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Schwaches US-BIP schockt: Dax scheitert an 9900 Punkten

Am deutschen Aktienmarkt wächst die Risikoaversion deutlich. Neben den geopolitischen Brennpunkten Ukraine und Irak sorgen vor allem US-Konjunkturdaten für tiefer werdende Sorgenfalten.

Konjunkturdämpfer, hohe Ölpreise, Irak-Konflikt: Am deutschen Aktienmarkt haben am Mittwoch die Pessimisten die Oberhand gewonnen. Die gestiegene Risikoaversion schlug sich direkt in zum Teil deutlich fallenden Kursen nieder. Das enttäuschende US-BIP tat sein Übriges.

Der Dax fiel bis auf 9836 Punkte und schloss letztlich mit einem Abschlag von 0,7 Prozent bei 9868 Punkten. Der MDax verlor 0,8 Prozent auf 16.711 Zähler. Der TecDax setzte 1,2 Prozent auf 1306 Stellen zurück. Kurzzeitig lag der Index sogar unter der 1300er Marke. Der Eurozonen Leitindex Eurostoxx 50 büßte 1,0 Prozent auf 3252 Zähler ein.

Geopolitik und Konjunktur

Bei den Konjunkturdaten standen frische Zahlen zum US-BIP auf der Tagesordnung: Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal dabei viel stärker geschrumpft als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Januar bis März mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,9 Prozent - das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahren. Das Ministerium korrigierte damit zum zweiten Mal den Wert nach unten, und das gleich so stark wie seit 1976 nicht mehr: Eine erste Schätzung hatte noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent ergeben, sie wurde im Mai auf minus 1,0 Prozent revidiert. Als Hauptgrund für den Einbruch gilt die Kältewelle zu Jahresbeginn, die Teile des öffentlichen Lebens lähmte und besonders der Baubranche zusetzte.

Auch von der US-Industrie kamen enttäuschende Zahlen: Die Bestellungen für langlebige Güter - von Mixern bis hin zu Düsenjets - sanken um 1,0 Prozent zum Vormonat. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Christian Schulz von der Berenberg blieb dennoch gelassen. Das schwache  Wachstum werde die USA "nicht umwerfen". Der private Konsum habe vermutlich unter den späten Osterfeiertagen gelitten. Der zweite belastende Faktor seien geringe Investitionen und ein hohes Defizit im Handel wegen des äußerst strengen Winters. "Beide Faktoren sind temporär und dürften im zweiten Quartal umfangreiche Aufholeffekte zur Folge haben", sagte der Volkswirt.

Unter Druck setzten die Kurse auch weiterhin die geopolitischen Risiken. Vor allem die Lage im Irak bereitete den Anlegern Kopfzerbrechen. Im Konflikt um die Ukraine zeichnete sich derweil eine leichte Entspannung ab, nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin die Waffenruhe verlängern will und die EU keine weiteren Sanktionen gegen das Land plant.

Defensiv ist "in"

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Die Verteilung der Kursgewinner und -verlierer im Dax wertete ein Händler als deutliches Zeichen für eine zunehmende Risikoaversion: "Die Zykliker werden gegeben und die Defensiven halten sich gut." HeidelbergCement, K+S, Lanxess, Lufthansa und ThyssenKrupp gälten als "risky" und würden daher verkauft. Relative oder gar absolute Stärke zeigten dagegen Deutsche Telekom, FMC und Merck, deren Erträge weniger starken Schwankungen unterlägen.

Analysten machen Kurse

HeidelbergCement verloren 2,7 Prozent, nachdem der US-Broker Raymond James die Aktie abgestuft hatte. Aurubis fielen trotz Hochstufung durch Bank of America-Merrill Lynch um 2,1 Prozent. Metro zogen 1,5 Prozent an, nachdem JP Morgan die Aktie auf "Neutral" von "Untergewichten" angehoben hatte.

Deutschen Bank fielen auch nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung um ein Prozent auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. "Die Risiken aus den Rechtsstreitigkeiten scheinen die Haltung zu der Aktie weiter zu dominieren", sagte ein Händler. Die von einigen Marktakteuren erwartete starke Kurserholung nach Abschluss der Kapitalmaßnahme bleibe aus.

Siemens-Alstom-GDF

Allgemein blieb die Themenlage dürftig. Die erfolgreiche Platzierung einiger Staatsanteile am französischen Versorger GDF Suez trieb die Kurse bei Alstom. Nachdem die Alstom-Aktien am Montag mit kräftigen Verlusten auf die komplizierte Konstruktion aus Staatsbeteiligung und Übernahme durch General Electric reagiert hatten, erholen sie sich um 0,8 Prozent. Über den GDF-Verkauf finanziert der Staat den Einstieg bei Alstom. Die GDF-Aktien sollen Händlern zufolge bei 20,18 Euro platziert worden sein. Nach Abschluss der Platzierung erholten sich die Aktien wieder leicht und notierten 0,5 Prozent schwächer.

"Die schnelle GDF-Platzierung zeigt, dass der Staat Nägel mit Köpfen macht und und diese komplizierte Sache voranbringt", sagte ein Händler. Auch die Analysten der Deutschen Bank sehen nun mehr Klarheit bei der Bewertung von Alstom und erhöhen die Aktie daher auf "Buy" nach "Hold". Siemens gaben 0,9 Prozent ab.

Neuer MDax-Kandidat

Braas Monier legten ein schwaches Börsendebüt hin. Die Aktien des Dachpfannen-Herstellers starteten bei 23,40 Euro und damit unter dem Ausgabepreis von 24 Euro in den Handel. Danach ging es sogar zeitweise bis unter die 22-Euro-Marke. Beim bislang größten Börsengang des Jahres in Deutschland nahmen das Unternehmen und seine Eigentümer durch den Verkauf von bis zu 22,5 Millionen Aktien maximal 541 Millionen Euro ein. Braas Monier gilt als Kandidat für einen Aufstieg in den Nebenwerte-Index MDax. Am Ende gingen sie bei 22,30 Euro aus dem Handel.

Drillisch profitiert von Zusammenschluss

Der Zuschlag für die Nutzung von Netzkapazitäten nach der Fusion von O2 und E-Plus half Drillisch auf die Sprünge. Die im TecDax gelisteten Aktien des Mobilfunk-Anbieters kletterten in der Spitze um 5,1 Prozent auf ein Rekordhoch von 30,10 Euro. Danach stand ein Aufschlag von 2,4 Prozent zu Buche. Telefonica Deutschland (O2) will mit Zugeständnissen Bedenken der EU-Kommission im Hinblick auf den Kauf von E-Plus ausräumen und ist bereit, Kapazitäten an den kleineren Konkurrenten Drillisch abzugeben, der kein eigenes Mobilfunknetz betreibt. Mit der Vereinbarung könnte eine Zustimmung der Kommission zu dem Deal wahrscheinlicher werden und Drillisch dürfte seine Wettbewerbsposition verbessern, schreib Equinet-Analyst Adrian Pehl in einem Kommentar.

Die Aktien der Drillisch-Konkurrenten Freenet und United Internet reagierten ebenfalls mit Kursverlusten. Die Freenet-Papiere verloren 0,8 Prozent, und die von United Internet brachen um knapp sieben Prozent ein.

Für Irritationen sorgten im Handelsverlauf starke Kursausschläge bei den Aktien von Symrise und Kion. Gegen 13.24 Uhr brachen Symrise auf Xetra um fast fünf Prozent ein bei mehr als 35.000 gehandelten Aktien. Bei Kion fiel der Kurs zur gleichen Zeit um knapp 6 Prozent bei knapp 122.000 gehandelten Stücken. "Ich vermute, es war ein vom Algo-Trading ausgelöster Misstrade", sagte ein Händler. Bei Symrise sei erst auf dem Tiefstkurs die Vola-Unterbrechung ausgelöst worden, anschließend seien die Positionen rasch wieder eingedeckt worden.

Bei Symrise seien zudem in der Xetra-Schlussauktion "auffällig hohe Umsätze" von mehr als 68.000 Aktien zu beobachten gewesen."Um einen Index-Trade kann es sich jedenfalls nicht gehandelt haben", sagte der Händler. Denn MDax-Schwergewichte wie Brenntag oder Pro7 hätten sich zu diesem Zeitpunkt kaum bewegt. Symrise und Kion hätten sich im weiteren Verlauf des Handels wieder auf die Kursniveaus von vor dem Einbruch erholt.

Quelle: n-tv.de

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