Wirtschaft
Die Wirtschaftsweisen korrigieren ihre BIP-Prognose nach oben, die US-Wirtschaft zeigt deutliche Anzeichen der Belebung: Der Dax legt kurz vor Feierabend zu.
Die Wirtschaftsweisen korrigieren ihre BIP-Prognose nach oben, die US-Wirtschaft zeigt deutliche Anzeichen der Belebung: Der Dax legt kurz vor Feierabend zu.(Foto: dpa)

Börsianer verdauen Fed-Signale: Dax rettet sich ins Plus

Die Zinswende kann kommen: Am Tag nach dem Fed-Signal kann sich der deutsche Aktienmarkt dem Abwärtssog entziehen. Die Angst vor einem beschleunigten Ausstieg aus der Niedrigzinsphase verblasst. In den letzten Minuten kämpft sich der Leitindex in die Gewinnzone.

Die Nachwirkungen der Yellen-Aussagen zum Zeitplan der US-Geldpolitik verlieren ihren Schrecken. Gestützt auf solide Konjunkturdaten aus den USA strömen Anleger zurück in den deutschen Aktienmarkt. Die Sorge vor einer bereits im kommenden Jahr anstehenden Zinswende im Dollarraum scheint die Börsianer nicht nachhaltig zu verunsichern.

Nach einem überwiegend trüben Handelsverlauf klettert der Dax kurz vor Handelsschluss in die Gewinnzone und beendet den Tag 0,21 Prozent fester bei 9296,12 Punkten. Das Tagestief aus dem Verlauf liegt bei 9156,63 Zählern, das Tageshoch bei 9296,90 Punkten. Zwischenzeitlich hatte der Dax deutlich mehr als 100 Punkte verloren. Erst mit der Veröffentlichung frischer US-Daten wie etwa dem Philly-Fed-Index und dem Index der Frühindikatoren (Conference Board) schienen sich die Investoren in Europa auf die fundamentalen Perspektiven zu besinnen. Der Nebenwerteindex MDax schließt 0,50 Prozent im Minus bei 16.361,48 Punkten. Der Technologiewerteindex TecDax geht mit einem Abschlag von 0,91 Prozent bei 1244,78 Punkten aus dem Handel.

Die wichtigsten europäischen Aktienindizes präsentierten sich am Donnerstag uneinheitlich. Der Eurostoxx50 stieg um 0,38 Prozent auf 3088,90 Punkte. Der CAC 40 in Paris legte um rund ein halbes Prozent zu, während der FTSE 100 in London nahezu ein halbes Prozent verlor. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial zeigte sich zum europäischen Börsenschluss 0,73 Prozent über dem Vortagesschluss.

Die US-Notenbank Fed behält ihren Kurs einer außergewöhnlich lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft vorerst bei. Neue Zinsprognosen der Top-Notenbanker lassen jedoch darauf schließen, dass eine erste Zinsanhebung früher als gedacht kommen könnte.

Für Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research ist dies jedoch kein Grund zur Sorge: "Selbst wenn 2015 eine Zinserhöhung kommen sollte - von einem Zinserhöhungszyklus zu sprechen, ist noch viel zu früh. Die Fed stoppt die ultraexpansive Geldpolitik, doch expansiv bleibt sie nach wie vor." Damit stimme das Aktienumfeld weiterhin.

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Im Dax setzten sich Lanxess nach anfänglichen Verlusten an die Spitze und gewannen 5,2 Prozent auf 53,95 Euro. Der Chemiekonzern stellte nach tiefroten Zahlen im vergangenen Jahr für das erste Quartal einen bereinigten operativen Gewinn von rund 200 (Vorjahr: 174) Millionen Euro in Aussicht. Analyst Nils-Peter Fitzl vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser bezeichnete den Jahresauftakt als ordentlich. Er rechne für die kommenden Monate mit einer weiteren Verbesserung der Branchenkonjunktur.

Unternehmensausblicke und Geschäftszahlen sorgten für Aufsehen. So gibt der weltgrößte Rückversicherer Munich Re trotz eines absehbaren Gewinnrückgangs in diesem Jahr eine weitere Milliardensumme per Aktienrückkauf an seine Anteilseigner zurück. Munich-Re-Papiere gewannen 1,3 Prozent.

Delisting bei Air Berlin?

Die Aktien von Rheinmetall gingen dagegen auf Talfahrt. Die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Titel des Rüstungskonzerns brachen um bis zu 6,5 Prozent ein. Die Bundesregierung hatte betont, angesichts der Krim-Krise halte sie die geplante 100 Millionen Euro schwere Lieferung von Simulationstechnik für ein russisches Gefechtsübungszentrum "für nicht vertretbar." Im SDax rutschten die Aktien von Deutz um knapp 12 Prozent ab. Der Motorenhersteller hatte trotz eines kräftigen Gewinnsprungs die hohen Erwartungen der Börse nicht erfüllen können.

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Mit scharfen Kursverlusten ragten die Aktien von Air Berlin aus dem Gesamtmarkt heraus. Die Aktien seien weiterhin "nichts für schwache Nerven", merkte ein Beobachter an. Nachdem die Aktien der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft am Vortag im Umfeld von Übernahmespekulationen stark zugelegt hatte, brach der Kurs nun in ähnlichem Umfang ein. Grund sind Spekulationen um ein sogenanntes "Delisting" der Aktie. Bankenkreise rechneten mit einem Rückzug von der Börse, berichtete die "B.Z." Ein solcher Schritt könnte "unter dem aktuellen Kurs durchgeführt werden", begründete ein Marktteilnehmer die Kursverluste. Der Kurs fällt um 12,5 Prozent auf 2,06 Euro. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Starke Signale aus Deutschland und USA

Die Titel von GlaxoSmithKline büßten in London und New York jeweils etwa 1,5 Prozent ein. Ein Krebsmedikament des Pharmakonzerns war bei einer Studie erneut durchgefallen. Die Papiere von Guess rutschten zeitweise sogar um 6,4 Prozent ab. Der für seine Jeans bekannte Modekonzern hatte für das laufende Quartal überraschend einen Verlust in Aussicht gestellt. Grund hierfür sei unter anderem ein schwächelndes Nordamerika-Geschäft.

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Ermutigende Konjunktursignale aus den USA und Deutschland lösten am Nachmittag einen breit angelegten Stimmungsumschwung im deutschen Aktienhandel aus. Die Wirtschaftsweisen blicken mit wachsendem Optimismus auf die Konjunktur in Deutschland. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,9 Prozent steigen, erklärten die Regierungsberater. Bisher hatten sie nur ein Plus von 1,6 Prozent veranschlagt. Der Jahresstart stimme zuversichtlich. Für das laufende Quartal rechnen die Forscher mit einem Plus von 0,6 Prozent. "Positive Wachstumsimpulse dürften im Jahr 2014 vor allem aus dem Inland kommen." Neben den privaten Konsumausgaben würden vor allem die Investitionen der Firmen in Maschinen

Dazu kamen starke Impulse aus den USA: Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Philly Fed) stieg im März auf plus neun Punkte von minus 6,3 Zählern im Vormonat. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf plus 3,8 Stellen gerechnet. Diese Daten deuteten darauf hin, dass die Erholung der US-Konjunktur an Fahrt gewinne, sagte Frank Davis, Chef-Händler von LEK Securities.

Am Vorabend hatte Fed-Chefin Janet Yellen angekündigt, das milliardenschwere Wertpapier-Ankaufprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur bis zum kommenden Herbst beenden zu wollen. Sechs Monate später könnte die US-Zentralbank dann die Zinsen, die aktuell bei fast Null Prozent liegen, anheben. "Also früher als von vielen bislang erwartet", betonte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

Wegen der Aussicht auf steigende Zinsen in den USA kauften Anleger verstärkt die Währung des Landes. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, kletterte zeitweise auf ein Drei-Wochen-Hoch von 80,354 Punkten. Im Gegenzug verbilligte sich die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,3786 Dollar von 1,3831 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss.

Allerdings werteten nicht alle Börsianer Yellens Aussagen als Hinweis auf eine vorzeitige Zinswende. Zwar signalisierten die Kurse am Terminmarkt eine 50:50-Chance auf eine erste US-Zinserhöhung im Mai oder Juni 2015. Zuvor hatten Anleger eher auf Juli oder August gewettet. In einer Reuters-Umfrage erwarteten aber 10 der 17 Befragten die Zinswende weiterhin erst für die zweite Hälfte des kommenden Jahres. Vier von ihnen tippen sogar auf 2016.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,29 Prozent am Vortag auf 1,36 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,31 Prozent auf 134,26 Punkte. Für den Bund-Future ging es um 0,11 Prozent auf 142,37 Punkte nach unten. Der Kurs des Euro gab deutlich nach. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3762 (Mittwoch: 1,3913) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7266 (0,7188) Euro.

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Quelle: n-tv.de

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