Wirtschaft
Der Dax macht wieder Jagd auf die 10.000er Marke.
Der Dax macht wieder Jagd auf die 10.000er Marke.(Foto: picture alliance / dpa)

US-Impuls gegen Ifo-Dämpfer: Dax pirscht sich Richtung 10.000

Am Vormittag erstickt der Ifo-Index jegliche Kauflaune der deutschen Anleger. Erst am Nachmittag trauen sie sich aus der Deckung, nachdem positive Daten vom US-Häusermarkt auch die Wall Street in Schwung bringen. Das reicht.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni eingetrübt. Dagegen belebte sich der US-Häusermarkt spürbar. Beide Daten hatten die Anleger am Dienstag am deutschen Aktienmarkt zu verarbeiten. Am Ende stand ein Plus.

Der Dax schloss 0,2 Prozent fester bei 9938 Punkten. Die Handelsspane betrug rund 50 bescheidene Punkte. Der MDax präsentierte sich am Ende 0,1 Prozent leichter bei 16.837 Zählern, der TecDax nahezu unverändert bei 1322 Stellen. Die Wall Street drehte nach frischen Daten vom US-Häusermarkt zunächst ins Plus. Der Euro arbeitete sich erneut an der 1,36er Marke ab.

Charttechnisch besteht aber beim Dax noch kein Grund zur Sorge: "Auf der Unterseite warten sehr massive Unterstützungen", so die technische Einschätzung von HSBC Trinkaus. Dabei gehe es um den Bereich um 9800 Punkte mit den Hochs vom Januar und Mai sowie den 2011er Aufwärtstrend, der aktuell bei 9790 Punkten verlaufe. "Jede Korrekturbewegung, die sich oberhalb dieser Marken abspielt, hat im aktuellen Umfeld konstruktiven Charakter", so die Analysten weiter.

Zwischen Ifo und Einkaufsmanagern

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Der Ifo-Index hält sich seit bereits Monaten auf hohem Niveau. Das blieb nach Ansicht von Beobachtern auch im Juni so. Ein Händler sprach mit Blick auf den leicht gefallenen Index von einer "Stagnation auf hohem Niveau".

Das Konjunkturhoch werde derzeit durchschritten. Grund zur Sorge bestehe jedoch nicht. Die deutsche Wirtschaft bleibe im internationalen Vergleich äußerst robust, kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe.

"Das sich die Stimmung eintrübt, ist wegen der politischen Krise in der Ukraine und im Irak nicht verwunderlich", sagte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil.

Analysten machen Kurse

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Bei den Einzelwerten zogen BMW im Dax deutlich an. Nach einer positiven Analystenstimme legten sie 2,8 Prozent zu. Die Schweizer Großbank UBS hat den Titel auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 105 von 92 Euro gesetzt. Die Experten heben dabei den positiven Start der "i"-Elektroautos hervor. Zudem dürfte der Absatz im zweiten Halbjahr wegen Modellwechseln und neuer Fahrzeuge anziehen. BMW werde die Probleme in der Branche besser umfahren als seine Konkurrenten.

Kritischer bewerteten die UBS-Experten dagegen Daimler. Die Aktie stuften sie auf "Neutral" von "Buy" herab. Das Kursziel senkten sie zugleich auf 75 von 77 Euro. Der Markt für Nutzfahrzeuge in Europa sei mit Vorsicht zu bewerten, daher stünden die Ziele der Schwaben für das Lkw-Geschäft auf dem Spiel. Daimler büßten 0,6 Prozent ein.

RWE gewannen 0,4 Prozent, nachdem Goldman Sachs laut Händlern das Kursziel auf 36 von 33 Euro erhöht hat.

Übernahmefieber in der Agrochemie

Übernahmespekulationen in der Agrochemie trieben Bayer und K+S. Der US-Konzern Monsanto führte einem Bloomberg-Bericht zufolge Gespräche mit der Schweizer Syngenta über eine Akquisition, die inzwischen aber beendet seien. "Diese Meldung hilft auch den deutschen Konkurrenten", sagte ein Börsianer. Bayer ziehen 1,3 Prozent an. K+S verteuerten sich um 1,7 Prozent.

Dauerthemen Siemens und Coba

Bei Siemens war dagegen etwas die Luft raus, nachdem der GE-Alstom-Deal feststeht. Die Papiere gingen 0,1 Prozent schwächer aus dem Handel.

Commerzbank rutschten 0,9 Prozent ab, nachdem sie bereits zum Wochenauftakt mit mehr als 2 Prozent Topverlierer gewesen sind. Am Markt gingen Gerüchte über eine bevorstehende Kapitalerhöhung um.

Von leicht gefallenen Ölpreisen profitierten Lufthansa-Papiere. Die in den vergangenen zwei Wochen arg gebeutelten Anteilsscheine gewannen 2,3 Prozent.

Während Südzucker mit einem Aufschlag von 3,6 Prozent die Gewinnerliste im MDax anführten, standen Airbus mit einem Abschlag von 0,7 Prozent auf der Verliererseite.

Kuka goes China

Kuka büßten 2,7 Prozent ein. Der Roboter- und Anlagenbauer gründet ein Gemeinschaftsunternehmen mit der chinesischen Jiangsu Yawei Machine-Tool und will darüber den Zugang zum asiatischen Markt verbessern. Bei Kuka vermuten Marktteilnehmer Gewinnmitnahmen, die Titel liegen auf Rekordniveau.

Größtes deutsches IPO enttäuscht

Zum Abschluss der Zeichnungsfrist notierten die Aktien des Börsenaspiranten Braas Monier in der unteren Hälfte der Angebotsspanne. Am Graumarkt  kosteten die Papiere des Dachpfannen-Herstellers zwischen 24 und 25 Euro. Insidern zufolge sollen sie zu einem Preis von 24 bis 24,50 Euro zugeteilt werden. Angeboten wurden die Titel in einer Spanne von 23 bis 28 Euro. Die Umsätze seien während der gesamten Zeichnungsfrist extrem dünn gewesen, sagen mehrere Händler übereinstimmend. "Eigentlich überraschend für einen MDax-Kandidaten", fügte einer von ihnen hinzu. Mit einem Emissionsvolumen von rund 500 Millionen Euro ist Braas Monier im laufenden Jahr der bislang größte Börsengang in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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