyst.

Sinkende Renditen

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Die Anleihemärkte blieben indes auf Talfahrt. Am stärksten fielen die Anleihezinsen in den krisengeschwächten Euroländern, auf die die EZB-Hilfen letztlich abzielen. Besonders ausgeprägt war der Zinsrückgang in der mittleren Laufzeit von fünf Jahren. In Griechenland ging die Rendite fünfjähriger Staatstitel zeitweiseum 25 Basispunkte auf 4,46 Prozent zurück. In Italien und Spanien waren die Abschläge nur wenig schwächer, die Renditen sanken auf 1,37 beziehungsweise 1,25 Prozent. Deutliche Zinsrückgänge gab es auch in Portugal und Irland. In Deutschland, wo die Renditen bereits sehr tief liegen, fiel die Abnahme schwächer aus. Die Schweiz ausgenommen, musste der Bund mit 0,39 Prozent derzeit so wenig Zinsen für fünf Jahre Zahlen wie kein anderes Land in Europa.

Deutsche Bank fällt aus dem Rahmen

Die Anlegerblicke ruhten auf den Banken: Deutsche Bank verloren rund 1,4 Prozent. Sie konnten einen Großteil ihrer Verluste aus dem Tagesverlauf damit wieder abbauen. Die Bezugsrechte für die neuen Aktien waren am ersten Handelstag noch nicht en vogue. Mit einem Preis von 1,43 Euro je Bezugsrecht liegt das unter dem rechnerischen Wert von 1,57 Euro. "Grundsätzlich begrüßen wir die Kapitalstärkung und gehen von einer erfolgreichen Platzierung aus", sagte Ingo Frommen von der LBBW. Er empfahl die Teilnahme an der Kapitalaufstockung und hat die Aktie auf "Kaufen" von zuvor "Halten" erhöht.

Die Commerzbank konnte dagegen erneut deutlich zulegen: 4,1 Prozent. Sie führte damit die Gewinnerliste im Dax an, die Deutsche Bank war ihr Pendant auf der Verliererseite.

Aktien der Deutschen Börse verteuerten sich um 0,8 Prozent. Der Börsenbetreiber erwägt Kreisen zufolge den Verkauf seiner US-Optionstochter ISE.

Daimler lagen lange im positiven Bereich, schlossen dann aber 0,1 Prozent leichter. Der Konzern meldete einen Absatzrekord im Mai. Die Papiere des Konkurrenten BMW erreichten einen leichten Zuwachs.

Osram spart weiter

Osram zogen 1,3 Prozent an. Der Leuchtmittelhersteller will weiter umbauen und seine Kapazitäten im traditionellen Lichtgeschäft weiter senken. Der Wandel im Lichtmarkt von traditionellen Leuchten zu LED-Lampen habe sich weiter beschleunigt, sagte Vorstandschef Wolfgang Dehen der "Wirtschaftswoche". Damit droht den Beschäftigten ein weiterer Stellenabbau über das laufende Programm hinaus. Bislang ist der Wegfall von 8700 Arbeitsplätzen geplant, davon 1450 in Deutschland.

Preisverfall belastet Südzucker

Weiter nach unten ging es dagegen für die Aktien von Südzucker. Sie gaben 2,5 Prozent nach und fielen damit auf den niedrigsten Stand seit über vier Jahren. Im Handel wurde auf die Schwäche am Zuckermarkt verwiesen. Der Juli-Kontrakt fiel an der ICE um 1,2 Prozent auf 16,83 US-Cents und damit auf den niedrigsten Wert seit sieben Wochen. Die Internationale Zucker-Organisation erwartet, dass die Zuckerproduktion in diesem Jahr per 30. September die Nachfrage um 4,4 Millionen Tonnen übersteigen wird.

Die Papiere von Air Berlin zogen wiederum 2,8 Prozent an. Der Mai hat der Fluggesellschaft etwas mehr Passagiere beschert. Dennoch blieben mehr Sitzplätze in den Fliegern leer als ein Jahr zuvor.

Quelle: n-tv.de

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