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Draghi sorgt für Unsicherheit: Der Dax und die mysteriöse 40

Die "gute Laune" ruft n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel am Mittwoch am deutschen Aktienmarkt aus. Allein, sie hielt nicht lange an. Die allesentscheidende Frage lautete "Zinsentscheidung oder eine geldpolitische Lockerung". Die Antwort darauf kommt aber erst am Donnerstag auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Bleiben die Zinsen niedrig oder werden gar gesenkt, was durchaus für einige Marktteilnehmer im Bereich des Möglichen liegt, könnte der Leitindex Kurs auf sein Hoch von Ende Januar bei 9794 Punkten nehmen.

Die Fakten sahen am Mittwoch deutlich anders aus: Der Dax schloss bei einem Stand von 9623 Punkten immerhin 0,2 Prozent fester. Das Tagestief hatte der Leitindex bei 9608 Stellen markiert, das Tageshoch bei 9646 - die Handelsspanne betrug damit nicht einmal 40 Punkte. Gleichzeitig ging der MDax unverändert bei 16.615 Zählern aus dem Handel. Der TecDax wies einen Aufschlag von 0,5 Prozent auf bei 1273 Stellen. Die Wall Street präsentierte sich zunächst mit einem kleinen grünen Vorzeichen.

Die Europäische Zentralbank wird am Donnerstag zu ihrer monatlichen Zinssitzung zusammenkommen. Eigentlich stelle sich aktuell nur eine Frage, kommentierte die Händlerin Anita Paluch von der Varengold Bank: Nämlich ob die EZB noch einen oder gar zwei Monate warten werde, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Druck kam noch einmal von Seiten des Internationalen Währungsfonds (IWF): Man sehe die Gefahr einer "Niedrig-Inflation" vor allem im Euro-Raum, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Seit Oktober verharrt die Inflationsrate in der von der EZB selbst so bezeichneten "Gefahrenzone" von unter einem Prozent. Im März fiel sie dabei sogar mit 0,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Die EZB strebt eine Inflation von knapp zwei Prozent an. Experten rechnen dennoch nicht mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik am Donnerstag.

Die US-Arbeitsmarktdaten ließ der Markt indes links liegen. Die ADP-Zahlen unterstreichen das Szenario eines sich weiter erholenden Arbeitsmarktes in den USA. Im März war die Zahl der Beschäftigten im Privatsektor um 191.000 gestiegen nach 178.000 im Februar. Die März-Lesung bleibt damit zwar unter der Schätzung von 201.000, dies ändert aber nichts an der grundsätzlich positiven Entwicklung. Die Helaba sprach von einer "erfreulichen" Zahl.

Post hat große Ziele

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Unter den Einzelwerten ragten Deutsche Post heraus. Ihre vorgestellte "Strategie 2020" überzeugte die Anleger und trieb die Aktien mit einem Plus von 4,6 Prozent an die Spitze der Leitindex-Gewinner. Dank des boomenden Online-Handels und des Wachstums in den Schwellenländern will der Konzern bis 2020 deutlich mehr verdienen. Der Konzern peile auf Basis des operativen Gewinns von 2,86 Milliarden Euro 2013 ein jährliches Ergebniswachstum von durchschnittlich mehr als acht Prozent pro Jahr an, so die Post mit. Rein rechnerisch würde die Post damit 2020 einen operativen Gewinn von rund fünf Milliarden Euro erzielen. Die Post will weiter ohne größere Zukäufe auskommen - der Fokus werde "auch in den kommenden Jahren auf organischem Wachstum liegen", hieß es.

Lufthansa bleibt cool

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Auch Lufthansa standen im Fokus. Grund war der Streik der Piloten, der begonnen hat und bis Freitag dauern soll. Die Piloten der Tochter Germanwings legten ebenfalls die Arbeit nieder. Der Ausstand legt den Flugverkehr bei Europas größter Fluggesellschaft lahm, 3800 Flüge sind bereits gestrichen, rund 425.000 Passagiere betroffen.

"Sollte es bei den drei Streiktagen bleiben, ist das zu verkraften", sagte ein Analyst. Möglicherweise setzen auch einige Anleger darauf, dass sich die Piloten mit ihren Forderungen nicht durchsetzen können. Die Aktien, die sich an den Vortagen relativ unbeeindruckt vom Arbeitskampf der Piloten zeigten, hielten weiter an dieser Strategie fest, die Titel zogen 1,4 Prozent an.

Blick auf US-Absatzzahlen

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"Die US-Absatzzahlen lesen sich durch die Bank sehr gut", kommentierte ein Händler die Daten und führte sie als Grund für die überwiegend steigenden Kurse der Autowerte an. Im März verbuchte die Marke BMW etwa ein Plus von 19 Prozent und konnte damit zum Wettbewerber Mercedes (plus 11 Prozent) aufholen. "Ein Blick auf den Absatz zeigt, dass sich die US-Konsumenten bei den 5er und 7er-Modellen zurückhalten", so Heino Ruland von Ruland Research. Momentan erhielten die "kleineren" Modelle den Vorzug.

Die Aktie von BMW verteuerten sich um 0,6 Prozent, VW 0,3 Prozent. Im Tagesverlauf waren die Gewinne aber deutlich zusammengeschmolzen. Daimler drehten sogar 0,4 Prozent ins Minus. VW stützte auch eine Analyse der DZ Bank: Das Kursziel lautet 225 Euro. Aus dem Handel gingen die Vorzugsaktien bei 191 Euro.

Ärger in den USA

Aktien der Deutschen Börse gerieten indes unter Druck. Der Börsenbetreiber hat mitgeteilt, dass der US-Staatsanwalt des Southern District von New York gegen die Tochter Clearstream im Iran-Streit ein Ermittlungsverfahren wegen angeblicher Verletzungen der amerikanischen Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften eingeleitet hat. Die Ermittlungen, bei denen Clearstream mit dem Staatsanwalt kooperiere, sollen sich derzeit in einem sehr frühen Stadium befinden. Die Papiere führten mit Abgaben von 2,2 Prozebnt klar die Verliererliste im Dax an.

Freenet will

Freenet-Titel gaben leicht ab: 0,4 Prozent. Finanzchef Joachim Preisig sieht finanziellen Spielraum für Zukäufe und Aktionärsvergütung. "Wir haben genügend Feuerkraft, um vernünftige Akquisitionen zu stemmen und zugleich eine attraktive Dividende zu zahlen", sagte der Manager der "Börsen-Zeitung". Freenet strebe grundsätzlich eine "kontinuierlich steigende" Dividende an, werde aber auch Chancen wahrnehmen, das Kerngeschäft weiterzuentwickeln. Interessant für einen Kauf seien operativ profitable Unternehmen, deren Bewertung gemessen am Vielfachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nicht über der von Freenet selbst liege.

Frischer Wind bringt Energie

"Die Einschnitte für die Windenergie fallen deutlich niedriger aus als erwartet", so ein Händler zum EEG-Gipfel. So sollen zum Beispiel mehr Netzanschlusskapazitäten genehmigt werden, um die geplanten Ausbauziele der Windkraft auf See (Offshore) zu erreichen. Zum anderen sei die geplante Begrenzung der Onshore-Anlagen nicht so deutlich ausgefallen wie erwartet. Nordex waren mit einem Aufschlag von 6,5 Prozent einer der großen Gewinner. PNE sprangen sogar 8,5 Prozent an.

Quelle: n-tv.de

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