Wirtschaft
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S&P-500 markiert neuen Rekord: US-Börsen halten die Höhe

Im New Yorker Aktienhandel blicken Analysten auf einen ereignisreichen Börsentag zurück. Am Tag nach der Fed-Entscheidung rücken Unternehmen wie Blackberry, Amazon und General Electric in den Blick. Gold überwindet die Marke bei 1300 Dollar.

Der Aufwärtstrend der vergangenen vier Handelstage ist Geschichte: Am vorletzten Handelstag der Woche haben sich die US-Börsen nur noch geringfügig bewegt. Zwar verbreiteten zunächst neue Daten vom Arbeitsmarkt weiteren Optimismus. Nach anfänglichen Kursgewinnen erhöhte sich jedoch die Zahl der Skeptiker. Die Stimmung kippte, die Kurse kamen zurück. Auf den Verkaufszetteln standen unter anderem viele Einzelhandelswerte.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,09 Prozent auf 16.921,46 Punkte, nachdem er im Handelsverlauf zwischen 16.858 und 16.923 Zählern geschwankt hatte. Der breiter gefasste S&P-500 legte ebenfalls 0,13 Prozent zu auf 1959,48 Zähler. Der S&P-500-Index hat damit am Donnerstag erneut auf einem Rekordhoch geschlossen. Dennoch sprachen Händler von einem ruhigen Börsengeschäft nach dem Kurssprung zur Wochenmitte. Der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq dagegen sank um 0,08 Prozent auf 4359,33 Punkte. In Frankfurt war der Dax zuvor 0,7 Prozent höher bei 10.004,00 Zählern aus dem Handel gegangen.

Mit der geld- und zinspolitischen Entscheidung der US-Notenbank im Rücken und den positiven Reaktionen aus Asien und Europa blickten US-Anleger am Donnerstag insbesondere auf Unternehmensnachrichten aus verschiedenen Richtungen. Die Konjunkturdaten des Tages konnten die Stimmung an der Wall Street nicht sonderlich stützen: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war in der vergangenen Woche mit 312.000 etwas geringer als erwartet. Die Daten unterstrichen, dass die US-Wirtschaft gut unterwegs sei, kommentierten Händler die Gesamtwirkung. Keith Bliss von Cuttone & Co gab jedoch zu Bedenken: "Die Daten sind ziemlich gut, aber wir stecken hier seit einiger Zeit fest. Konjunkturdaten werden nicht der Auslöser sein, um diesen Markt auf stratosphärische Höhen zu treiben."

Philadelphia-Fed-Index überrascht

Das verarbeitende Gewerbe in der Region Philadelphia gewinnt im Juni überraschend an Schwung. Der von der Federal Reserve Bank of Philadelphia berechnete Diffusionsindex zur  allgemeinen Wirtschaftstätigkeit in der Region stieg im Juni auf plus 17,8. Volkswirte hatten einen Indexstand von lediglich plus 13,3 erwartet, nachdem der Index im Vormonat bei plus 15,4 gelegen hatte.

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Unter den größten Gewinnern des Tages finden sich die Aktien des Smartphone-Herstellers Blackberry. Sie schossen zeitweise um 11 Prozent in die Höhe, nachdem der angeschlagene Konzern seine Verluste unerwartet deutlich eindämmen konnte. Am Abend gingen die Titel noch gute 10 Prozent im Plus aus dem Handel.

Auch der Supermarkt-Betreiber Kroger konnte mit seiner Bilanz überzeugen und wurde dafür mit einem Kursanstieg von 5 Prozent belohnt. Dagegen stürzten die Aktien des Rivalen Coach um 9 Prozent ab, nachdem der Konzern einen enttäuschenden Geschäftsausblick geliefert hatte.

Papiere von American Apparel legten um 7 Prozent zu: Der Bekleidungs-Hersteller setzte seinen Gründer Dov Charney als Chef des Verwaltungsrates ab und will zudem versuchen, ihm auch das Amt des Firmenchefs zu entziehen. Eine ehemalige Mitarbeiterin wirft Charney sexuellen Missbrauch vor.

Um gut 3 Prozent abwärts ging es indes mit Papieren von Rite Aid. Der Gewinn der drittgrößten US-Drogeriemarktkette war im Quartal um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Neue GE-Offerte kommt nicht an

Titel von General Electric verteuern sich um gut 0,1 Prozent. GE schlägt im Übernahmekampf um Alstom die Gründung von drei Joint Ventures vor. Auch soll das Bahn-Signalgeschäft von GE an Alstom verkauft werden. Nach Einschätzung eines Händlers würde ein Verkauf des Signalgeschäfts das GE-Angebot für die Alstom-Aktionäre insgesamt unattraktiver mache. Auch dürfte den Aktionären die Vorstellung nicht gefallen, dass der französischen Regierung Sonderrechte in einem Atom-Joint-Venture eingeräumt werden sollen. Alstom verloren dagegen in Paris gut 6 Prozent.

Amazon und sein "Fire Phone"

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Amazon bleibt ebenso im Blickfeld der Anleger - die Titel büßten an der Nasdaq 2,2 Prozent ein. Der Onlinehändler hat ein eigenes Smartphone vorgestellt und will damit den Platzhirschen um Samsung und Apple Paroli bieten. Gelingen soll das etwa mit 3D-Darstellungen auf dem Display und einer Scan-Einrichtung.

"Sorry, something went wrong"

Die Facebook-Seite war am Morgen für viele Nutzer in verschiedenen Teilen der Erde nicht erreichbar. Die Anteilsscheine notieren 1,9 Prozent leichter.

Einen erfolgreichen Börsenstart legte Markit hin. Der Finanzdatenanbieter hat mit seinem Börsengang 1,3 Milliarden Dollar erzielt. Teilnehmer hatten den ersten Kurs bereits deutlich über dem Ausgabepreis erwartet, da dieser einen Abschlag gegenüber den Wettbewerbern aufwies. Mit der Aktie ging es gegenüber dem Emissionspreis um gut 11 Prozent aufwärts.

Nachlese zum Fed-Entscheid

Ansonsten bestimmten die geldpolitischen Signale des Vortages das Bild: US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen sieht derzeit keine Gefahr einer Blasenbildung an den Märkten. Wie der Stratege der Deutschen Bank, Jim Reid, anmerkte, lässt sich Yellen alle Optionen offen, wann die US-Notenbank damit beginnen wird, die Leitzinsen zu erhöhen.

Ein schneller Wechsel der Geldpolitik ist somit nicht zu erwarten. Die Märkte reagierten mit Erleichterung auf die Sitzung, und das obwohl die Fed die Wachstumserwartungen für das laufende Jahr kräftig nach unten revidiert hatte. Die US-Wirtschaft soll nun nur noch 2,1 bis 2,3 Prozent wachsen; die vorige Schätzung hatte sich auf 2,8 bis 3 Prozent belaufen. Die Fed belässt den US-Leitzins auf dem rekordniedrigen Niveau von 0,00 bis 0,25 Prozent.

Edelmetall zieht wieder an

Als "Star des Tages" bezeichneten Beobachter das Gold. Die Feinunze kletterte erstmals seit dem 22. Mai wieder über 1300 Dollar und nahm jenseits der Marke nochmals Fahrt auf. Am Ende stand ein Plus von 3,1 Prozent auf 1318 Dollar auf dem Kurszettel. In der Spitze war der Preis bis knapp 1322 Dollar gestiegen. Teilnehmer sahen als Grund die lockere Geldpolitik der US-Notenbank sowie die Krisen im Irak und in der Ukraine. Zudem hätten sich viele Anleger gegen Gold positioniert und müssten nun einsteigen.

Am Devisenmarkt geriet der Dollar in Reaktion auf die Fed-Aussagen unter Druck, nachdem sich die Erwartungen an eine größere Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone vorerst nicht erfüllt haben. Im späten US-Handel konnte der Dollar wieder etwas Terrain gutmachen. Der Euro stieg auf 1,3605 Dollar.

Die Zuspitzung im Irak-Krieg trieb den Ölpreis. Angesichts der Isis-Offensive hat US-Präsident Barack Obama ein begrenztes militärisches Eingreifen in Aussicht gestellt. Der WTI-Ölpreis legte 0,4 Prozent zu auf 106,43 Dollar je Barrel. Die europäische Referenzsorte Brent, die bei Lieferengpässen aus dem Nahen Osten als erste Ausweichsorte gilt, stieg sogar um 0,8 Prozent auf 115,22 Dollar je Fass.

An den US-Kreditmärkten sorgte eine enttäuschende Emission von 30-jährigen Staatsanleihen für lange Gesichter. Deshalb fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 3/32 auf 98-28/32. Sie rentierten mit 2,63 Prozent. Die 30-jährigen Bonds sanken 29/32 auf 98-7/32 und hatten eine Rendite von 3,47 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,65 Milliarden Aktien den Besitzer. 1717 Werte legten zu, 1301 gaben nach und 148 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,84 Milliarden Aktien 1181 im Plus, 1445 im Minus und 141 unverändert.

Quelle: n-tv.de

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