Wirtschaft
Griechische Ein-Euro-Münze: Griechenland soll offenbar 11,8 Milliarden davon bekommen.
Griechische Ein-Euro-Münze: Griechenland soll offenbar 11,8 Milliarden davon bekommen.(Foto: dpa)

Alle Augen auf die EZB: Zinsspekulationen heizen Euro ein

Zwei Weichenstellungen bestimmen die Lage am Devisenmarkt. Griechenland bekommt weitere Milliardenhilfen. Und die EZB überdenkt ihre Zins- und Geldpolitik. Analysten haben deshalb den Donnerstag bereits fest im Visier.

Der Euro hat sich am Dienstag zeitweise über der Marke von 1,38 Dollar etabliert. Am Abend notierte er mit 1,3797 Dollar wieder leicht darunter. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3790 Dollar fest nach 1,3788 Dollar am Montag und 1,3759 Dollar am Freitag.

Am Dienstag wurden sowohl in Europa als auch in den USA die stark beachteten Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Die Indikatoren messen die Stimmung ranghoher Unternehmensvertreter in der Industrie. Die Zahlen für den Euroraum standen angesichts der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag besonders im Blick. Wegen des ungewöhnlich schwachen Preisauftriebs in der Eurozone bleibt der Druck auf die Notenbank hoch.

Die konjunkturelle Erholung seit vergangenem Herbst spricht laut Beobachtern jedoch gegen eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik. In Europa. Der Eurozonen-Einkaufsmanagerindex lag bei 53,0 - und damit traf er die Prognosen auf den Punkt. Werte über 50 signalisieren Wachstum.

Bislang schien der Euro knapp über 1,38 Dollar gedeckelt zu sein. Die Danske Bank rechnet nun aber mit einem Rücksetzer bis auf 1,3705 Dollar.

Frisches Geld für Griechenland

Die Euro-Finanzminister gaben neue Rettungshilfen von insgesamt 8,3 Milliarden Euro an Griechenland frei. Das Geld solle in drei Raten ausgezahlt werden, sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. 6,3 Milliarden Euro sollen bereits Ende des Monats fließen, die restlichen 2 Milliarden Euro in zwei Raten unter bestimmten Bedingungen bis Ende Juli. Mitte Mai muss Athen Schulden in Milliardenhöhe tilgen.

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Griechenland hatte sich nach monatelangen Verhandlungen Mitte des Monats mit seinen internationalen Geldgebern auf die Rahmenbedingungen für neue Milliardenkredite geeinigt. Die Regierung in Athen werde die vereinbarten Haushaltsziele für das laufende Jahr voraussichtlich erfüllen, teilte die Gläubigertroika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB) bereits am 19. März mit.

Ursprünglich hätte die Troika das neue Rettungsgeld für Griechenland schon im vergangenen Jahr freigeben sollen. Aber die griechische Regierung erfüllte die vereinbarten Sparauflagen und Reformen nicht zur Zufriedenheit der Troika, weshalb die Experten zwischendurch sogar die Gespräche unterbrachen und aus Griechenland abreisten.

Ökonomen zum Zinsausblick

Abgesehen davon spekulieren die Investoren am Devisenmarkt auch rund um den anstehenden Zinsentscheid. Nach der "kalten Dusche" im März, als die EZB weder ihre Geldpolitik lockerte, noch die Liquiditätsbedingungen für die Banken verbesserte, haben Analysten ihr Erwartungen für kurzfristige Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgeschraubt. Für diesen Donnerstag erwarten sie nahezu einhellig unveränderte Zinsen. Aber einige Ökonomen wollen immer noch nicht ausschließen, dass die Zentralbank bis Ende Juni handelt.

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Vier von 36 Ökonomen, deren Prognosehorizont so weit reicht, erwarten, dass die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz bis Juni auf 0,10 bis 0,15 Prozent senken wird. Derzeit liegt er bei 0,25 Prozent. Für Ende des dritten Quartals sagen das fünf von 31 Volkswirten voraus. Das sind zwar weniger als vor der vorigen Ratssitzung, doch hatten die meisten Analysten ihre Fragebogen schon ausgefüllt, als bekannt wurde, dass die Inflationsrate im März auf nur noch 0,5 Prozent gesunken ist.

Keine Angst vor der Deflation

Noch berücksichtigt hat das Vasilis Zarkos von der Eurobank. Er sagt: "Es wird zwar eine knappe Entscheidung, aber wir erwarten, dass die EZB über die schwache Inflation im März hinweg sieht, da sie vor allem auf technischen Effekten beruht." Was Zarkos unter anderem meint, ist die Lage des Osterfestes: Im vergangenen Jahr fiel es auf den März, in diesem Jahr auf den April. Folge: Im März lagen zum Beispiel die Hotel- und Gaststättenpreise unter Vorjahresniveau, im April werden sie deutlich darüber liegen.

Allianz-Volkswirtin Claudia Broyer geht davon aus, dass die EZB ihre Zinsen wegen der zu erwartenden Wirtschaftsbelebung und der abnehmenden Zinsdifferenzen bei Kern- und Peripherieländern nicht mehr handeln muss. Und Oriol Aspachs von La Caicha sagt: "Die Konjunkturerholung läuft wie erwartet und das Wachstum wird zunehmend von der Binnennachfrage gestützt."

Ihre Wachstumsprognosen haben die Ökonomen leicht geändert. Für 2014 wird weiterhin ein Anstieg der Wirtschaftsleistung (BIP) um 1,1 Prozent erwartet. Dagegen wurde die Wachstumsprognose für 2015 von 1,4 auf 1,5 Prozent angehoben. Die Inflationsprognosen für 2014 wurden von mit 1,0 Prozent bestätigt, die für 2015 von 1,4 auf 1,3 Prozent reduziert.

Ihre Prognosen für die Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses hoben die Experten leicht an. Die Befragten sehen den Euro auf Sicht von drei, sechs und zwölf Monaten bei 1,35 (zuvor: 1,33), 1,34 (1,30) und 1,31 (1,28) US-Dollar. Wie im Vormonat notiert die Gemeinschaftswährung bei knapp 1,38 US-Dollar. Die Prognosen für die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wurden leicht zurückgenommen. Für Anleihen mit Laufzeiten von drei, sechs und zwölf Monaten werden nun 1,80 (1,90), 1,95 (2,03) und 2,20 (2,25) Prozent erwartet.

Quelle: n-tv.de

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