Wirtschaft
Fed-Chefin Yellen hat die künftige Entwciklung des Euro in der Hand.
Fed-Chefin Yellen hat die künftige Entwciklung des Euro in der Hand.(Foto: picture alliance / dpa)

Euro klettert vor Yellen: Britisches Pfund gerät unter Druck

Eine Inflationsrate auf Jahressicht von 2 Prozent. Davon kann die Eurozone nur träumen, die USA hat sie. Und genau das, sowie die positive Entwicklung des US-Arbeitsmarkt lassen die Blicke am Devisenmarkt Richtung Washington und Fed gleiten. Aber auch in London spielt die Musik.

Über allen Gipfeln ist Ruh', in allen Wipfeln spürest du, kaum einen Hauch ... Dieses Bild zeigt der Devisenmarkt zur Wochenmitte und damit vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve. Der Euro präsentiert sich am Abend aber dann doch leicht fester bei 1,3572 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,3563 Dollar festgesetzt nach 1,3568 Dollar am Dienstag.

Marktbeobachter zweifeln kaum daran, dass die Fed bei ihrer Sitzung ihr Anleihekaufprogramm von bisher 45 Milliarden auf 35 Milliarden Dollar wie geplant drosseln wird. Ermutigende Arbeitsmarktdaten haben indes das große Rätselraten um den Zeitpunkt der ersten Fed-Zinssatzerhöhung seit 2006 angeheizt. Aufschluss könnten möglicherweise die neuen Prognosen der Bank zur US-Konjunktur und die Pressekonferenz der Fed-Chefin Janet Yellen geben. Bislang werden Zinserhöhungen nicht vor Mitte 2015 erwartet.

In der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende der Fed von St. Louis, James Bullard, verlauten lassen, dass das Doppelmandat der Fed von maximaler Beschäftigung und stabilem Preisniveau fast erfüllt sei. Laut Bullard wird eine Arbeitslosenquote unter 6 Prozent, Wirtschaftswachstum von 3 Prozent und ein monatlicher Zuwachs der Beschäftigtenzahlen von 200.000 sowie ein Inflationsanstieg von 2 Prozent "die Diskussion um den Zeitpunkt der ersten Leitzinserhöhung verändern". Seine eigene Prognose geht bereits von einem früheren Zeitpunkt aus - nämlich dem Ende des ersten Quartals 2015. Zudem hat Fed-Präsidentin Janet Yellen betont, dass der Zinsausblick nicht in Stein gemeißelt sei; sie ziehe immer mehr Faktoren in Betracht als nur die reine Arbeitslosenquote.

US-Teuerung setzt Euro unter Druck

Im Mai war die US-Inflationsrate auf 2,1 Prozent gestiegen und damit stärker als erwartet. Nun könnte die amerikanische Notenbank Fed sich gezwungen sehen, die Zinsen schon früher anzuheben als zunächst geplant, was den Dollar als Anlagewährung interessanter machen würde.

Der Trend rückläufiger Inflationsraten in den USA scheine beendet zu sein, kommentierte Experte Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). "Der Einfluss der Inflationsentwicklung auf die Terminwahl für den ersten Zinserhöhungsschritt der Fed dürfte zunehmen." Allerdings hatten bereits am Vormittag Konjunkturdaten aus Deutschland den Euro etwas belastet: Das ZEW-Konjunkturbarometer war überraschend schwach ausgefallen.

Direkter Handel zwischen Renminbi und Pfund

China bringt sich anders ins Gespräch am Devisenmarkt. Das Land treibt die Internationalisierung seiner Währung weiter voran: Ab Donnerstag ist der direkte Handel zwischen dem chinesischen Renminbi und dem britischen Pfund erlaubt. Dies teilte die chinesische Notenbank am Mittwoch mit.

Damit gesellt sich die Währung Großbritanniens zu einer Hand voll Devisen, die ebenfalls gegen Renminbi (oder Yuan) tauschbar sind. Dazu zählen der US-Dollar, der japanische Yen sowie der australische und der neuseeländische Dollar. Experten erwarten, dass der direkte Handel auch mit der europäischen Gemeinschaftswährung Euro nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

Pfund nach "Minutes" unter Druck

Das britische Pfund ist nach Veröffentlichung der "Minutes" durch die Bank of England zum US-Dollar und zum Euro kurz gestiegen, anschließend aber stark unter Druck geraten. Im Protokoll der vergangenen Sitzung der Notenbank werden Zweifel an einer frühzeitigen Zinserhöhung laut. Eine solche könne die Produktionsleistung schmälern und sei nur schwierig wieder zurückzunehmen.

Das lastet laut Beobachtern auf dem Pfund. Denn erst am Donnerstag hatte Mark Carney, Gouverneur der britischen Notenbank, gesagt, die Zinsen könnten früher angehoben werden als man dies an den Finanzmärkten erwarte. Daraufhin hatte das Pfund kräftig aufgewertet.

Der Euro stieg fiel Veröffentlichung des Protokolls zunächst von 0,7990 GBP bis auf 0,7968 GBP ab. Anschließend legte die Gemeinschaftswährung jedoch wieder bis auf 0,8008 GBP zu. Ähnlich war die Reaktion des Pfund zum US-Dollar. Chris Beauchamp spricht von "Enttäuschung, dass sich die Aussagen von Herrn Carney nicht auch in den Minutes niederschlagen".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen