Wirtschaft
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"Stehaufmännchen" schafft 9300: Dax ist im Höhenrausch

1,7 Prozent klettert der Dax zum Wochenauftakt. Doch statt bereits Gewinne mitzunehmen, legen die Anleger nach und frönen ihrer Kauflaune. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Die Wette geht vorerst auf: "Die Anleger setzen darauf, dass sich die Situation an den Krisenherden immer mehr entspannt", sagte n-tv-Börsenexpertin Sibylle Scharr zum Handel am deutschen Aktienmarkt am Dienstag. Das Resultat zeigten die Kursausschläge: Gewinne auf breiter Front am deutschen Aktienmarkt.

Der Dax sprang bereits am Morgen an und arbeitete sich dann bis zum Schlusskurs von 9334 Punkten um 1,0 Prozent nach oben. Die 9330er Marke wurde zurückerobert - Börsianer und Analysten verbinden damit eine charttechnisch wichtige Position, denn der 200-Tage-Durchschnitt verläuft in etwa in dieser Region. Der MDax verbesserte sich um 0,8 Prozent auf 15.970 Zähler, der TecDax um 1,1 Prozent auf 1224 Stellen. Die Wall Street stützte zusätzlich, da auch die Kurse bei Dow und Co. erneut anzogen.

Schub für US-Bausektor

"Wir hatten heutemorgen eigentlich gedacht, dass das ein klarer Widerstand ist", sagte ein Händler mit Blick auf den Bereich um 9320 Punkte. Daher überrasche der dynamische Sprung über diese Marke. "Vor allem da es nachrichtlich nichts Neues gibt", meinte ein anderer Händler mit Verweis auf die hier und da angeführten Entspannungssignale aus der Ukraine.

Stützend wirkten am Nachmittag auch frische US-Konjunkturdaten: Der Bausektor der USA erhielt im Juli einen überaus kräftigen Schub. Damit gibt es die Hoffnung, dass die neue Stärke des Immobilienbereichs die gesamte Volkswirtschaft in den kommenden Monaten vorantreiben könnte. Die Zahl der ersten Spatenstiche schoss im Vergleich zum Vormonat um 15,7 Prozent auf einen Jahreswert von 1,093 Millionen in die Höhe. Ökonomen hatten nur einen Anstieg um 7,6 Prozent prognostiziert. Damit notieren die Baubeginne auf dem höchsten Niveau seit November 2013. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen ist im Juli um 8,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Hier hatte die Prognose lediglich auf ein Plus von 3,3 Prozent gelautet. Die Baugenehmigungen gelten als Vorlaufindikator für die künftige Bauaktivität, weshalb die Zeichen für die Zukunft gut stehen.

ThyssenKrupp im Turnaround?

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Bei den Einzelwerten richtete sich die Aufmerksamkeit der Anleger unter anderem auf den Aktienkurs des größten deutschen Stahlkonzerns: Die Nachrichtenlage sei derzeit "weiter positiv" für ThyssenKrupp, meinte ein Händler. "Die Aktie ist nach den Zahlen auf Erholungskurs und da freut man sich über jede Nachricht, egal wie unscharf sie ist", sagte er. Er verwies dazu auf Gerüchte aus dem "Handelsblatt", wonach Vorstandschef Hiesinger den operativen Gewinn mittelfristig verdoppeln will.

Ein Analyst konnte an den angeblichen Plänen aber nichts besonderes finden: "Der Gewinn muss ja perspektivisch verdoppelt werden, allein um den aktuellen Aktienkurs zu rechtfertigen." Für die Stimmung gegenüber der Aktie sei es aber dennoch eine stützende Nachricht. Das Papier reagierte auf diese Spekulationen unde legte 2 Prozent zu.

Bayer-Aktie auf 100 Euro

Nach einer Kaufempfehlung der UBS setzten sich Bayer zeitweise an die Dax-Spitze. Der Kurs des Pharma- und Chemiekonzerns stieg am Ende um 1,9 Prozent. Die Analysten der Schweizer Großbank hatten den Titel auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 114 von 107 Euro gesetzt. Durch die jüngsten Investitionen habe Bayer eine nachhaltige und hochwertige Produktpalette aufgebaut. Dies dürfte sich langfristig in Form von Umsatzwachstum auszahlen.

Conti hatten auch zeitweise die Spitzenposition bei den Dax-Gewinnern inne. Die in den vergangenen Wochen deutlich unter die Räder gekommene Aktie des Autozulieferers konnte damit ihre jüngst eingeschlagene Aufwärtsbewegung fortsetzen. Um 1,1 Prozent ging es nach oben.

Steiner bleibt bis 2017

Mit leichten Aufschlägen warteten K+S-Titel auf. Rund 0,2 Prozent gewannen die Papiere.  Der Rohstoffkonzern hat den Vertrag seines Vorstandsvorsitzenden Norbert Steiner um zwei Jahre bis Mai 2017 verlängert. Ebenfalls länger im Amt bleibt Finanzvorstand Burkhard Lohr, sein Vertrag läuft nun bis Mai 2020. Dagegen wird Vorstandsmitglied Gerd Grimmig nach Ablauf seines Vertrages zum 30. September mit 61 Jahren in den Ruhestand treten. Der Posten wird nicht nachbesetzt.

Kuka zieht an

Kuka profitierten laut Händlern von Übernahmespekulationen. Die Aktie des Roboter- und Anlagenbauers stieg um mehr als 4 Prozent und zählte damit zu den größten MDax-Gewinnern. Händler verwiesen auf einen Bericht im Börsenmagazin "Der Aktionär", Siemens sei an dem Unternehmen interessiert. Dennoch zweifelten Börsianer an der Glaubwürdigkeit des Gerüchts. "Die Spekulationen, dass Siemens Kuka kaufen könnte, gibt es seit vielen Jahren und nie ist etwas daraus geworden - und das wird auch dieses Mal so sein", sagte ein Aktienhändler.

Sixt-Zahlen "gut"

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Daneben legte der börsennotierte Autovermieter Sixt seine Ergebnisse aus dem ersten Halbjahr vor. Die Geschäftszahlen wurden von einem Händler in einer ersten Reaktion als "gut" eingeschätzt. Auch wenn der Umsatz nicht auf der ganzen Linie überzeuge, sehe die Ergebnisseite überzeugend aus. Die Strategie, sich stärker auf das Geschäft im Ausland zu konzentrieren, scheine aufzugehen. So legten die Vermieterlöse bei Sixt im ersten Halbjahr in den Auslandsmärkten überproportional um 16 Prozent zu.

Für weiteres Wachstum hat Sixt die Vermiet- und Leasingflotte ausgeweitet, der Gesamtwert der Fahrzeuge stieg Unternehmensangaben zufolge um 12 Prozent. Die Aktie setzte die jüngste Aufwärtsbewegung fort und verteuerte sich um etwas mehr als rund 2 Prozent.

Wann kommt Fielmann-Split?

Bei den Nebenwerten blickten Analysten unter anderem auf die Optikerkette Fielmann. Hier müssen sich Anleger in den kommenden Wochen auf optische Kurssprünge einstellen. Das Unternehmen plant einen Aktiensplit im Verhältnis 1:2. Die exakten Termine werden von den Unternehmen in der Regel erst kurz vor der Umstellung mitgeteilt. Bisher gingen Marktbeobachter davon aus, dass Fielmann den Schritt in der zweiten Augusthälfte vollziehen wird. Wann genau erstmals mit den gesplitteten Aktien gehandelt wird, ist noch offen. Die Anleger blieben cool, der Kurs bewegte sich lediglich 0,3 Prozent nach oben.

Im TecDax gewannen Manz rund 5 Prozent. Der Maschinenbauer hat aus Asien einen Großauftrag im Geschäftsbereich Display erhalten mit einem Wert im unteren zweistelligen Millionenbereich.

Im SDax machte Zooplus einen Sprung um gut 2 Prozent. Der Internethändler hat im zweiten Quartal von geringeren Kosten profitiert und den Gewinn deutlich gesteigert.

Quelle: n-tv.de

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