Wirtschaft
Die gute Nachricht: Die allgemeine Ungewissheit zieht Anleger nicht runter.
Die gute Nachricht: Die allgemeine Ungewissheit zieht Anleger nicht runter.(Foto: picture alliance / dpa)

Wahlausgang, Fed und EZB: Dax schwimmt knapp obenauf

Mit welcher Regierung haben es die Unternehmen künftig zu tun? Wie sieht die weitere Geldpolitik der Fed und der EZB aus? Alles offene Fragen. Die Anleger sind keine Hellseher. Sie verharren an der Seitenlinie.

Börsianer haben am Dienstag "Wünsch dir was" gespielt und auf eine Große Koalition gesetzt. In dieser Erwartungshaltung schaffte es der Dax, dem Abwärtstrend aus Übersee zu trotzen - er legte 0,3 Prozent auf 8662 Zähler zu. Für mehr langte es nicht. Dafür haben die US-Konjunkturdaten des Tages dann doch zu sehr enttäuscht.

Der MDax schaffte nur ein kleines Plus von 0,1 Prozent auf 14.983 Zähler. Der TecDax legte um minimale 0,02 Prozent zu auf 1070 Punkte.

Es seien immerhin schon erste, zaghafte Signale erkennbar, dass sich eine Große Koalition bilden könnte, und "das wäre für den Markt eine Entspannung", sagte ein Händler. Große Sprünge waren deshalb allerdings nicht drin. Anleger stellten sich eher auf lange Verhandlungen ein.

Nach der Bundestagswahl, aus der die Union deutlich als stärkste Kraft hervorgegangen ist, gibt es letztlich nur zwei Optionen für eine neue Regierung: Eine große Koalition aus Union und SPD oder ein schwarz-grünes Bündnis. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dazu am Vortag bereits einen ersten Kontakt mit SPD-Chef Sigmar Gabriel gehabt, schließt Gespräche mit anderen Parteien aber nicht aus. Die SPD will sich bei einem kleinen Parteitag am Freitag positionieren.

Der EuroStoxx50 gewann 0,6 Prozent auf 2922 Punkte. Hier schrieben Händler das Plus der Fusionsfantasie der europäischen Investoren nach jüngsten Deals im Telekomsektor zu.

Ifo-Index enttäuscht

Einen Dämpfer erhielt der Markt am Morgen von einem nur leicht verbesserten Ifo-Geschäftsklimaindex. Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hat sich zwar den fünften Monat in Folge aufgehellt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg ganz leicht von 107,6 Punkten im Vormonat auf 107,7 Punkte. Ökonomen hatten aber mit einem Anstieg auf 108,2 Zähler gerechnet.

Am Nachmittag sorgten dann enttäuschende US-Konjunkturdaten für Druck von oben: Belastend wirkte das trübe US-Verbrauchervertrauen. Außerdem brach der Richmond-Index für das verarbeitende Gewerbe ein. "Damit dürfte die Fed das Anleihekaufprogramm noch eine Weile fortsetzen", sagte ein Händler.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Daten ging auch das Rätselraten, wann die USA ihren Kurs der ultralockeren verlassen, munter weiter, was generell für Verunsicherung bei vielen Akteuren sorgt. Die Fed hatte zuletzt wider Erwarten doch nicht ihre monatlichen Anleihekäufe von 85 Milliarden Dollar gedrosselt. Seitdem liefern Fed-Mitglieder in öffentlichen Auftritten unterschiedliche Signale darüber, wann es denn tatsächlich soweit sein könnte. Dazu wurden kritische Stimmen sogar innerhalb der Fed laut, die die Glaubwürdigkeit der Notenbank gefährdet sehen.

Viele Stimmen zu Tapering

"Derzeit ist der Chor zum Thema Tapering vielstimmig und sorgt für Verwirrung und damit Unsicherheit auf den Märkten", sagte Analyst Dirk Gojny von der National-Bank. Er fände es sinnvoll, wenn sich US-Notenbankchef Bernanke äußern würde, um mehr Transparenz in das Thema zu bringen.

Neben der Fed wird auch die EZB nicht müde, den Märkten weitere Liquidität anzubieten. Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi am Montag die Tür für einen weiteren Langfristtender weit öffnete, wiederholte der österreichische Notenbankpräsident Nowotny am Vormittag das Angebot. "Ich gehe davon aus, dass die EZB auf einer der kommenden Ratssitzungen einen Fahrplan für weitere Langfristtender vorlegt", so ein Zinshändler.

Die Ankündigung weiterer Liquiditätsspritzen von der europäischen Zentralbank verfehlte ihre Wirkung nicht. Der Euro tendierte zum Dollar tendenziell leichter. Er fiel sogar unter die Marke von 1,35. Die Renditen der europäischen Staatsanleihen kommen auf breiter Front zurück.

Bei den Einzeltiteln zählten die Versorgerwerte RWE und Eon mit einem Plus von 1,2 und 1,0 Prozent zu den größten Gewinnern am Markt. "Ein Bündnis aus Union und SPD wäre für die Versorger wirklich gut, schließlich ist die SPD ja auch eher ein Vertreter der Braunkohle und will nicht nur auf regenerative Energien setzen", sagte der Händler. Autowerte erholten sich von ihren Vortagesverlusten, so dass BMW, Daimler und Volkswagen zwischen 0,6 und 1,0 Prozent zulegten.

Preiskampf am Kalimarkt setzt K+S zu

Der Einstieg des chinesischen Staatsfonds CIC beim russischen Düngemittelriesen Uralkali belastete die Aktien von K+S. Die Titel verloren 5,5 Prozent. Mit dem Engagement Chinas, das zu den größten Konsumenten von Kali-Düngemitteln gehört, ist es aus Sicht von Experten wahrscheinlich, dass Uralkali den Preis für Kali wie angekündigt drückt und dies durch größere Verkaufsmengen wettmacht - unter anderem in China.

Für den kleineren deutschen Konkurrenten K+S wäre das negativ, betonte NordLB-Analyst Thorsten Strauß. Die Chancen sänken, dass Uralkali das Exportbündnis BPC mit Belaruskali wieder aufleben lasse. Bisher haben BPC und das nordamerikanische Pendant Canpotex stets dafür gesorgt, dass der Kali-Preis auf einem hohen Niveau bleibt.

In der zweiten Reihe gaben die Aktien von Deutsche Wohnen 2,2 Prozent nach. Händlern zufolge steigt Großaktionär Blackstone bei der Immobilienfirma aus und verkauft seinen 4,8-prozentigen Anteil. Die Papiere würden in einer Spanne von 13,05 bis "Marktpreis" angeboten.

In Reaktion auf eine Gewinnwarnung gaben PSI 14,4 Prozent nach. Die Softwarefirma rechnet wegen höherer Entwicklungskosten im dritten Quartal mit einem Betriebsverlust. Im Gesamtjahr werde nun ein Betriebsergebnis von nur noch 5,2 Millionen Euro erwartet. Ursprünglich war ein Ebit von bis zu 17 Millionen angepeilt worden.

Mit Enttäuschung reagierten Anleger zudem auf die Halbjahreszahlen von Südzucker. Die Aktien fielen um 3,3 Prozent. Der Konzern hat für das zweite Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang bekanntgegeben und für das Gesamtjahr 2013/2014 ebenfalls einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses in Aussicht gestellt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen