Wirtschaft
Wer den Cent nicht ehrt, so muss es im Volksmund mittlerweile heißen, ist des Euro nicht wert.
Wer den Cent nicht ehrt, so muss es im Volksmund mittlerweile heißen, ist des Euro nicht wert.(Foto: dpa)

Signale aus dem "Empire State": Euro drückt nach oben

An den Devisenmärkten sorgen überraschend schwache Konjunkturdaten aus den USA für Bewegung. Im Großraum New York fallen die geschäftlichen Aktivitäten unerwartet mager aus. Der Euro gewinnt an Stärke.

Der Euro zieht nach Bekanntgabe verschiedener Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA weiter an. Am Nachmittag notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,3759 Dollar und damit rund 0,4 Prozent fester.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3731 (Montag: 1,3699) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7283 (0,7299) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82330 (0,81885) britische Pfund, 140,77 (139,60) japanische Yen und 1,2221 (1,2221) Schweizer Franken fest.

Auslöser der Aufwärtsbewegung waren die Vorlage des ZEW-Index für Februar in Deutschland und ein Stimmungsindikator zur Lage in der Industrie an der US-Ostküste. "Der Empire State Manufacturing verdichtet die Hinweise auf eine konjunkturelle Delle in den USA", meinte ein Händler. Er ist deutlicher gefallen als erwartet. Anders als bei früheren Konjunktursignalen könne dies hier nicht nur am Wetter liegen. Der Euro stieg nach der Veröffentlichung auf Tageshoch, der Preis für Gold erholte sich von den Vormittagtiefs.

Die Liste enttäuschender Konjunkturindikatoren aus den USA wird mit dem Empire State Manufacturing Index länger, meinte ein Beobachter. Der der von der Federal Reserve Bank of New York ermittelte Konjunkturindikator zur allgemeinen Geschäftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe geselle sich zu einer Reihe schwacher Daten hinzu, hieß es.

Demnach fiel verlor die Geschäftsaktivität des verarbeitenden Gewerbes im Großraum New York an Dynamik, der Index fiel von 12,51 im Januar auf 4,48 im Februar. Im Vorfeld befragte Volkswirte hatten einen Stand von plus 8,0 prognostiziert. Werte über Null zeigen Wirtschaftswachstum an.

Die Indexkomponente für den Ordereingang fiel auf minus 0,21 (Vormonat: 10,98). Der Subindex für die Beschäftigung gab dagegen mit 11,25 (12,20) nur leicht nach. Für die erzielten Preise wurde ein Wert von 15,00 (13,41) ausgewiesen.

Ökonomen betrachten die Umfrage zum Empire State Manufacturing Index ebenso wie den Indikator der Philadelphia Fed als vergleichsweise verlässlichen Vorläufer für den als richtungsweisend geltenden ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe der USA.

In Deutschland war der ZEW-Index zuvor ebenfalls schwächer ausgefallen als erwartet: Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen sank von 61,7 Punkten im Vormonat auf aktuell 55,7 Punkte. Im Vorfeld befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem unveränderten Stand gerechnet. Der Index der Lagebeurteilung erhöhte sich dagegen von 41,2 auf 50,0 Punkte. Erwartet worden war ein Anstieg auf 43,8. Der Euro gab nach Veröffentlichung der Daten kurzzeitig leicht nach.

Überraschung in Ungarn

Eine neue Zinssenkung durch die ungarische Zentralbank macht unterdessen dem Forint zu schaffen. Ein Euro verteuert sich am Berichtstag auf bis zu 310,28 von 308,15 Forint am Vorabend. Die Währungshüter hatten die Zinsen um überraschend deutliche 15 Basispunkte auf ein Rekordtief von 2,7 Prozent gesenkt.

Nachdem der Forint zuletzt schon stark unter Druck gewesen war, ein Euro hatte zeitweise über 314 Forint und damit so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr gekostet, hatten viele mit einer Zinssenkung um lediglich zehn Basispunkte gerechnet.

Die ungarische Zentralbank kündigte jedoch an, die weitere Geldpolitik nach dem Inflationsbericht im März prüfen zu wollen. Dies signalisierte nach Einschätzung von Börsianern, dass der Zinssenkungszyklus bald zu Ende sein könnte.

Tokio dreht am Geldhahn

Abgesehen davon drehen sich die Gespräche am Devisenmarkt weiterhin um den Yen: Die japanische Landeswährung geriet stark unter Druck, nachdem die Notenbank Bank of Japan (BOJ) ihr Versprechen bekräftigte, über den Kauf von Wertpapieren jährlich 60 Billionen bis 70 Billionen Yen (427 Milliarden bis 510 Milliarden Euro) in die Wirtschaft zu pumpen. Die Währungshüter beschlossen zudem die Verlängerung von drei speziellen Kreditprogrammen um ein Jahr.

"Damit zeigt die BoJ, dass sie expansiv ausgerichtet bleibt und vor weiteren Maßnahmen nicht zurückschreckt", schreibt Commerzbank-Analystin Esther Reichelt in einem Kommentar. Der Dollar stieg in der Spitze auf 102,73 Yen, den höchsten Stand seit Ende Januar. Im Schlussgeschäft des Vortages hatte er noch bei 101,92 Yen notiert. Am japanischen Aktienmarkt setzten die Investoren wegen der Yen-Schwäche auf Exportwerte - dies trieb den Nikkei-Index um mehr als drei Prozent in die Höhe.

Nach Ansicht von Marktexperte Kit Juckes von der Societe Generale (SocGen) würde mit Überwinden der 103er Marke der Dollarabwärtstrend der vergangenen Wochen gebrochen und wahrscheinlich weitere Yen Verkäufer auf den Plan gerufen. Denn die Yen-Bären, die mit Dollarkäufen darauf gewartet hätten, bis der Dollar unter 100 Yen fällt, dürften nun nervös werden.

Im fernöstliche Handel hatte sich der Euro weitgehend unverändert gehalten. Die europäische Gemeinschaftswährung pendelte in der Nacht um ein Niveau bei 1,3710 Dollar nach 1,3705 Dollar am Vorabend in den USA.

Quelle: n-tv.de

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