Wirtschaft
Kann sich ins Fäustchen lachen: EZB-Präsident Draghi schaut sich die Spekulationen der Anleger und Invesoren an den Finanzmärkten vor der EZB-Direktoriumssitzung genau an.
Kann sich ins Fäustchen lachen: EZB-Präsident Draghi schaut sich die Spekulationen der Anleger und Invesoren an den Finanzmärkten vor der EZB-Direktoriumssitzung genau an.(Foto: picture alliance / dpa)

April, April?: Draghi kann Dax-Rally befeuern

Das zweite Quartal beginnt positiv, der deutsche Aktienmarkt schließt mit Aufschlägen. Wie bereits zum Wochenauftakt geht dem Plus aber eine Berg-und-Talfahrt voraus. Die Anleger setzen auf frische Kaufsignale. Und die müssen EZB und deren Chef Draghi liefern.

Nach dem kleinen Rückschlag zu Wochenbeginn und dem damit gleichzeitig verpatzten Quartalsabschluss hat der Dax am ersten Handelstag im April wieder zu seinem jüngsten Aufwärtstrend zurückgefunden. Allerdings ist das Plus fragil, die Kurse kamen wie bereits am Montag zum Handelsende deutlich zurück. Handfeste Gründe fanden die Marktteilnehmer dafür nicht. Die befragten Händler blieben indes gelassen: Die Aussichten für die Aktienmärkte seien weiter vielversprechend, hieß es.

Der Dax, wichtigstes deutsches Börsenbarometer, ging mit einem Aufschlag von 0,5 Prozent und 9604 Punkten aus dem Handel. Den März hatte er mit einem Monatsverlust von rund anderthalb Prozent beendet - und unter der 9600er Marke. Die hatte er im Laufe des Handelstages erneut unterschritten: Das Tageshoch markierte der Leitindex bei 9631 Stellen, das Tagestief bei 9575. Der MDax verbesserte sich letzten Endes um 0,9 Prozent auf 16.607 Zähler. Der TecDax arbeitete sich bis zu einem Plus von 1,1 Prozent und 1266 Punkte vor. Auch an der Wall Street kamen die Kurse gegen Mittag (Ortszeit) etwas zurück - nach einer äußerst positiven Handelseröffnung.

EZB bereits im Blick

Die am Vormittag veröffentlichten Konjunkturdaten ließen den deutschen Aktienmarkt nahezu kalt: Im Euroraum hat sich die Stimmung bei den Industrieunternehmen erwartungsgemäß leicht eingetrübt, wobei jedoch die südeuropäischen Länder überraschten. Den europäischen Zahlen kommt vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag aber eine besondere Bedeutung zu.

Das sei das Hauptthema am Markt, sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel am Mittag noch. "Eine Zinssenkung oder geldpolitische Lockerung halten viele Börsianer für möglich", so Dofel weiter. "Ich denke, es wird gar nichts passieren", sagte Volker Schilling von Greiff Capital Management im Interview mit n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. "Alles ist in Ordnung, die EZB hat nichts zu tun."

Streiks und Zukäufe

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Bei den Einzelwerten rückten Lufthansa ins Anlegerblickfeld. Der am Mittwoch beginnende Streik der Piloten wirft seine Schatten voraus, ein massiv eingeschränkter Ersatzflugplan trat in Kraft, der zu umfangreichen Behinderungen im Luftreiseverkehr führen wird. Erste Flüge fielen bereits aus, 3800 werden dem Angaben zufolge insgesamt gestrichen. Rund 450.000 Passagiere sollen davon betroffen sein. Die Lufthansa-Papiere legten dennoch zu: 2,0 Prozent. Händler verwiesen auf die "Streikerprobtheit" der Kranich-Airline.

Der Einstieg von Daimler in Teilbereiche von Evonik stützte die Aktienkurse beider Unternehmen. "Daimler und Evonik kooperieren schon seit Jahren in der Entwicklung von Batteriezellen für Elektro-Autos. Dass sich Daimler nun in dieses Geschäft einkauft, ist für Evonik ein starkes Signal, dass Daimler in dieser Antriebstechnologie Potenzial sieht", sagte ein Händler. Für Daimler könne die Kooperation einen Technologievorsprung in der Massenproduktion von E-Autos bedeuten. Daimler fuhren 1,7 Prozent vor, Evonik 0,6 Prozent.

Auch die anderen Autowerte gehörten zu den Gewinnern im Dax: Nach Einschätzung eines Analysten war der Absatzrückgang von VW im März in den USA um 2,6 Prozent eher leicht positiv zu werten. Nach der schwachen Entwicklung der vergangenen Monate scheine sich eine gewisse Stabilisierung abzuzeichnen. Die VW-Aktie schloss 1,9 Prozent im Plus. BMW gewannen 0,5 Prozent.

Die Deutsche Bank und die Devisen

Aufmerksam verfolgt wurde auch die weitere Entwicklung bei der Deutschen Bank. Gleich mehrere negative Nachrichten zum Thema Devisenmanipulation wertete ein Händler als belastend. Zum einen habe eine Gruppe von Investoren aus den USA und der Karibik am Montagabend ein Dutzend Banken - darunter auch die Deutsche Bank - wegen untereinander abgesprochener Beeinflussung von Wechselkursen in New York verklagt.

Zum anderen habe die Deutsche Bank als erstes im Devisenhandel tätiges Finanzinstitut einen im Sales-Geschäft tätigen Mitarbeiter im Zusammenhang mit weltweiten Untersuchungen von Währungsgeschäften beurlaubt. Und schließlich soll nach Aussage des Händlers die Notenbank von Hongkong eine Reihe von Banken aufgefordert haben, unabhängige Untersuchungen ihrer Devisengeschäfte durchführen zu lassen und der Notenbank anschließend vorzulegen.

"Das Thema Devisenmanipulation ist nicht neu. Aber es zieht doch immer weitere Kreise, kostet die Banken Geld und am Ende drohen möglicherweise hohe Entschädigungszahlungen", meinte der Händler. Die Deutsche-Bank-Aktie ließ der Trubel kalt, die Papiere bewegten sich mit dem Markt nach oben und wiesen ein Plus von 1,8 Prozent auf, Commerzbank von 1,6 Prozent.

Post baut auf Bochum

Deutsche Post legten 0,8 Prozent zu. Der Konzern übernimmt Teile des Bochumer Opel-Werks. Das Logistikunternehmen will dort ein Paketzentrum bauen und bis zu 600 Arbeitsplätze schaffen. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten beide Unternehmen.

K+S und der Kalipreis

K+S gehörten mit einem Abschlag von 0,8 Prozent zu den größten Dax-Verlierern. Hintergrund könnte Marktteilnehmern zufolge sein, dass sich der Preisverfall am Kali-Markt fortsetzt. Der russische K+S -Konkurrent Uralkali gab einen Rückgang von etwa einem Viertel auf 332 Dollar je Tonne bei einem Geschäft mit Indian Potash Limited (IPL) bekannt. Das ist der niedrigste Preis im Geschäft zwischen beiden seit sieben Jahren. Er dürfte die Richtschnur für die Abschlüsse anderer Unternehmen auf dem Subkontinent sein. Auch K+S ist in Indien aktiv.

Viel Aufregung um fast nichts

Osram hat einem Händler zufolge eine "verkappte Gewinnwarnung" ausgegeben. Die Titel des Leuchtmittelherstellers gaben 0,8 Prozent ab. Das Unternehmen habe im Rahmen der Veranstaltung ein Erreichen der bisherigen Ziele als "anspruchsvoller" bezeichnet, sagte der Händler in Frankfurt. Der Übergang vom traditionellen Lichtgeschäft hin zur energiesparenden Beleuchtung vollziehe sich langsamer als von Osram ursprünglich erwartet, so ein anderer Marktteilnehmer.

Als "kleine versteckte Gewinnwarnung" wertete ein Händler, dass die Software AG im Zuge des Verkaufs des SAP-Beratungsgeschäfts die Gewinnprognose reduziert habe. "Zuvor war die Wachstumsprognose für den operativen Gewinn 4 bis 10 Prozent. Nach dem Verkauf beträgt sie nur noch 2 bis 7 Prozent." Man müsse aber in Rechnung stellen, dass von dem Verkauf lediglich 64 Millionen Euro Umsatz im Jahr betroffen seien, sagte der Marktbeobachter. Angesichts eines Gesamtumsatzes der Software AG von fast einer Milliarde Euro 2013 falle die reduzierte Gewinnschätzung "groß" aus. Die Anleger sind anderer Meinung, der Aktienkurs zog 2,7 Prozent an.

Dialog Semiconductor nahmen nach mehreren gescheiterten Anläufen endlich den Widerstand bei 18 Euro. "Am Markt rechnet man damit, dass Dialog neue Design Wins im Bereich Energie-Management erhält", sagte ein Händler. Es passe ins Bild, dass das Unternehmen am Montag zwei neue energiesparende Produkte für LED-Anwendungen angekündigt hat. Kursimpulse könnten von der Messe "Bluetooth World" am 8. und 9. April in San Jose ausgehen. Am Handelsende stand ein Plus von 2,1 Prozent bei 18,30 Euro.

Die Aktien von Air Berlin gingen nach ihrem jüngsten Kursrutsch deutlich auf Erholungskurs. Die im SDax notierten Titel verteuerten sich um 7,5 Prozent. Allein in den vergangenen drei Handelstagen waren die Papiere der Fluggesellschaft insgesamt um mehr als 14 Prozent eingebrochen. Zuvor hat das Unternehmen zum zweiten Mal seine Bilanzvorlage für 2013 verschoben.

Quelle: n-tv.de

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