Wirtschaft
Aufwind in der zweiten Handelshälfte: Am Nachmittag entwickelt der deutsche Aktienmarkt ein dickes Plus.
Aufwind in der zweiten Handelshälfte: Am Nachmittag entwickelt der deutsche Aktienmarkt ein dickes Plus.(Foto: REUTERS)

Über 9400 ins Osterwochenende: Dax schließt klar im Plus

Frohe Ostern an der Börse: Am deutschen Aktienmarkt geht die feiertagsbedingt verkürzte Handelswoche mit einem freundlichen Aufwärtstrend zu Ende. Im Leitindex geht es für Anleger fast ein Prozent nach oben.

Am Gründonnerstag blicken Beobachter an der Frankfurter Börse auf grün schimmernde Trendsignale: Unterstützt durch positive Impulse aus den USA legte der deutsche Leitindex Dax fast 92 Zähler zu und schloss 0,99 Prozent im Plus bei 9409,71 Punkten. Das prominenteste deutsche Börsenbaromter kann damit - trotz des schwachen Starts - an seine am Vortag begonnene Erholung anknüpfen. Auf Wochensicht verzeichneten Händler ein Plus von rund 1 Prozent.

Der Nebenwerteindex MDax ging vor dem Osterwochende mit einem Aufschlag von 1,08 Prozent bei 16.142,90 Punkten aus dem Handel. Der TecDax zog um 0,98 Prozent auf 1199,12 Punkte an. Der Eurostoxx50 verabschiedete sich mit einem Kursgewinn von gut einem halben Prozent in die Feiertage. Auch die Indizes in Paris und London legten zu. Der US-Leitindex Dow Jones zeigte sich zum europäischen Handelsende dagegen fast unverändert.

Im späten Geschäft nach Ende des regulären Handels bauten die wichtigsten deutschen Indizes ihre Gewinne weiter aus. Der L-Dax endete bei 9444,07 Punkten. Der L-MDax kletterte auf 16.167,84 Punkte. Der L-TecDax beendete den Tag bei 1202,07 Punkten.

Im Handelsverlauf an der Frankfurter Börse herrschte über weite Strecken vorsichtige Zurückhaltung. "Wer will sich jetzt schon weit aus dem Fenster hängen, man weiß ja nicht, was die nächsten vier Tage passiert", begründete n-tv Börsenexperte Frank Meyer das Verhalten der Anleger. Die Kurse tendierten lange leicht im Minus, drehen aber am Nachmittag deutlich ins Plus.

Auslöser für den Stimmungswechsel war Beobachtern zufolge freundliche Signale aus den USA. Quartalszahlen aus den USA von Branchengrößen wie Morgan Stanley und General Electric animierten die Anleger schließlich doch zum Zugreifen. An der Wall Street müssen Anleger am Berichtstag erneut einen wahren Zahlenwust verarbeiten.

Ein starkes Signal erreichte die Börsen aus dem US-Stellenmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war in der vergangenen Woche nicht ganz so stark gestiegen wie erwartet. Zudem belegte der Philly-Fed-Index, dass sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im April deutlich stärker als erwartet aufgehellt hatte. Von der weiteren Zuspitzung im Ukraine-Konflikt zeigten sich die Märkte unbeeindruckt, schrieb Investmentanalyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg.

Quartalszahlen im Dax

Auf Unternehmensseite stand SAP im Vordergrund. Europas größter Softwarehersteller hatte im ersten Quartal erneut unter dem starken Euro gelitten, was die Aktie mit 1,2 Prozent ins Minus drückte. Wie ein Händler sagte, waren die Zahlen des Softwarekonzerns durch die Bank schwächer als erwartet. Einziger Lichtblick: Das Geschäft mit Cloud-Dienstleistungen, der Mietsoftware aus dem Internet. Die Aktien von Adidas verloren 1,6 Prozent. Einige Analysten hatten sich besorgt über den Geschäftsverlauf des Sportartikelherstellers im ersten Quartal geäußert.

Zu den Favoriten im Leitindex zählten indes wie schon am Vortag Aktien aus der Automobilbranche. So zogen Daimler und Continental um 3 beziehungsweise 1,8 Prozent an. Nach dem Tal der Tränen im vergangen Jahr liefert Europas Automarkt den Herstellern wieder Anlass zu leisem Optimismus: Im März legten die Neuzulassungen in der EU den siebten Monat in Folge zu.

Reederei-Fusion in Hamburg

Die Aktien von Tui eroberten mit plus 6,2 Prozent den Spitzenplatz im MDax. Börsianer bewerteten die Fusion in der Containerschifffahrt zwischen Hapag Lloyd und der chilenischen CSAV überwiegend positiv. Der Touristikkonzern hält nach wie vor 22 Prozent an der deutschen Reederei. Durch die Fusion könne sich Tui vollständig von der Containerschifffahrt trennen und auf das Touristikgeschäft konzentrieren, meinte ein Börsianer.

Einen Bogen machten Anleger um die Aktien der Spirituosen-Hersteller Remy Cointreau und Diageo, die sich um 2,7 Prozent beziehungsweise 3,7 Prozent verbilligten. Die Unternehmen leiden unter einer geringeren Nachfrage in den Schwellenländern. Remy ist vor allem von den Folgen des immer härteren Vorgehens der chinesischen Behörden gegen Korruption und teuere Geschenke bei Beamten betroffen.

Insgesamt sehen Beobachter die weitere Entwicklung am deutschen Aktienmarkt mit Sorge. "Das stabile Hoch an den Aktienmärkten hat sich längst verzogen, es herrscht Aprilwetter", warnte Helaba-Stratege Markus Reinwand. Dem Markt stehe eine Durststrecke bevor, sagte Reinwand voraus. Denn die erhoffte Beschleunigung der Unternehmensgewinne lasse weiter auf sich warten. "In den nächsten Wochen sind angesichts des unsicheren Umfeldes weiterhin keine allzu großen Sprünge zu erwarten", kommentierten die Analysten der LBBW.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere bei 1,25 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 135,05 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,21 Prozent auf 144,07 Punkte. Der Euro notierte bei 1,3834 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,3855 (Mittwoch: 1,3840) Dollar festgesetzt, der Dollar kostete damit 0,7218 (0,7225) Euro.

Quelle: n-tv.de

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