Wirtschaft
Während die Kurse an den meisten Asien-Börsen klettern, fallen sie in Tokio noch.
Während die Kurse an den meisten Asien-Börsen klettern, fallen sie in Tokio noch.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Nikkei fällt aus dem Rahmen: Niedrige US-Zinsen beflügeln

Die Fed steigt aus den Anleihekäufen aus, fehlende Aussagen zu höheren Zinsen schieben jedoch die Aktienmärkte in Asien an. In Japan trüben Wirtschaftsdaten die Stimmung dennoch ein.

Die Aussicht auf weiter niedrige US-Zinsen hat den Aktienmärkten in Asien am Donnerstag Auftrieb verliehen. Die Anleger ermutigte, dass die US-Notenbank Fed in ihrem Protokoll zur jüngsten Sitzung keine Eile für eine Zinswende signalisierte. An der Börse in Tokio trübten dagegen enttäuschende Konjunkturdaten die Stimmung. Die Aufträge für die Maschinenbauer brachen im Mai mit 19,5 Prozent zum Vormonat ein und damit so kräftig wie noch nie. Auch gute Vorgaben aus den USA konnten hier die Indizes nicht im Plus halten.   

Die US-Notenbank könnte den Protokollen ihrer Sitzung von Mitte Juni zufolge ihr massives Anleihen-Kaufprogramm zur Stützung der Konjunktur zwar im Oktober auslaufen lassen. Die Spitzen der Federal Reserve zeigten sich zudem zuversichtlich, dass die amerikanische Wirtschaft in den kommenden Jahren auf Wachstumskurs bleiben wird. Gleichzeitig signalisierten sie aber, dass es keine Eile bei der Erhöhung des Leitzinses gebe.

Maschinenbau-Daten belasten

Der MSCI-Index für die Börsen der Region ohne Japan legte 0,3 Prozent zu. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index dagegen 0,6 Prozent tiefer bei 15.216 Punkten und damit den vierten Tag in Folge im Minus. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,9 Prozent auf 1259 Punkte.

In Japan wurde die Botschaft der Fed von den enttäuschenden den Maschinenbau-Aufträgen in den Hintergrund gedrängt. Eigentlich hatten Experten ein kleines Plus bei erwartet. Stattdessen gingen die Aufträge im Monatsvergleich um fast ein Fünftel zurück. "Offenbar müssen wir noch einige Monate warten, bis wir von einem Anstieg der Investitionen sprechen können", sagte Nobuhiko Kuramochi von Mizuho Securities.

Bei den japanischen Einzelwerten zeigten sich Exporttitel schwach. Die Aktien von Toyota gaben knapp 1 Prozent nach, die Papiere vom Kamera- und Bürogeräte-Hersteller Canon um 1,4 Prozent. Für Benesse Holdings ging es rund 5 Prozent abwärts: Der Bildungsdienstleister gab ein Datenleck bekannt, von dem Millionen Kunden betroffen sind.

Der Kurs des Maschinenbauers Komatsu fiel um 1,9 Prozent, Hitachi-Aktien büßten 1,3 Prozent ein. Beide Unternehmen sind stark vom chinesischen Markt abhängig. Deshalb belastete neben den heimischen Daten auch die schwache chinesische Handelsbilanz ihre Kurse.

Seoul und Sydney mit Aufschlägen

In China erholten sich die Kurse von anfänglichen Verlusten. Der Shanghai-Composite-Index schloss kaum verändert. Anleger hätten Kursrücksetzer zum Kauf genutzt, sagten Händler. Zudem hätten Äußerungen des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang vom Mittwoch Hoffnungen auf neue Wirtschaftsstimuli geweckt. Demnach soll Versicherungen bei Kapitalanlagen mehr Spielraum eingeräumt werden. Auf diese Weise sollen die Urbanisierung des Landes und Infrastrukturprojekte vorangebracht werden. Der Kurs des Immobilienunternehmens China Vanke stieg um 1,8 Prozent.

In Sydney legten die Aktienkurse leicht zu, gestützt von neuen Arbeitsmarktdaten. Diese entsprachen den Erwartungen und dürften die australische Notenbank nicht von ihrem geldpolitischen Kurs abbringen, die Zinsen in den nächsten Monaten stabil zu halten, meinten die Analysten von AMP Capital. Der Austral-Dollar kam von seinem Tageshoch bei über 0,9430 auf rund 0,9370 US-Dollar zurück, nachdem es zuletzt auch Spekulationen über steigende Zinsen gegeben hatte.

Auch in Seoul schaffte die Börse ein kleines Plus, nachdem die südkoreanische Zentralbank ihren Leitzins zwar unverändert belassen, gleichzeitig aber Bereitschaft zu Zinssenkungen signalisiert hatte.

Indonesiens Anleger feiern

Mit einem deutlichen Vorsprung vor den übrigen Märkten der Region zeigte sich die Börse in Jakarta, wo der Leitindex zeitweise um 2 Prozent zulegte, sein Plus später aber auf 1,4 Prozent verringerte. Die indonesischen Anleger feierten mit einem Tag Verspätung den Sieg von Joko Widodo bei den Präsidentschaftswahlen, nachdem die Finanzmärkte am Mittwoch geschlossen waren. Widodo gilt als wirtschaftsfreundlich und damit als Wunschkandidat der Börse. Auch die Indonesische Rupie wertete auf: Für einen US-Dollar mussten nur noch 11.500 Rupien gezahlt werden. Am Mittwoch waren es 11.620 Rupien. ===

Quelle: n-tv.de

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