Wirtschaft
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"Die Musik spielt erst um 20.30 Uhr": Yellen gibt den Dax-Takt vor

Die Anleger tanzen langsamen Walzer vor dem US-Zinsentscheid. Fed-Chefin Yellen könnte den Märkten neuen Schwung verleihen. Solange stehen Unternehmensnachrichten (Siemens, Rheinmetall) und Gerüchte (BMW, Telekom) im Vordergrund.

Am deutschen Aktienmarkt feiert der Dax zur Wochenmitte den zweiten Zugewinn in Folge - wie am Dienstag fällt dieser aber vergleichsweise gering aus. N-tv-Börsenexperte Frank Meyer hat es bereits am Vormittag auf den Punkt gebracht: "Die Musik spielt erst um 20.30 Uhr." Er spielte auf die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve und deren Zinsentscheid um 20.00 Uhr MESZ an. Eine halbe Stunde später sollte Fed-Chefin Janet Yellen die Entscheidung dann kommentieren. Darauf richteten die Anleger - auch an der Wall Street - ihr Augenmerk aus.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent bei 9930 Punkten. Die Handelsspanne betrug lediglich rund 40 Punkte. Der MDax verabschiedete sich ebenfalls 0,1 Prozent fester mit 16.944 Zählern aus dem Handel, der TecDax 0,6 Prozent im Plus bei 1320 Stellen. Während die Ölpreise weiter stiegen, präsentierten sich Euro und Gold nahezu unverändert.

Anleihekäufe weiter reduziert?

Die Konsenserwartung für die Sitzung der Federal Reserve ist, dass diese den Leitzins bei 0,00 bis 0,25 Prozent belässt und die monatlichen Anleihekäufe um weitere 10 auf 35 Milliarden US-Dollar reduziert.

Gary Yau von der Credit Agricole prognostizierte, dass die Fed nach einem schwachen ersten Quartal die Wachstumsschätzung auf etwas über 2 Prozent zurückschraubt von der im März getroffenen Prognose von 2,8 bis 3,0. "Die Arbeitslosigkeit ist stärker zurückgegangen als von der Fed erwartet", sagte der Volkswirt. Die bislang gültige Prognose einer Arbeitslosenquote von 6,1 bis 6,3 Prozent am Jahresende werde die Fed also "ziemlich sicher" senken, ebenso wie die für 2015.

Der große Verfall an den Terminbörsen am Freitag warf Börsianern zufolge im recht umsatzarmen Handel ebenfalls bereits seine Schatten voraus. Am "Hexensabbat" laufen Optionen und Futures auf Aktien und Aktienindizes aus. Überraschende Kursschwankungen einzelner Papiere setzen oftmals schon vorher ein.

Siemens als Dauerbrenner

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"Weiter im Fluss" sei die Nachrichtenlage bei Siemens, sagte Börsenexperte Meyer. Händler sehen im aktuellen Stadium des Kampfes um Alstom keinen Grund für größere Kursausschläge bei der Aktie. "Die französische Regierung will wie erwartet von beiden Bietern mehr", sp ein Marktteilnehmer. Interessant sei allerdings, dass Bouygues die Aussagen vom Sonntag wiederholt habe, wonach sie sich nicht von ihrer Alstom-Beteiligung trennen wolle. "Das könnte die offene Flanke bei dem Siemens-Mitsubishi-Angebot sein, denn das geht davon aus, dass Mitsubishi die angestrebten 10 Prozent von Bouygues bekommt", erläuterte der Händler. Neben Siemens und Mitsubishi bietet auch der US-Konzern General Electric für das französische Unternehmen. Siemens-Titel schlossen 0,3 Prozent fester.

Autos und Versorger

Eine positive Analystenstudie trieb die Aktien des Versorgers RWE um 3,1 Prozent nach oben. Im Schlepptau gewannen Eon 1,3 Prozent. Auch BMW preschten vor: um am Ende 0,7 Prozent. Der Autobauer plant einem Magazinbericht zufolge ein drastisches Sparprogramm. Damit wolle der Autobauer seine Kosten um drei bis vier Milliarden Euro jährlich drücken. Der Oberklassehersteller wollte sich - auch gegenüber n-tv nicht zu dem Bericht äußern. Volkswagen verloren dagegen ebenso leicht wie Daimler.

Lufthansa fliegen höher

Lufthansa konnten dagegen Aufschläge vorweisen. Die fielen mit 0,9 Prozent zudem ordentlich aus. Lufthansa hatten in der Vorwoche mit einer Gewinnwarnung an nur einem Handelstag rund 15 Prozent eingebüßt. Der Dax war in der Folge unter die 10.000er Marke gerutscht.

Kursrally bei Infineon

Infineon-Aktien setzten ihre Rally mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent auf einen weiteren Höchststand seit November 2007 fort. JP Morgan-Analyst Sandeep Deshpande bewertete den Auftritt von Unternehmenschef Reinhard Ploss auf der Technologiekonferenz der Investmentbank positiv. Der Auftragstrend des Halbleiterherstellers bleibe robust, die Aussichten seien gut und die Lagerbestände gemessen an der aktuellen Auftragslage eher knapp.

T-Mobile US und der Plan B

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Deutsche Telekom verteuerten sich um 0,6 Prozent. Ein möglicher Alternativ-Plan für den Fall eines Scheiterns der Übernahme durch Sprint sorgte für kräftige Kursgewinne bei deren US-Tochter T-Mobile US. Laut "New York Post" will T-Mobile US Konkurrenten Mobilfunkfrequenzen abkaufen, die in Städten besseren Empfang versprechen, falls die geplante Übernahme scheitert.

Großauftrag für Rheinmetall

Der vom "Handelsblatt" berichtete Bau einer Fabrik zur Produktion von "Fuchs"-Transportfahrzeugen in Algerien stützte die Aktien von Rheinmetall. "Auch die Verteidigungssparte ist wieder im Wachstumsmodus. Es gab zuletzt mehrjährige große Rüstunsgaufträge", sagte ein Händler. Im Vergleich zu den Aktien der anderen europäischen Rüstungskonzerne lägen Rheinmetall mit einem KGV von unter 10 am unteren Ende der Spanne der Bewertungen, was ebenfalls für Käufe der Aktie spreche. Die Titel sprangen rund 2,5 Prozent an.

Evonik brechen aus

Einen Satz nach oben machten Evonik. "Die Aktie hat den fundamental verursachten Kurssprung von Ende Mai endlich auskonsolidiert und setzt die Story fort", sagte ein Händler. Die Anteilsscheine zogen ebenfalls fast 2,5 Prozent an. Damit seien sie nun nach oben ausgebrochen, kurzfristig könnten sie bis 32 Euro laufen. Fundamentale Kursstütze bilde weiter die Bodenbildung bei den Preisen für die Aminosäure Methionin, die die wichtigste Aminosäure im Portfolio von Evonik darstellt. Sie wird in der Tierzucht benötigt. Ihr Preisverfall hatte noch bei den letzten Quartalszahlen die Evonik-Bilanz belastet.

Moody's blickt auf Südzucker

Am Ende verabschiedeten sich Südzucker mit einem Minus von knapp unter 2 Prozent. Dabei hatten sich die Papiere lange Zeit unbeeindruckt von einer Rating-Senkung durch Moody's gezeigt. "Das kommt viel zu spät und beweist nur, wie stark die Ratingagenturen der Realität hinterherhinken", sagte ein Händler am Vormittag noch. "Eher könnte man es als letzte schlechte Nachricht werten, der eine Bodenbildung folgt", so ein anderer Marktteilnehmer.

Frischer Wind bei Nordex

Nach oben arbeiteten sich auch Nordex: Rund 2,5 Prozent. Der Windturbinenbauer hat in der Türkei neue Aufträge ergattert - das Land gehört für Nordex zu den bedeutendsten Märkten.

Ist Douglas reif für die Börse?

Um die Douglas Holding rankten sich neue Zerschlagungsgerüchte. Wie es beim "Manager Magazin" heißt, sollen fast alle Unternehmensteile verkauft werden und nur die Parfümeriekette übrig bleiben. Diese könnte der Mehrheitseigentümer, der Finanzinvestor Advent, an die Börse bringen. Wenn das Kapitalmarktumfeld einen Gang aufs Parkett nicht zulasse, stünden aber auch strategische Interessenten bereit, so das Magazin weiter.

Quelle: n-tv.de

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