Wirtschaft
Kein größeres Aufwärtspotenzial.
Kein größeres Aufwärtspotenzial.(Foto: picture alliance / dpa)

Dünner Handel: Anleger lassen Dax hängen

Es fehlt an Impulsen: Die Zinsentwicklung ist weiter das Hauptthema am Markt. Doch auch die am morgigen Freitag veröffentlichten neuen Russland-Sanktionen lasteten auf der Stimmung. Einmal mehr sorgen Analystenkommentare für Bewegung.

Der deutsche Aktienmarkt hat am eine eines Tages mit lustlosem und dünnem Handel den Sprung in die Gewinnzone knapp verpasst. Größere Aufschläge verhinderte die Zurückhaltung angesichts der zahlreichen geopolitischen Krisen sowie die anhaltende Unklarheit über den Zeitpunkt der US-Zinswende.

Letztlich schloss der Dax 0,1 Prozent im Minus bei 9691 Punkten. Die Handelsspanne umfasste fast 100 Punkte. Der MDax verlor ebenfalls 0,1 Prozent auf 16.147 Zähler. Dagegen erhöhte sich der TecDax um 0,5 Prozent auf 1255 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 sank um 0,2 Prozent auf 3238 Punkte.

An den Nerven der Investoren nagten weiterhin die politischen Krisenherde, sagten Börsianer. Am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September sorgte die jüngste Rede von US-Präsident Barack Obama für Gesprächsstoff. Auch die Lage in der Ukraine bleibt fragil. Eine politische Lösung zeichnet sich bislang nicht ab. Am morgigen Freitag will die EU die neuen Sanktionen verkünden. Die USA und die EU wollen Insidern zufolge Milliardeninvestitionen der größten westlichen Energiekonzerne in die Öl-Förderung in Russland stoppen.

Anleger: Krisen überbewertet

Doch es gibt auch andere Stimmen: "Krisen gibt es immer wieder", sagte ein Marktteilnehmer. Derzeit thematisierten die Märkte die Ukraine-Krise, die aber nur geringe Auswirkungen auf die Konjunktur haben dürfte. Vor einem Jahr habe sich der Markt der konjunkturell viel gefährlicheren US-Schulden-Krise mit der Gefahr des Staatsbankerotts wegen des "Debt-Ceiling" zugewendet. "Das haben aber viele Marktteilnehmer längst vergessen", sagte er weiter. "Es gibt immer Gründe, warum man gerade nicht investiert sein will", ergänzt er.

Am Abend steht die Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Mailand auf dem Eurofi Financial Forum im Fokus. Anleger erhoffen sich zusätzliche Hinweise über das angekündigte ABS-Anleihekaufprogramm der EZB. Allerdings hätten EZB-Vertreter am Vortag bereits den Versuch unternommen, die Erwartungen an ein Programm der EZB zu dämpfen, sagt Dirk Gojny von der National-Bank.

Nachlassende Spekulationen auf eine baldige Unabhängigkeit Schottlands haben derweil dem Pfund Sterling Auftrieb gegeben.Gefragt waren auch schottische Aktien wie Royal Bank of Scotland (RBS) oder Lloyds. "Die jüngste Umfrage ist relativ ermutigend", sagte Alexandre Baradez, Chef-Analyst beim Frankreich-Ableger des Brokerhauses IG Markets. "Es ist aber immer noch sehr knapp. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung vergrößert es die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Referenden im spanischen Katalonien oder im belgischen Flandern." Anleger sollten sich wappnen.

Analysten machen Kurse

Im Dax schlossen K+S 2,3 Prozent fester. Grund war eine Analysteneinstufung. Es gebe angesichts der sich erholenden Kali-Preise weiteren Spielraum für die Anhebung der Gewinnerwartungen im Markt, schreibt Societe Generale. Der fallende Euro werde zusätzlich die Kali-Preise stützen. Bayer kletterten 0,7 Prozent. RWE und Eon profitieren von einer Kaufempfehlung der Royal Bank of Canada (RBC) und legten 0,5 und 0,2 Prozent zu.

Lufthansa verteuerten sich um 0,4 Prozent. Trotz der Befürchtungen, Russland könne im Gegenzug für neue Sanktionen seinen Luftraum für einige Airlines sperren, überwog die Zuversicht angesichts angeblicher Überlegungen zur Abschaffung der umstrittenen Luftverkehrsabgabe profitiert. Zudem stützte der niedrige Ölpreis den Wert.

Am anderen Ende büßten HeidelCement, die in Russland engagiert sind, mit  2,4 Prozent am stärksten ein. Deutsche Börse fielen um 1,6 Prozent zurück. Sie  gerieten in den Sog des Londoner Börsenbetreibers LSE, dessen Papiere wegen des Verkaufs neuer Aktien über acht Prozent abgaben.

Leichter werden zudem erneut Autowerte gehandelt: Daimler gaben 0,8 Prozent nach. BMW verbilligten sich um 0,4 Prozent. Volkswagen schoben sich dagegen noch auf den letzten Metern leicht ins Plus. Vor allem die schwachen jüngsten Wachstumszahlen aus der Eurozone und die konjunkturellen Risiken in China hätten am Markt eine vorsichtigere Haltung zum Sektor zur Folge, hieß es.

In der zweiten Reihe stiegen Aurubis um 1,9 Prozent. Tag Immobilien gewannen 1,8 Prozent. ProSiebenSat.1 erhöhten sich um 1,7 Prozent. Abwärts geht es für Metro. Der Einzelhandelskonzern plant seit geraumer Zeit in Russland den Börsengang von Cash & Carry. Für das Papier hieß dies ein Minus von 2,5 Prozent.

Im TecDax zogen Aixtron kräftig um 7,6 Prozent an. Im Handel wurde dazu auf Spekulationen verwiesen, die koreanische Samsung habe Interesse an einem Kauf des Maschinenbauers. Händler äußern sich sehr zurückhaltend. Die Gerüchte seien nicht neu und würden regelmäßig gespielt. Samsung wollte sich unmittelbar zu den Gerüchten nicht äußern. LPKF erhöhen sich um 4,1 Prozent. Am unteren Ende verlieren Telefonica nach einer Herabstufung 2,4 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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