Wirtschaft
Ein bewegter Handel - in einer engen Spanne: Der Dax am Dienstag.
Ein bewegter Handel - in einer engen Spanne: Der Dax am Dienstag.(Foto: REUTERS)

"Kein akuter Handlungsdruck": Dax schließt nah am Start

Der zweite Handelstag der Woche taucht Anleger in ein Wechselbad der Gefühle: Der Leitindex wechselt mehrfach das Vorzeichen. Im Leitindex werfen Analysten scharfe Blicke auf die anstehende Zahlen der Deutschen Börse.

Unerwartet schwache Konjunktursignale von beiden Seiten des Atlantiks haben Anlegern am deutschen Aktienmarkt einen weiteren Börsentag mit wenig veränderten Kursen beschert. In Deutschland - der größten Volkswirtschaft der Eurozone - erwies sich die Konjunktureinschätzung der Finanzmarktexperten überraschend vorsichtig. In den USA dagegen trübten sich die geschäftlichen Perspektiven der US-Industrie im Bundesstaat New York unerwartet deutlich ein.

Größere Sorgenfalten schien das Börsianern in Frankfurt allerdings nicht auf die Stirn zu treiben. Nach mehreren Vorzeichenwechseln schloss der Dax 0,03 Prozent höher bei 9659,78 Punkten. Der MDax fiel um 0,20 Prozent auf 16 849,15 Punkte. Der TecDax büßte 0,13 Prozent auf 1269,97 Punkte ein.

Der Eurostoxx50 hielt sich ebenfalls in Sichtweite seines Vortagesschlusses und schloss wenig verändert 0,05 Prozent tiefer bei 3117,44 Punkten. "Der Markt hat in der vorigen Woche ziemlichen Boden gut gemacht, da passt eine Verschnaufpause gut ins Bild", fasste ein Händler die Stimmung zusammen. Seit Monatsbeginn ist der Dax bereits knapp 4 Prozent und der Eurostoxx 3,5 Prozent gestiegen.

Konjunkturdaten beherrschten den Handel: In der monatlichen Befragung der Finanzmarktprofis durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten die Börsianer die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich schlechter als erwartet bewertet. Der ZEW-Index sank im Februar um 6,0 Zähler auf 55,7 Punkte. Zugleich beurteilten die Börsianer die Lage aber deutlich besser: Dieses Barometer kletterte überraschend stark um 8,8 auf 50,0 Punkte.

Das Niveau sei insgesamt weiter hoch, erklärte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Vor allem der Anstieg der Lageeinschätzungen spreche für eine erhöhte Zuversicht der Finanzmarktexperten bezüglich der deutschen Konjunktur. "Aus den Zahlen ergibt sich kein akuter Handlungsdruck für die EZB, weitere Lockerungsmaßnahmen zu beschließen."

Video

An der Wall Street, an der tags zuvor feiertagsbedingt kein Handel stattgefunden hatte, gab es im frühen Verlauf des Dienstags zunächst keinen einheitlichen Trend. Während der Dow-Jones-Index und der S&P-500 zum europäischen Handelsschluss wenig verändert notierten, lag der Nasdaq-Composite 0,7 Prozent im Plus.

Schlusslicht im Dax waren die Aktien der Deutschen Börse mit einem Abschlag von 1,2 Prozent. Die Aktionäre stellten sich auf schwache Quartalszahlen ein, erklärten Händler. Der Frankfurter Börsenbetreiber wird am Mittwochabend seine Bilanz vorlegen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang des Überschusses 2013 um rund ein Viertel auf 488 Millionen Euro. Einige Investoren schienen vor den Geschäftszahlen keine Risiken eingehen zu wollen, kommentierte ein Händler.

Spitzenreiter im Dax waren die Anteilsscheine der Lufthansa mit einem Plus von 1,3 Prozent. Moderate Verluste gab es bei den zuletzt gut gelaufenen Autowerten. Die Papiere von Daimler fielen um 0,1 Prozent, für die Vorzugsaktien von Volkswagen ging es um 0,3 Prozent nach unte. BMW-Titel büßten 0,4 Prozent ein.

Zu den Gewinnern zählten zudem die Versorger RWE und Eon mit Kursgewinnen von 1,2 und 0,7 Prozent. Im MDax setzten sich Hochtief mit einem Plus von 4,7 Prozent an die Spitze, nachdem Goldman Sachs die Titel auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft hatte. Zugleich nahmen sie Bilfinger Berger von der Favoritenliste. Deren Aktien fielen um 0,6 Prozent.

Im MDax zählten die Aktien des Triebwerksproduzenten MTU nach Zahlen mit plus 1 Prozent zu den gefragtesten Werten. Analysten sprachen von einem soliden Schlussquartal. Südzucker-Titel litten unter einer Strafe gegen das Unternehmen wegen verbotener Preisabsprachen. Sie schlossen 1,9 Prozent tiefer.

Besonders unter Druck gerieten aber die Titel der französischen und Schweizer Konkurrenten Lafarge und Holcim, da Goldman Sachs beide zum Verkaufen empfohlen hatte. Lafarge verloren 3,3 Prozent, Holcim 0,8 Prozent.

Spekulationen auf eine Kapitalerhöhung drückten in Paris die Aktien des Siemens-Konkurrenten Alstom um 3,8 Prozent ins Minus. Laut einem Bericht auf der Website von "Les Echos" prüft der französische Staat wegen der Krise in dem Konzern strategische Optionen - darunter einen Anteilserwerb über eine Kapitalerhöhung. Weder Alstom noch die Regierung wollten sich äußern.

Die wichtigsten Börsen Europas fanden keine gemeinsame Richtung. Der Cac 40 in Paris gab leicht nach. Für den Londoner FTSE 100 ging es hingegen um fast 1 Prozent nach oben.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,36 Prozent am Vortag auf 1,34 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,18 Prozent auf 134,50 Punkte. Der Bund-Future zog um 0,18 Prozent auf 143,81 Punkte an. Der Kurs des Euro stieg auf 1,3756 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3731 (Montag: 1,3699) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7283 (0,7299) Euro.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen