Wirtschaft
Die Tür steht weit offen: Wird die EZB den Weg ins Zinsungleichgewicht zementieren?
Die Tür steht weit offen: Wird die EZB den Weg ins Zinsungleichgewicht zementieren?(Foto: REUTERS)

Stunden vor dem EZB-Entscheid: Euro bringt sich in Stellung

Die Aussicht auf eine Waffenruhe in der Ukraine löst an den Devisenmärkten Bewegung aus. Im Vorfeld der anstehenden geldpolitischen Signale im Euroraum bemühen sich Devisenstrategen um eine Einschätzung der Lage.

Der Euro kann sein Niveau zur Wochenmitte halten. Der Kurs der Gemeinschaftswährung notiert am Nachmittag 0,09 Prozent fester bei 1,3143 Dollar. Bei der Festlegung der täglichen Referenzkurse berechnete die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwochnachmittag einen Wechselkurs von 1,3151 US-Dollar je Euro. Ein Euro entspricht außerdem 138,11 Yen, 0,79855 Pfund Sterling und 1,2078 Schweizer Franken.

Die Aussichten auf eine Waffenruhe im Osten der Ukraine hinterließen auch im Devisenhandel sichtbare Spuren. Allerdings hielten sich die Bewegungen hier in deutlich engeren Grenzen als an den Aktienmärkten oder beim Gold. Im frühen Handel hatte sich der Eurokurs zunächst nahezu unverändert gezeigt. Die Gemeinschaftswährung wurde am Morgen bei 1,3130 Dollar gehandelt und damit etwa zum gleichen Kurs wie am Vorabend.

Marktbeherrschendes Thema bleibt der anstehende Zinsentscheid der EZB: Ein Eurex-Händler sprach in diesem Zusammenhang von wenig verbleibendem Absicherungsbedarf: "Wer das tun wollte, hat es bereits getan." Das Überraschungspotenzial bei der EZB-Entscheidung könne daher geringer als erwartet sein.

Ein klares Indiz dafür seien die großen Kursbewegungen seit Wochenbeginn. So befinde sich der VDax seitdem konsequent auf dem Rückzug. "Es ist ansonsten unüblich vor solch großen Risk Events, dass die Impliziten Volatilitäten fallen", meinte der Händler.

Am Rentenmarkt habe zu Wochenbeginn in den längeren Terminen wie im Bund-Futures die Abwärtsbewegung begonnen, mit der "ein Zuviel an Hoffnung" auf QE-Maßnahmen der EZB ausgepreist worden sei. Dafür sei in kürzere Laufzeiten umgeschichtet worden. Im Euro zeige es sich in Gestalt von Short-Eindeckungen nach dem neuen Jahrestief am Vortag. Nach Einschätzung des Experten Dirk Gojny von der National-Bank wollen Anleger vor geldpolitischen Entscheidungen am Donnerstag und dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag keine größeren Positionen eingehen.

Der Zinsentscheid selbst ist für Donnerstag, 13.45 Uhr (MESZ) angekündigt. EZB-Präsident Mario Draghi wird die Erwägungen der Währungshüter wie üblich in einer Pressekonferenz ab 14.30 Uhr erläutern.

Nach wie vor werde der Euro durch die Aussicht auf eine absehbare Zinserhöhung in den USA belastet, während die Geldpolitik in der Eurozone gleichzeitig auf eine weitere Lockerung zusteuert, lautet die marktgängige Erklärung der Devisenexperten. Diese Erwartungen dürften durch freundliche US-Konjunkturdaten verstärkt werden.

Euro 2015 bei 1,40 Dollar?

Zuletzt hatte der Einkaufsmanagerindex ISM für die Industrie im August erneut zugelegt und ist auf den höchsten Stand seit März 2011 gestiegen. Der ISM-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die US-Industrie. "Der deutliche Anstieg und das inzwischen sehr hohe Indexniveau sprechen dafür, dass sich die Wachstumsdynamik im Jahresverlauf weiter beschleunigen wird", kommentierte Johannes Jander Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die Zahlen. "Insofern liefert die Verfassung der US-Wirtschaft kein Argument, die Zinserhöhungserwartungen in die Zukunft zu verschieben." Bisher erwartet der Markt für Mitte 2015 eine erste Leitzinsanhebung in den USA.

Analysten der italienischen Großbank Unicredit haben ihre Schätzungen für eine Reihe maßgeblicher Währungen gesenkt, darunter auch die für den Wechselkurs des Euro zum US-Dollar. Die Bank trägt damit einerseits der jüngsten Kursentwicklung Rechung, andererseits aber auch ihren nach unten revidierten Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Dennoch sehen die Unicredit-Experten in den kommenden Quartalen einen positiven Trend. Ende dieses Jahres sieht sie den Euro bei 1,36 Dollar und Ende des kommenden Jahres bei 1,40 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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