Wirtschaft
Wie groß ist die Deflationsgefahr nun wirklich? Tatsache ist, die Inflation verharrte auf einem sehr niedrigen Stand.
Wie groß ist die Deflationsgefahr nun wirklich? Tatsache ist, die Inflation verharrte auf einem sehr niedrigen Stand.(Foto: picture alliance / dpa)

Packt Draghi die Bazooka aus?: Preise nehmen Dax die Fantasie

Angesichts der Inflationsdaten aus der Eurozone schwinden die Hoffnungen, dass die EZB die Wirtschaft über Wertpapierkäufe ankurbeln könnte. Die Teuerung ist zwar niedrig, der Druck ist aber nicht größer geworden. Die angespannte Lage in der Ukraine wird zur Nebensache.

Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nächste Woche Maßnahmen gegen die gefürchtete Deflation ankündigen wird, haben am letzten Handelstag der Woche einen Dämpfer erhalten. Die Teuerungsrate in der Eurozone fiel zwar im August. Der Rückgang auf 0,3 Prozent war aber von Börsianern so erwartet worden.

Der Dax schloss deshalb unverändert bei 9470 Punkten. Im Tagesverlauf hatte er noch bis zu 0,6 Prozent zugelegt. Der Euro erhielt hingegen vorübergehend Auftrieb.

"Einige Anleger hatten Schlimmeres befürchtet, das ist nun nicht eingetreten", sagte ein Händler mit Blick auf die Inflationszahlen. Grundsätzlich bleibe die Fantasie auf weitergehende EZB-Maßnahmen, wie massive Wertpapierkäufe (Quantitative Easing), wegen der sich häufenden schlechten Konjunktursignale aber erhalten, kommentierte Ralf Umlauf von der Helaba.

Angst vor Deflation?

Die derzeit niedrige Teuerung nährt die Furcht vor einer deflationären Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen, die als Gift für die Konjunktur gilt, da sie Konsum und Investitionen auf Dauer hemmt. Die EZB peilt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Bei diesem Wert spricht sie von stabilen Preisen.

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Die offene Frage ist: Wie groß ist die Deflationsgefahr wirklich? Tatsache ist, die Inflation verharrt auf einem sehr niedrigen Stand, was die Notenbanker in der Tat dazu veranlassen könnte, auf der Zinssitzung in der kommenden Woche doch ihren Kampf gegen die Deflationsgefahren zu forcieren. Experten sind jedoch je nach Lesart der Daten unentschieden, ob die EZB in der kommenden Woche wirklich die "Bazooka" auspackt.

Notenbankchef Mario Draghi hatte jüngst erklärt, "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" gegen Deflationsgefahren vorzugehen. Die EZB könnte dies beispielsweise mit dem großangelegten Kauf von Wertpapieren tun.

Doppeltes Ungemach für Lufthansa

Bei den Einzeltiteln standen Lufthansa unter Druck. Sie gaben 1,3 Prozent ab. Neben dem Streik bei Germanwings belastet auch noch der Ausbruch des isländischen Vulkans Bardarbunga die Stimmung. Der Ausbruch war zwar nur relativ klein, als Vorsichtsmaßnahme hat Island aber den Luftraum über dem Vulkan bereits bis in eine Höhe von rund 5,5 Kilometern geschlossen. In der Vergangenheit hatten Vulkanausbrüche auf Island für erhebliche Umleitungen und damit Kosten für die Fluggesellschaften gesorgt.

Für die Aktien der Deutschen Telekom ging es nach widersprüchlichen Berichten zu den Preisvorstellungen für einen Verkauf der Tochter T-Mobile US um 0,4 Prozent nach unten.

Blick nach Großbritannien

Einen rabenschwarzen Tag erlebten die Einzelhandelsaktien an der Londoner Börse. Nach der dritten Gewinnwarnung von Tesco in drei Jahren brach der Kurs um 7,0 Prozent ein. Die britische Supermarktkette will zudem die Dividende um 75 Prozent zusammen streichen.

Die noch größte Supermarktkette in Großbritannien leidet seit Jahren unter der Konkurrenz von Aldi und Lidl. Deren Marktanteil ist innerhalb eines Jahres auf 8,4 Prozent von 6,8 Prozent gesprungen. Tesco erwartet jetzt nur noch einen Jahresgewinn zwischen 2,4 und 2,5 Milliarden Pfund. Analysten hatten mit 2,7 bis 2,8 Milliarden Pfund gerechnet.

Quelle: n-tv.de

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