Wirtschaft
Der Dollar legt weiter zu.
Der Dollar legt weiter zu.(Foto: REUTERS)

Der Wind hat sich gedreht: Euro verliert dramatisch an Höhe

Der nachlassende Inflationsdruck im Euroraum lässt die Alarmglocken schrillen: Angesichts einer drohenden Deflation halten Experten nun sogar eine weitere Absenkung der EZB-Zinsen für möglich. Zum Monatswechsel rutscht der Euro kräftig ab.

Der Euro verliert rapide an Stärke: Am letzten Handelstag der Woche hat die Gemeinschaftswährung der Europäer ihren scharfen Abwärtskurs fortgesetzt. Am späten Nachmittag fiel der Kurs mit 1,3478 Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Am Abend notiert der Euro nur wenig gefestigt bei 1,3490 Dollar.

Allein seit Wochenmitte hat der Euro rund 3 US-Cent an Wert verloren, nachdem er in den Wochen zuvor massiv zugelegt hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3505 (Donnerstag: 1,3641) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7405 (0,7331) Euro.

"Der Euro gerät von zwei Seiten in die Zange", kommentierten die Ökonomen der NordLB die Lage: Hauptverantwortlich seien abermals die Geldpolitik und die Spekulationen um den künftigen Kurs der US-Notenbank. So gewinnt der Dollar seit Tagen an Wert, weil ein Kurswechsel der Federal Reserve (Fed) in den USA noch in diesem Jahr nun doch wieder für möglich gehalten wird.

Die Entwicklung zeigt, wie schnell an den Devisenmärkten der Wind drehen kann: Bis vor wenigen Tagen galt es noch als ausgemacht, dass die Fed ihre extrem lockere Geldpolitik erst im kommenden Jahr etwas zurückfährt. Die jüngsten Konjunktur- und Teuerungsdaten aus den USA und Europa dürften zu der Neuinterpretation beigetragen haben.

Muss die EZB reagieren?

"Die Einstellung zum Euro hat sich eindeutig gedreht", bestätigte Währungsstratege John Hardy von der Saxo Bank. Die Teuerungsrate in der Eurozone war im Oktober auf 0,7 Prozent zurückgegangen und damit auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Dies heizte Spekulationen an, die EZB könnte Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur ergreifen. Um Preisstabilität zu gewährleisten, hält die EZB aber eine Quote von knapp unter 2,0 Prozent für angemessen. Also habe Notenbankchef Mario Draghi jetzt gute Gründe, in der kommenden Woche zu handeln, sagte Hardy weiter.

Der Experte geht davon aus, dass der Euro kurzfristig bis auf 1,30 Dollar fallen kann. Im Wochenverlauf hat die Gemeinschaftswährung schon rund 3 US-Cent an Wert verloren. Die EZB kommt am Donnerstag zu ihrer monatlichen Zinssitzung zusammen.

Die Preise laufen aus dem Ruder

Durch die Spekulationen auf eine zusätzliche Lockerung der Geldpolitik im Euroraum wird der Euro nach Ansicht der NordLB-Experten zusätzlich geschwächt. Weil die Inflation infolge der schwachen Konjunktur immer stärker zurückgeht, warnen Bankvolkswirte zusehends vor Deflationsgefahren. Das könnte die EZB zu einer geldpolitischen Reaktion bewegen. "Die EZB wird in der nächsten Woche vielleicht nicht die Zinsen senken, aber sie wird signalisieren, dass sie dazu bereit ist", prognostizierte Sho Aoyama von Mizuho Securities.

Als möglich gilt - oder zumindest als machbar gilt neben der abermaligen Zinssenkung auch neue Langfristkredite für die Geldhäuser (LTRO). Dass die EZB bereits auf ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche tätig wird, erwarten aber nur wenige Beobachter.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,84635 (0,85020) britische Pfund, 132,90 (133,99) japanische Yen und 1,2310 (1,2333) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1306,75 (1324,00) Dollar festgesetzt. Ein Kilogramm Gold kostete 30.740,00 (30.860,00) Euro.

Quelle: n-tv.de

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