Wirtschaft
Gezeitenwechsel an den Märkten: Im deutschen Aktienhandel geben die Kurse auch zu Beginn der neuen Woche weiter nach.
Gezeitenwechsel an den Märkten: Im deutschen Aktienhandel geben die Kurse auch zu Beginn der neuen Woche weiter nach.(Foto: dpa)

Weitere 56 Zähler abwärts: Dax schließt unsicher im Minus

Die neue Handelswoche beginnt wie die letzte endete: Der Abwärtssog ist offensichtlich noch nicht ausgestanden. Am deutschen Aktienmarkt geht der Dax unterhalb ein psychologisch bedeutsamen Kursmarke aus dem Handel.

Der Wochenauftakt hält für Anleger wenig Trost bereit: Der Leitindex Dax hat den Montagshandel mit neuerlichen Kursverlusten beendet. Das Börsenbarometer gab dabei die moderaten Gewinne aus dem frühen Handel bis zum Abend komplett ab. Zum Handelsschluss notierte der Dax 0,61 Prozent im Minus bei 9154,14 Punkten. Bei den Nebenwerten stellt sich die Lage nicht viel anders dar: Die Indizes blieben auch hier zu Beginn der neuen Woche klar im negativen Bereich. Der MDax fiel um 0,67 Prozent auf 15.511,15 Punkte. Der TecDax verlor 0,96 Prozent auf 1176,76 Punkte.

Europaweit war das Kursbild weniger eindeutig. Der Eurostoxx50 schloss nahezu unverändert bei 3070,46 Punkten. Die Verunsicherung unter den Anlegern bleibe angesichts der jüngsten Kursverluste groß, sagte Andreas Paciorek, Marktanalyst bei CMC Markets. Auch an der Wall Street blieben die Anleger auf der Hut: Dow-Jones-Index und S&P 500 erholten sich kaum.

"Deutschland hat am meisten zu verlieren"

In der vergangenen Woche hatte der Dax mit einem Abschlag von 4,5 Prozent so viel verloren wie seit mehr als zwei Jahren nicht. Gleichzeitig zogen die Umsätze kräftig an. Die Krisenherde Ukraine und Nahost sowie die Pleite Argentiniens hatten zu einem Ausverkauf geführt. Dazu kamen Spekulationen auf eine Zinserhöhung in den USA.

"Es ist die Angst vor einer zu frühen Zinswende in den Vereinigten Staaten, die die Investoren jetzt zwei Mal darüber nachdenken lässt, wie die Aktienmärkte und die Rally der vergangenen Jahre zu bewerten sind", fasste Niall Delventhal, Marktanalyst von DailyFX, zusammen.

Dass der Dax sich schwächer als die übrigen Indizes entwickelte, hängt nach Einschätzung von Phoebus Theologites von SteppenWolf Capital mit den möglichen Folgen der Russland-Sanktionen zusammen. "Deutschland hat da am meisten zu verlieren."

Am vergangenen Freitag hatte der deutsche Leitindex wegen der Angst vor einer vorgezogenen Anhebung der US-Zinsen, der Verschärfung der Sanktionen gegen Russland und weiterer Krisenherde mehr als 2 Prozent verloren. Von seinem im frühen Sommer markierten Allzeithoch jenseits der 10.000 Punkte ist der Dax mittlerweile deutlich mehr als 800 Zähler entfernt.

Bei den Einzelwerten ragten zu Wochenbeginn insbesondere konjunkturnahe Titel aus dem Feld der Verlierer heraus: Im Chemiesektor gab es europaweit die größten Verluste. Die Papiere von Lanxess büßten am Dax-Ende 2,3 Prozent ein. Der Chemiekonzern legt am Mittwoch seine Zahlen vor. Händler vermuten, dass ein erwarteter Gewinnanstieg nur die Folge einer Sanierung und nicht besserer Geschäfte ist. BASF verloren 1,7 Prozent.

Den Aktien der Commerzbank gelang hingegen ein Plus von knapp 0,7 Prozent. Händler sahen das Institut als Nutznießer eines "Spiegel"-Interviews mit dem Chef der Finanzholding RHJ Leonard Fischer. Dieser rechnet mit Übernahme-Attacken auf deutsche Banken. Zudem glauben Analysten, dass der am Donnerstag anstehende Quartalsbericht einen anhaltenden Aufwärtstrend belegen dürfte.

Die Aktien des Versicherungskonzerns Allianz verzeichneten nach einem positiven Analystenkommentar nur kurzzeitig Gewinne. Am Ende verbuchten sie ein Minus von 0,3 Prozent.

Im insgesamt starken Autosektor legten BMW und Daimler um 0,9 beziehungsweise 0,5 Prozent zu. Börsianer verwiesen auf Nachwirkungen guter US-Verkaufszahlen sowie ein kräftiges Anziehen des deutschen Automarktes im Juli. Die im Dax notierten Vorzugsaktien von Volkswagen verbilligten sich jedoch um 0,1 Prozent. Die Wolfsburger fahren in den USA weiter der Konkurrenz aus München und Stuttgart hinterher.

Im MDax sanken die Titel von Hugo Boss im Zuge der Spekulationen über einen Ausstieg von Permira um 1,5 Prozent. Dass der Finanzinvestor einen entsprechenden Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg inzwischen dementierte, half den Aktien des Modekonzerns nicht. Die Rheinmetall-Aktien verloren nach dem endgültigen Aus für ein Rüstungsgeschäft mit Russland 0,8 Prozent.

Bei den Nebenwerten setzten viele Anleger auf gute Quartalszahlen vom Stahlhändler KlöCo, dessen Aktien um 3,5 Prozent anzogen. Die Zwischenbilanz wird am Donnerstag veröffentlicht.

Fuchs Petrolub legten 1,6 Prozent zu. Damit setzten die Titel des Schmierstoffherstellers ihren am späten Freitagnachmittag eingeleiteten Erholungskurs  fort.

Aus den Depots flogen dagegen die Aktien von Osram, die um 2,9 Prozent abrutschten. Die Titel des Leuchtmittelherstellers zählen im bisherigen Jahresverlauf zu den größten MDax-Verlierern.

Schlusslicht im TecDax waren Evotec mit einem Abschlag von 7,4 Prozent auf 3,71 Euro. Händler machten erneut Gewinnmitnahmen verantwortlich. Übernahmespekulationen hatten die Titel Ende Juli binnen weniger Tage um mehr als 16 Prozent auf ein Sechs-Monats-Hoch von 4,32 Euro gestiegen.

Für den Eurostoxx50 ging es zum Handelsschluss um moderate 0,07 Prozent nach unten auf 3070,46 Punkte. Der Cac 40 in Paris legte dank Gewinnen bei Finanzaktien zu, während der Londoner FTSE 100 bei minus 0,02 Prozent so gut wie unverändert notierte. Gleiches galt für den US-Leitindex Dow Jones, der zum europäischen Handelsschluss kaum verändert stand.

In Lissabon reagierten die Anleger erleichtert auf die Rettung der größten Bank des Landes, Espirito Santo, durch den Staat. Der Leitindex legte 1 Prozent zu. Die Aktien der Espirito Santo blieben vom Handel ausgesetzt.

In London konnte die Großbank HSBC mit ihrem Halbjahresbericht bei den Anlegern punkten, obwohl die Geschäftszahlen unerwartet schwach ausgefallen waren. Auf den zweiten Blick habe man dem Ergebnis aber doch etwas Gutes abgewinnen können, hieß es in London. Die Aktien legten ein Prozent zu.

Am deutschen Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,98 Prozent am Vortag auf 0,95 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 136,91 Punkte. Der Bund-Future trat bei minus 0,01 Prozent auf 148,46 Punkten quasi auf der Stelle. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3422 (Freitag: 1,3395) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7451 (0,7466) Euro.

Quelle: n-tv.de

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