Wirtschaft
Aufwärts Richtung Wochenschluss: Am Nachmittag drängt der Dax nach oben.
Aufwärts Richtung Wochenschluss: Am Nachmittag drängt der Dax nach oben.(Foto: REUTERS)

Starker "Dreiklang" an der Börse: Dax rettet sich ins Wochenende

Beinahe wäre deutsche Leitindex zum Wochenschluss ins Minus gerutscht: Nach einem überwiegend freundlichen Verlauf gehen Dax-Anleger am großen Verfallstag mit leichten Gewinnen in den Feierabend. Hinter der ersten Reihe sieht es ganz anders aus.

Die Woche des großen Fed-Entscheid ist gelaufen: Am deutschen Aktienmarkt breitet sich kurz vor dem Wochenschluss allerdings noch einmal Unruhe aus. Nur knapp kann sich der Leitindex mit einem leichten Plus ins Wochenende retten.

Der Dax hat den Freitagshandel den sechsten Handelstag in Folge mit Gewinnen beendet. Am Abend schloss das prominenteste deutsche Börsenbarometer 0,50 Prozent fester bei 9342,94 Punkten. Händler führten die robuste Aufwärtsbewegung auf starke EU-Konjunkturdaten und positive Ergebnisse des jüngsten Stresstests für 30 US-Großbanken zurück. Trotz einer eher trüben politischen Großwetterlage verzeichnete der Leitindex einen Wochengewinn von 3,16 Prozent, nach einem Minus in der Vorwoche von 3,15 Prozent. Bei den Nebenwerten sieht die Lage zum Wochenschluss allerdings anders aus. Im MDax ging es für Anleger im Freitagshandel um 0,15 Prozent nach unten auf 16.337,44 Punkte. Der TecDax verlor 0,62 Prozent auf 1237,02 Punkte.

Die Krim-Krise blieb wie bereits am Vortag thematisch im Hintergrund. "Wurde vor einer Woche noch ein deutlicher Rutsch unter die Marke von 9000 Punkten diskutiert, so haben die Anleger offenbar die politische Börse in Sachen Ukraine schon wieder abgehakt", kommentierte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Anleger können sich "zurücklehnen"

Verändert habe sich allerdings die Lage in den USA, wo die geldpolitischen Zügel etwas straffer gezogen worden seien. Dennoch bleibe das Umfeld für Aktien attraktiv. "Solange der Dreiklang aus wachsender Wirtschaft, niedriger Inflation und niedrigen Zinsen stimmt, können sich die Anleger beruhigt zurücklehnen", glaubt Saurenz.

Im Verlauf hatten sich Börsianer auf einen volatilen Handel eingestellt. Am sogenannten "Hexensabbat" sind in der Regel sehr starke Kursschwankungen zu erwarten. An diesem Tag werden an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Dies führt vor allem zum Börsenschluss oft zu hektischem Handel in Einzelwerten.

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Der Settlement-Kurs für Dax-Optionen ist am Freitag auf den tiefsten Stand seit November 2013 gefallen. Er wurde bei 9343,06 Punkten festgesetzt, nach 9625,10 Zählern im Vormonat. Für den MDax lag das Settlement bei 16.431,26 (Februar: 16.801,32). Der TecDax wurde ein Settlement-Kurs von 1239,33 (1264,71) Stellen festgesetzt. Die Optionen auf den Eurostoxx50 verfielen bei einem Kurs von 3092,57 (3118,72) Punkten, die Optionen auf den Stoxx50 bei 2851,16 (2954,66) Zählern.

Streik-Risiko am Flughafen

Mit der Aussicht auf Streikaktionen im deutschen Flugverkehr rückten am Vormittag insbesondere die Aktien der Deutschen Lufthansa ins Blickfeld: Die Piloten der Lufthansa haben sich in einer Urabstimmung für einen Streik bei Europas größter Luftverkehrsgesellschaft entschieden. Einen Termin nannte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zunächst nicht. Der Kurs der Lufthansa-Aktien gab um 1,1 Prozent nach auf 19,32 Euro und zählte damit zu den größten Tagesverlieren im Dax.

Größere Kursverluste sahen Anleger hier nur noch bei Henkel und Adidas. Die Aktien des Klebstoff-, Reinigungsmittel- und Kosmetikkonzerns verbilligten sich um knapp 1,2 Prozent. Die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas zogen sich am Dax-Ende um 1,8 Prozent zurück. Hier wirkten nach Ansicht von Beobachtern die Zahlen von Wettbewerber Nike noch nach. Der US-Rivale hatte am Vorabend vor erheblichen Ergebnisbelastungen durch Währungsturbulenzen in wichtigen Schwellenländern gewarnt.

Der "Fed-Schock" ist überwunden

Nachdem die Berichtssaison in Deutschland ihren Höhepunkt überschritten hat, sorgen einzelne Nachzügler noch für Bewegungen. Wie am Vortag bekannt wurde, können sich die Aktionäre von SAP auf eine höhere Dividende freuen. Die Titel des Softwarekonzerns legten um 1,3 Prozent zu auf 56,60 Euro.

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Einen wichtigen Beitrag zur robusten Laune im deutschen Aktienmarkt lieferten Börsianer zufolge die unerwartet guten US-Konjunktursignale vom Vortag. Die Daten unterstrichen das Bild einer konjunkturgetriebenen Erholung der Unternehmensgewinne. In der EU sprang das Verbrauchervertrauen zudem auf den höchsten Stand seit November 2007. Und die Stimmung gegenüber den Fed-Aussagen hat sich nun "wesentlich verbessert", sagte ein Händler mit Blick auf die jüngsten Zinsaussagen von US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen. Sie würden nun "klar konjunktur-bullish" interpretiert, hieß es.

In den USA erreichte der S&P-500-Index zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch, konnte dieses Niveau allerdings nicht verteidigen. Europaweit waren parallel dazu dennoch die konjunkturzyklischen Branchen gesucht. In Deutschland stiegen zum Beispiel die Aktien von BASF um 0,7 Prozent. Lanxess kletterten um 1,3 Prozent.

Bei den übrigen herausragenden Einzelaktien machten überwiegend Umstufungen die Kurse: So profitierte die Commerzbank-Aktie von einer Kaufempfehlung durch Morgan Stanley und legte um 2,5 Prozent zu. Die Papiere von HeidelbergCement stiegen um 2,4 Prozent, hier hatten sowohl die LBBW als auch Bernstein die Kursziele nach oben genommen.

Die Aktien von PSI im TecDax litten unter einer Abstufung auf "Halten" durch Coba-Analysten und fielen um 4,1 Prozent. Bester Wert im TecDax waren Evotec nach einer günstigen Analystenstudie mit plus 2,9 Prozent.

Im MDax litten Stada-Titel unter einer Abstufung durch das Bankhaus Lampe und gaben 0,6 Prozent ab. Hugo Boss stiegen nach der Empfehlung zum "Übergewichten" durch die HSBC um 1,6 Prozent.

Die wichtigsten europäischen Aktienindizes präsentierten sich am Freitag einheitlich mit Gewinnen. Der Eurostoxx50 stieg um 0,41 Prozent auf 3096,49 Punkte. Der CAC 40 in Paris und der FTSE 100 in London tendierten freundlich. Der US-Leitindex Dow Jones zeigte sich zum europäischen Börsenschluss knapp ein halbes Prozent im Plus.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,36 Prozent am Vortag auf 1,35 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 134,28 Punkte. Für den Bund-Future ging es um 0,08 Prozent auf 142,51 Punkte nach oben. Der Referenzkurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihn auf 1,3780 (Donnerstag: 1,3762) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7257 (0,7266) Euro.

Neue Rangfolge im Dax

Neben den Impulsen auf Unternehmensebene befassen sich Investoren auch mit der neuen Zusammensetzung der Indizes, die nach Börsenschluss in Kraft tritt. Als großer Gewinner der neuen Zusammensetzung des Dax gilt ThyssenKrupp. In der Aktionärstruktur des Stahlkonzerns war der Anteil des Streubesitzes zuletzt von 66 auf 77 Prozent gestiegen. Das Gewicht von ThyssenKrupp im Dax wächst in diesem Zusammenhang von 0,88 auf 1,01 Prozent. Der Aktienkurs gewinnt 1,4 Prozent auf 18,93 Euro.

Als Verlierer der neuen Gewichtung gilt hingegen Linde: Das Index-Gewicht des Industriegasekonzerns reduziert sich von 3,34 auf 3,17 Prozent. Hintergrund ist das Engagement des norwegischen Staatsfonds Norges bei Linde. Die Norweger halten mittlerweile 5,04 Prozent der Linde-Aktien. Diese Anteilsscheine werden nun nicht mehr zum Streubesitz gezählt. Die Aktien von Linde verteuerten sich um 1,1 Prozent auf 142,65 Euro.

Kursrelevante Änderungen

Die Zusammensetzung des Dax lässt der Indexanbieter Deutsche Börse üblicherweise vier Mal im Jahr überprüfen und gegebenenfalls neu zusammenstellen. Dabei wird in der Regel die Gewichtung der 30 enthaltenen Titel an die Veränderungen angepasst, die seit dem vorigen Verkettungstermin erfolgt sind. Auch Dividendenausschüttungen fließen hier ein. Sie drücken das Index-Gewicht der betreffenden Aktien. Wegen der zurückliegenden Dividendenausschüttung werden Siemens den Platz als schwerste Dax-Aktie an Bayer verlieren.

Die neuen Berechnungen sind sofort kursrelevant. Denn passive Anleger wie Index-Fonds setzen die Veränderungen zu den Schlusskursen um. In der Regel werden Aktien mit höherem Index-Gewicht oder Neuaufnahmen gekauft, Aktien mit fallendem Index-Gewicht und Absteiger dagegen verkauft.

Im MDax dürfte das Gewicht von ProSieben, Airbus und Bilfinger zunehmen. Als Verlierer werden Celesio gesehen. Deutlichen Einfluss auf die MDax-Titel könnten auch anstehende Veränderungen im Stoxx-600 und damit in den Branchenindizes haben. Hier werden die MDax-Titel Tui und Leoni aufgenommen, Hochtief und Celesio dagegen entfernt. Im TecDax ersetzen außerdem die Aktien von Manz Automation die Papiere von Adva. Im SDax verdrängen Capital Stage und Surteco die Aktien von VTG sowie H+R.

Quelle: n-tv.de

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