Wirtschaft
Keine einfache Situation für Börsianer derzeit.
Keine einfache Situation für Börsianer derzeit.(Foto: picture alliance / dpa)

Charttechnisch passt es nicht mehr: Dax rettet sich ins Plus

Lange Zeit wälzt der Markt die Banken-Probleme in Portugal - auch wenn sich die Sorgen vor einer neuen Euro-Krise langsam zerstreuen. Doch Handel kommt nicht recht voran. Nach dem kräftigen Rücksetzer am Vortag reicht es letztlich immerhin zu einem moderaten Gewinn.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich am Freitag nicht von der Verunsicherung lösen können. Das Thema Euro-Krise schwebte weiter über dem Parkett, auch wenn die Banken-Probleme in Portugal wohl nicht so schwerwiegend sind, wie bisher angenommen. Lange standen die positiven Vorzeichen, aber eine negative Eröffnung an der Wall Street ließ die Kurse auch hierzulande wieder fallen.

Auf den letzten Metern schiebt sich der Markt jedoch in die gewinnzone. So geht der Dax mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 9666 Punkten ins Wochenende. Der MDax stieg um 0,2 Prozent auf 16.309 Zähler. Der TecDax - größter Indexverlierer am Donnerstag - legte 0,4 Prozent auf 1273 Stellen zu. "Der Markt ist im Augenblick sehr verwirrt", sagte Hedgefonds-Manager Lex Van Dam von Hampstead Capital. Investoren zweifelten an einer weiteren wirtschaftlichen Erholung der Euro-Zone. Der EuroStoxx50 legte 0,1 Prozent auf 3154,28 Zähler zu. Der Leitindex der Lissaboner Börse stieg zwar um 0,6 Prozent, er hatte am Vortag aber mehr als vier Prozent verloren.

"Ausreden" gesucht

"Die Anleger haben ganz klassisch reagiert: raus aus den Aktien, rein in Anleihen und Gold", sagte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil rückblickend am Vormittag bereits. In Portugal gibt es Gerüchte über eine anstehende Pleite der größten Privatbank Espirito Santo. Die Bank wiegelte zwar ab, die Behörden ermitteln jedoch. "Anleger suchen nur bedeutungsvolle Ausreden für Gewinnmitnahmen", sagte Chris Konstantinos, Leiter des Portfolio-Managements bei Riverfront Investment Group: "Man kann noch nicht sagen, ob dieser eine Zwischenfall gleich einen Flächenbrand in Europa auslöst", ergänzte er mit Blick auf die Espirito-Santo-Gruppe. Als Entspannungszeichen wurde auch der moderate Preisrückgang beim Krisenindikator Gold gesehen.

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Weiteres Ungemach droht nun verstörkt von charttechnischer Seite: Mit dem Bruch der 9750er Marke deutet der Dax erstmals in diesem Jahr eine komplexere Top-Bildung an. Denn seit dem 10. Juni sind drei Versuche eines nachhaltigen Überwindens der 10.000er Marke gescheitert. Die Top-Bildung könnte mit dem Unterschreiten des Zwischentiefs vom 26. Juni vollendet worden sein, also der 9750er Marke. Das sich daraus ergebende weitere Abwärtspotenzial reicht das mindestens bis 9450 oder 9400 Punkte.

Von Unternehmesseite gab es wenig Neues. Die US-Großbank Wells Fargo konnte den Markt mit ihrem Quartalsausweis nicht überzeugen.

Autobranche rockt

Unter den Einzelwerten hielten sich im Dax Gewinner und Verlierer in etwa die Waage. An der Spitze notierten Continental mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent. Auch die Autowerte im Leitindex legten zu: BMW 0,7 Prozent und VW 0,5 Prozent. Daimler büßten indes 0,6 Prozent ein.

Der Autosektor profitierte von einem sich anbahnenden Mega-Deal: ZF Friedrichshafen plant einen der größten Zukäufe, den die Branche in den vergangenen Jahren gesehen hat. Das Unternehmen spreche mit dem US-Konkurrenten TRW Automotive über einen möglichen Kauf, teilt ein ZF-Sprecher mit. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass ein Kaufpreis offiziell zwar noch nicht besprochen worden sei. Allerdings soll ZF den US-Konzern, der vor allem Sicherheitssysteme wie Airbags herstellt, mit elf bis zwölf Milliarden US-Dollar bewerten.

Auf der Verliererseite notierten wieder einmal Lufthansa - das Minus betrug 2,2 Prozent - und HeidelbergCement. Bei HeidelbergCement riet das französische Wertpapierhaus Natixis Anlegern zum "Reduzieren" der Aktie im Portfolio. Für die Papiere ging es rund 2,7 Prozent abwärts. Lufthansa sanken um 1,8 Prozent.

Aromen und Autos

Im MDax waren unter anderem MTU und Symrise gefragt: MTU gewannen 1,9 Prozent, Symrise sogar 2,7 Prozent. Der japanische Duftstoffhersteller Ajinomoto könnte an dem Wettbewerber interessiert sein, wie es am Markt hieß. "Das ist zwar nur eine Hochrechnung vom Platow-Brief, dürfte aber das Sentiment für Symrise positiv gestalten", meinte ein Händler. Andere Marktteilnehmer äußerten sich etwas skeptischer: "Die Symrise-Aktie hat auf die letzten zwei konkreten Übernahmeangebote im Sektor nicht reagiert", sagt ein Händler mit Verweis auf den Konkurrenten Wild Flavors. Für ihn hatte zunächst Ajinomoto, dann Archer Daniels geboten: "Nach beiden Geboten gab es keine Multiple-Expansion für Symrise."

Die Beteiligung an einem Triebwerksprogramm von General Electric (GE) stützte indes den MTU-Kurs. Den Umsatzbeitrag der Triebwerkswartung sieht MTU bei rund 4 Milliarden Euro. "Das hört sich erst einmal gigantisch nach mehr als dem Jahresumsatz von MTU an", sagte ein Händler: "Allerdings verteilt es sich auf viele Jahre." Daher solle der Umfang nicht überbewertet werden und es die Aktie nur leicht treiben. "Wichtiger an der Sache ist, dass sich um einen Auftrag für Triebwerke der neuen 777x von Boeing handelt", erklärte der Händler weiter: "Damit sichert sich MTU die Beteiligung an Zukunftsprojekten und damit die langfristige Marktstellung." Die Maschine mit den GE-Triebwerken soll erst 2020 auf den Markt kommen.

Rheinmetall hofft auf KMW

Ein starkes Signal nahmen Analysten bei Rheinmetall wahr: Berichten zufolge ist der Mischkonzern weiter an Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) interessiert. "Dann würde der Leo wenigstens in Deutschland bleiben", sagt ein Händler mit Blick auf die bisherigen Planungen von KMW, den bekannten Kampfpanzer nach Frankreich abzugeben. "Allerdings macht das den Erfolg nicht wahrscheinlicher", zeigte sich ein anderer Händler skeptisch: "Rheinmetall versucht diesen Zusammenschluss seit einem Jahrzehnt und kommt nicht weiter." "Mit KMW im Boot hätte Rheinmetall die kritische Masse, um den Konzern in eine Automotive- und eine Rüstungssparte aufzuspalten", hieß es. Das trieb die Aktie um 2,0 Prozent nach oben.

Keine Wende zum Positiven bei Südzucker

Die Kurserholung bei Südzucker rund um die Veröffentlichung der Quartalszahlen währte nur kurz. Bereits einen Tag nach Veröffentlichung der Quartalszahlen verlor die Aktie wieder: rund fünf Prozent. Den Grundstein dafür legte das Unternehmen selbst auf der Analystenrunde am Vortag, in dem es ein schwächeres zweites Halbjahr im Vergleich zum ersten andeutete. Die Analysten von Warburg, Berenberg und Independent Research (IR) blieben bei ihren Verkaufsempfehlungen für die Aktie. IR sieht nach wie vor keine Anzeichen für eine operative Wende.

Nordex verloren mit einer Abstufung durch HSBC auf "Untergewichten" 0,8 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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