Wirtschaft
Der Dax zu Wochenbeginn: Ein zögerlicher Start, ein früher Vorstoß und am Nachmittag ein Ausbruch nach oben - nah an die 9200er-Linie heran.
Der Dax zu Wochenbeginn: Ein zögerlicher Start, ein früher Vorstoß und am Nachmittag ein Ausbruch nach oben - nah an die 9200er-Linie heran.(Foto: REUTERS)

Krim-Krise verliert ihre Schärfe: Dax schließt voller Erleichterung

Das Referendum ist durch, die Sanktionen liegen auf dem Tisch: Am deutschen Aktienmarkt breitet sich am Tag nach dem umstrittenen Votum eine bemerkenswert frühe Zuversicht aus. Der deutsche Leitindex legt kräftig zu.

Der große Kursrutsch ist ausgeblieben: Nach dem umstrittenen Referendum auf der ukrainischen Halbinsel Krim haben sich die dunklen Sorgenwolken am deutschen Aktienmarkt unerwartet schnell gelichtet.

Im Frankfurter Börsenhandel setzen die prominenten Kursbarometer ihre Erholungstendenz von Ende vergangener Woche fort. Nach einem freundlichen Handelsauftakt an der Wall Street konnte der Dax seine frühen Gewinne am Nachmittag weiter ausbauen. Der deutsche Leitindex ging schließlich 1,37 Prozent höher bei 9180,89 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief aus dem Verlauf liegt bei 9047,49 Zählern, das Tageshoch bei 9197,81 Punkten. Der MDax beendet den ersten Handelstag der Woche 1,78 Prozent im Plus bei 16.294,96 Punkten. Der TecDax gewinnt 2,65 Prozent auf 1244,04 Punkte.

Überraschend positive Daten zur US-Industrieproduktion hätten den Markt gestützt, hieß es. In der vergangenen Woche hatte die Unsicherheit um die Krim-Krise den Dax noch um mehr als 3 Prozent ins Minus gedrückt. Der Aufwärtstrend zu Wochenbeginn bleibt nicht auf den deutschen Markt beschränkt: Der Eurostoxx50 schließt 1,48 Prozent fester bei 3049,19 Punkten. In Paris stieg der CAC 40 um 1,32 Prozent. In London rückte der FTSE 100 um schmale 0,62 Prozent vor. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial lag zum europäischen Börsenschluss 1,14 Prozent höher.

"Entschieden ist noch gar nichts"

Trotz aller Erleichterung blieben die politischen Spannungen zwischen Europa und Russland das bestimmende Thema an den Börsen: Auf der ukrainischen Halbinsel Krim hatten sich am Wochenende im Rahmen des umstrittenen Referendums die Mehrheit der Wähler für den Anschluss an Russland ausgesprochen. Nachdem die Anleger vor dem Wahlgang in der vergangenen Woche noch in Deckung gegangen waren, hätten sie nun wieder ihr Engagement an den Märkten verstärkt, hieß es.

An warnenden Stimmen herrschte im Handel kein Mangel. "Entschieden ist noch gar nichts", sagte ein Händler. Zum einen blieben nun die Reaktionen Russlands auf die Wirtschaftssanktionen des Westens abzuwarten. Zum anderen sei nicht auszuschließen, dass Moskau nun die Aufmerksamkeit Richtung Ostukraine richten könnte. Die Mehrheit der dortigen Bevölkerung zählt, genau wie auf der Krim, zur russisch-sprachigen Bevölkerung der Ukraine.

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In einer ersten Reaktion auf das Referendum hatten sich die EU-Außenminister auf eine Liste von 21 Personen geeinigt, gegen die Einreiseverbote verhängt und deren Konten gesperrt werden. Auch die USA erließen ähnliche Sanktionen gegen einige russische Regierungsbeamte.

Jens Klatt, Chefanalyst von DailyFX, relativierte den Kursanstieg zu Wochenbeginn: "Dass es nach einer solchen Talfahrt Gegenbewegungen in die andere Richtung gibt, ist völlig normal und sollte nicht überbewertet werden. Zur Jagd auf vermeintlich billige deutsche Aktienschnäppchen ist es weiterhin zu früh. Anleger mit langfristigem Horizont sollten weiterhin die Füße still halten", empfahl er.

Dea geht an Russland

In der Arena der Einzelwerte standen im Frankfurter Handel vor allem die Aktien von RWE im Vordergrund: Nach der Ankündigung des Verkaufs der Tochter Dea stieg die RWE-Aktie um 1,3 Prozent. Der Konzern will Dea für rund 5,1 Milliarden Euro inklusive Schulden an die russische LetterOne verkaufen. Allerdings gab es auch kritische Stimmen, die einen Verkauf an die Russen gerade jetzt als problematisch erachten. Dea sei auch in der Nordsee aktiv, was die Regulatoren in Norwegen und Großbritannien auf den Plan rufen könnte, hieß es.

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Die Aktien von Siemens stiegen nach einer Kaufempfehlungen durch JP Morgan und die Bank of America-Merrill Lynch um 3,4 Prozent. Die SAP-Titel rückten nach einer Kaufempfehlung durch Citigroup um 2,3 Prozent vor. Noch stärker legte die Infineon-Aktie mit Plus 3,4 Prozent zu. Das Unternehmen deutete an, die hohen Bargeldbestände möglicherweise zum Rückkauf eigener Aktien einzusetzen.

Am unteren Ende des Leitindex verloren die Aktien von Linde nach Geschäftszahlen um 2,6 Prozent. Die Eckdaten der Bilanz fielen zwar im Rahmen der Erwartungen aus, allerdings warnte Linde in seinem Ausblick vor möglichen negativen Währungseffekten.

Im europäischen Börsenhandel standen die Aktien von Vodafone mit einem Plus von 1,5 Prozent im Vordergrund. Der britische Mobilfunkkonzern und Telekom-Konkurrent übernehmen den spanischen Kabelnetzbetreiber Ono für rund 7,2 Milliarden Euro und sichern sich damit den Zugang zum größten Netz in Spanien. Die Aktien der Deutschen Telekom gingen 1,1 Prozent fester bei 11,36 Euro aus dem Handel.

Aldi und Lidl bedrängen Tesco

Die Aktien des Einzelhandelskonzerns Tesco gaben gaben 1,3 Prozent. Der britische Metro-Wettbewerber verliert Marktanteile - die Konsumenten wechseln zunehmend zu den Discountern, darunter auch Lidl und Aldi aus Deutschland.

Die erleichterten Reaktionen auf das Krim-Referendum zeigten sich auch abseits des Aktienhandels. Am Devisenmarkt standen die Zeichen zu Wochenbeginn ebenfalls auf Entspannung. Der Dollar gab am Nachmittag kräftiger gegen den Rubel nach. Laut Händlern wollen die Anleger die Europäische Zentralbank (EZB) auf die Probe stellen. Zuletzt hatten gleich mehrere hochrangige Zentralbanker verbal interveniert, um den Höhenflug des Euro zu stoppen. Bei einem Anstieg über 1,40 Dollar schließen Analysten neue Lockerungsmaßnahmen durch die Währungshüter nicht aus.

Das "Angstbarometer" Gold fiel auf 1373 Dollar je Feinunze zurück. Über das Wochenende war der Preise phasenweise auf über 1391 Dollar gestiegen. Die leichte Beruhigung an den Finanzmärkten - auch die Sorgen vor einer Wachstumsschwäche in China scheinen einstweilen in den Hintergrund gerückt - zeigte sich auch bei den als sicherer Hafen geltenden Staatsanleihen. Hier legten Renditen erstklassiger Titel leicht zu.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,25 Prozent am Freitag auf 1,27 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,14 Prozent auf 134,79 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,14 Prozent auf 143,23 Punkte nach. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3906 (Freitag: 1,3884) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7191 (0,7203) Euro.

Quelle: n-tv.de

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