Wirtschaft
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"Invasion" in der Ukraine?: Dax geht nach hinten los

In der Ukraine-Krise tun sich plötzlich neue Abgründe auf. Die Lage ist unübersichtlich, die Anleger verunsichert. Revidierte Daten aus den USA können den Fall der Aktienkurse nur etwas bremsen.

Der deutsche Aktienmarkt hat deutliche Verluste eingefahren. Hintergrund ist die verschärfte Ukraine-Krise. "Der Ukraine-Konflikt ist derzeit ganz schwer zu fassen", sagte Robert Halver, Kapitalmarktanalyst bei der Baader Bank. Das zerre an den Nerven.

Der Dax verlor bis Handelsschluss 1,1 Prozent auf 9455 Punkte. Damit konnte sich der Leitindex aber zumindest etwas von seinem Tagestief absetzen, nachdem das US-Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal nach oben revidiert worden war. DAS Tagestiefn lag bei 9417 Zählern.

Der MDax fiel zuletzt ebenfalls um 1,1 Prozent auf 16.086 Punkte, der TecDax büßte 1,2 Prozent auf 1239 Punkte ein. Für den Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,0 Prozent nach unten.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Russland einen militärischen Einmarsch in sein Land vorgeworfen und eine Reise in die Türkei abgebrochen. Berichten zufolge berief er eine Dringlichkeitssitzung des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates ein. Die Nato spricht von mehr als 1000 russischen Soldaten in der Ukraine. "Das ist eine Invasionsarmee", so ein ranghoher Offizier.

Da hilft alles Geld nicht

Die konjunkturellen Folgen einer militärischen Eskalation könnten auch durch offene Geldschleusen der EZB kaum aufgefangen werden, sagte Analyst Halver. Die Unsicherheit trieb viele Anleger in die als sicher geltenden Bundesanleihen, was den Bund-Future um bis zu 53 Ticks auf ein Rekordhoch von 151,83 Punkten hievte. Entsprechend sackten die Renditen ab.

Später korrigierte Meldungen über eine angebliche Invasion Russlands in der Ukraine hatten die Indizes zeitweise sogar noch stärker belastet. Poroschenko hatte aber nicht von einer Invasion gesprochen, sondern erklärt, russische Truppen seien in die Ukraine gebracht worden. "Zwischen 'Invasion' und 'gebracht worden' besteht ja schon ein Unterschied", fasste ein Händler zusammen.

Doch blieben die Meldungen widersprüchlich. Eine Mitteilung der Nato, wonach weit über 1000 russische Soldaten in der Ukraine im Einsatz sein sollen, belastete später die Kurse wieder.

Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs derweil laut aktueller Schätzung des US-Handelsministeriums im zweiten Quartal um annualisiert 4,2 Prozent. Volkswirte hatten hingegen mit einem Plus von 3,9 Prozent gerechnet und damit etwas weniger als die 4,0 Prozent aus der ersten Wachstumsschätzung für die Monate April bis Juni. Die Daten gaben vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise zumindest leichten Auftrieb.

Vorsicht Inflation!

Zusätzlicher Druck kam von neuen Konjunktur- und Preisdaten aus der Eurozone. Sie dämpften Spekulationen über ein mögliches Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Gerade die Hoffnung auf neue stützende Maßnahmen der EZB hatte die jüngste Erholungs-Rally an den Börsen befeuert.

Die spanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,6 Prozent gewachsen im Vergleich zum ersten Quartal. Gleichzeitig sind die Preise in Spanien im August mit 0,5 Prozent etwas weniger stark zurückgegangen als befürchtet. Das nimmt möglicherweise ein wenig den Druck von der EZB, mit zusätzlichen Maßnahmen gegen Konjunkturschwäche und Deflationsgefahren anzukämpfen.

Neue Inflationsdaten aus einzelnen deutschen Bundesländern fielen wie erwartet aus. Volkswirte hatten eine unveränderte Jahresteuerung von 0,8 Prozent prognostiziert. An den Märkten wird seit Tagen darüber spekuliert, dass die Notenbank in Frankfurt im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation die Wirtschaft über Wertpapierkäufe ankurbeln könnte.

Das Hauptaugenmerk neben der Ukraine gilt un den Preisdaten aus der Euro-Zone, die am Freitag veröffentlicht werden. Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerung in der Euro-Zone im August nur noch bei 0,3 Prozent und damit klar unter der Zielmarke von knapp zwei Prozent liegt, bei der die EZB von stabilen Preisen spricht. Je stärker die Teuerung sinkt, desto größer ist das Risiko für eine gefährliche Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und abnehmenden Investitionen. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Währungsraums, stiegen die Preise im August wie im Vormonat um 0,8 Prozent.

Streikdrohung bei Germanwings

Bei Kursimpulsen für einzelne Aktien herrschte am Donnerstag weiter Sommerflaute. Zu den größten Verlierern zählten Lufthansa. "Die Perspektiven verschlechtern sich", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler mit Blick auf den Abbruch der Gespräche mit der Pilotenvereinigung Cockpit. Zwar koste der Streik von German Wings am Freitag den Konzern nur 2 bis 3 Millionen Euro. Zu befürchten sei aber eine Ausweitung des Streiks und eine teure Kompromisslösung, so ein Anstieg der Gehälter um mehr als 5 Prozent. Anleger straften den Kurs mit 2,5 Prozent ab.

Etwas verwundert äußerten sich Händler zum leichten Minus von 1,1 Prozent bei Dialog Semiconductor. Das in London gelistete Vergleichsunternehmen CSR schoss zwischenzeitlich um 25 Prozent nach oben, nachdem ein Bericht in der "Financial Times" von Übernahmeangeboten berichtete. "Da es sich um mehrere Angebote handeln soll, aber nur einer die CSR bekommen kann, stellt sich die Frage, ob die nicht zum Zuge gekommenen sich der Dialog zuwenden", so ein Händler. Eigentlich sollte dies auch den Kurs von Dialog weiter treiben.

Evotec verloren 3,8 Prozent und gaben damit die Gewinne vom Mittwoch zum Großteil wieder ab. "Die Übernahmespekulationen kommen und gehen bei Evotec" erklärte ein Händler die kräftige Kursbewegung in Evotec. Am Mittwoch kursierte das Gerücht am Markt, dass nun auch GlaxoSmithKline Interesse an dem deutschen Biotech-Unternehmen habe. Andere Kandidaten waren in der Vergangenheit bereits Johnson & Johnson und AstraZeneca.

Der Kurs des Medizintechnik-Herstellers Drägerwerk stieg um 2,1 Prozent. Die Berenberg Bank hat die Aktie zum Kauf empfohlen.

Quelle: n-tv.de

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