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Blick in den Frankfurter Handelssaal: Seit Jahresbeginn liegt der Dax knapp 3 Prozent im Plus.
Blick in den Frankfurter Handelssaal: Seit Jahresbeginn liegt der Dax knapp 3 Prozent im Plus.(Foto: REUTERS)

Banken-Sorgen an der Börse: Dax schließt knapp im Plus

Nach einem freundlichen Wochenauftakt verliert die neu gewonnene Zuversicht an Schwung. Im Mittagshandel dippt der Dax kurz in die Verlustzone. Die anstehende Milliardenstrafe gegen BNP Paribas überschattet die Bankenbranche.

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Das erste Halbjahr geht an der Frankfurter Börse mit einem verhalten-freundlichen Handelstag zu Ende: Der deutsche Leitindex Dax hat zu Wochenbeginn nur ein knappes Plus ins Ziel gerettet. Nach einem freundlichen Start und dem zwischenzeitlichen Rutsch in die Verlustzone stand am Abend ein Kursgewinn von 0,18 Prozent auf 9833,07 Punkte zu Buche. Für die erste Jahreshälfte verbuchte der Leitindex einen Anstieg um knapp 3 Prozent. Der MDax mittelgroßer Werte gewann zum Halbjahresschluss im Tagesverlauf 0,05 Prozent auf 16. 815,58 Punkte. Der TecDax kletterte etwas fester um 0,18 Prozent auf 1309,00 Punkte nach oben.

Die deutschen Börsenbarometer blieben damit im europäischen Rahmen: Der Eurostoxx50 gewann 0,01 Prozent auf 3228,77 Punkte. Die nationalen Indizes in Paris und London gaben nach, während sich der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss kaum bewegte.

Unsicherer Ausblick

"Ein eindeutiger Trend am deutschen Aktienmarkt ist nicht zu erkennen", konstatierte Marktanalyst Jens Klatt vom Broker DailyFX. "So könnte es bis zum Donnerstag auch weitergehen, wenn mit der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und den wegen des Feiertages in den USA vorgezogenen Arbeitsmarktdaten die wohl wichtigsten Termine der gesamten Woche anstehen."

Da von der EZB nach einem umfangreichen Maßnahmenpaket Anfang Juni vorerst keine weiteren geldpolitischen Lockerungen zu erwarten seien, komme "den US-Daten die größere Bedeutung zu". Auf positive Impulse hofft Experte Klatt allerdings nicht: Während gute Daten die Angst vor steigenden Zinsen schürten, dürften negative Nachrichten den Glauben an einen Wirtschaftsaufschwung zunichtemachen.

Rekordbuße aus den USA

Auffällig unter Druck standen zu Wochenbeginn die Bankwerte. Medienberichten zufolge sind die letzten Details der historischen US-Strafe gegen die französische Großbank BNP Paribas geklärt. Diese habe wegen der Verletzung von amerikanischen Handelssanktionen einer Strafe von 8,9 Milliarden US-Dollar zugestimmt, um den Verlust ihrer US-Banklizenz zu vermeiden.

Im Stoxx Europe 600 verlor der Bankenindex knapp 0,7 Prozent. Die im Dax gelisteten Aktien der Commerzbank rutschten mit einem Abschlag von 1,5 Prozent an das Indexende. Papiere der Deutschen Bank verloren 1,2 Prozent.

Europaweit gaben Aktienkurse aus dem Finanzsektor nach: Drei der vier größten Verlierer im Eurostoxx50 gehörten zu dieser Branche. Börsianer nannten als Grund die anhaltende Flut negativer Nachrichten aus der Branche, wie den geplatzten Verkauf der internen "Bad Bank" durch Banco Popolare. Das viertgrößte italienische Geldhaus hatte entsprechende Pläne wegen zu geringer Gebote auf Eis gelegt. Kurz vor den Stresstests seien derartige Meldungen besonders belastend, sagte Gerhard Schwarz, Chef-Aktienstratege der Baader Bank. Denn sie schürten Spekulationen um eventuell notwendige weitere Abschreibungen. Banco Popolare verloren 3,1 Prozent. Ein anderer Börsianer verwies auf die Milliardenstrafe für BNP Paribas. Anleger befürchteten weitere Klagen und Bußgelder, fügte er hinzu.

Neue Billig-Pläne?

Die Aktien der Lufthansa tauchten mit minus 0,9 Prozent ebenfalls unter den schwächsten Dax-Werten auf. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, prüft Europas größte Fluggesellschaft, auch auf ausgewählten Langstrecken-Verbindungen mit einer eigenen Billig-Plattform zu starten. Vor kurzem war durchgesickert, dass sie für europäische Strecken ebenfalls über eine neue Billig-Plattform nachdenkt - neben der hier bereits agierenden Tochter Germanwings.

Dagegen ging es für die Aktien von Infineon um 0,97 Prozent nach oben. Händler verwiesen auf einen Artikel im "Wall Street Journal", wonach die Halbleiterbranche vor einer stärkeren Konsolidierung stehen könnte. Den Autoren zufolge dürfte Infineon dabei ein Hauptziel für US-Chiphersteller sein.

Die zuletzt schwachen Aktien der Chemieunternehmen Bayer und BASF gewannen dank einer positiven Branchenstudie 0,7 und 0,5 Prozent. Zudem verkauft BASF seinen Anteil am Kunststoff-Unternehmen Styrolution für 1,1 Milliarden Euro an den schweizerischen Partner Ineos.

Gefragt waren im europäischen Handel die Papiere von Diageo, die sich um 1 Prozent verteuerten. Börsianern zufolge profitierte der Hersteller von Whisky der Marke "Johnnie Walker" von Spekulationen um einen Zusammenschluss mit SABMiller. Die Titel der Brauerei, zu deren Marken "Miller" und "Coors" gehört, legten 0,7 Prozent zu.

Unter den europäischen Börsenschwergewichten zählte zudem Philips zu den Favoriten. Der niederländische Konzern will seine LED-Sparte und das Geschäft mit Autoleuchten in ein eigenständiges Unternehmen auslagern und hierfür einen Investor suchen. Philips-Aktien stiegen an der Amsterdamer Börse um bis zu 4,6 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 23,27 Euro.

Parallel dazu legten die im deutschen Nebenwerte-Index MDax gelisteten Titel von Osram 7,1 Prozent zu. Die Analysten von JPMorgan hatten die Papiere des Leuchtmittel-Herstellers auf "Neutral" von "Underweight" hochgestuft.

Nach den Kursverlusten der Vorwoche konnte der Dax immerhin die wichtige Marke von 9800 Punkten verteidigen. "Viele Marktteilnehmer setzen darauf, dass sich dieses Kurslevel als Unterstützung und Katapult für eine neuerliche Rekordjagd des Dax erweist", sagte Marktanalyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. "Gestützt wird die Haltung der Optimisten durch US-Börsen, die sich auch nach teils schwächeren Konjunkturdaten weiterhin in der Nähe ihrer Rekordhochs halten können."

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,02 Prozent am Freitag auf 1,01 Prozent. Der Rentenindex Rex gab um 0,03 Prozent auf 136,37 Punkte nach. Der Bund-Future gewann 0,12 Prozent auf 147,06 Punkte. Der Euro notierte bei 1,3686 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3658 (Freitag: 1,3620) US-Dollar festgesetzt, der Dollar kostete damit 0,7322 (0,7342) Euro.

Quelle: n-tv.de

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