Wirtschaft
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"Datenebbe" und Yen-Stärke: Briten-Pfund ist der Tagesgewinner

Die Bank of Japan bleibt gelassen, der Yen profitiert. Die Fed-Protokolle kommen, der Euro verliert. Hinweise auf eine straffere Geldpolitik schieben das Britische Pfund in den Vordergrund.

Der Euro hat am Mittwoch nachgegeben. Im Tief fiel die Gemeinschaftswährung auf 1,3652 US-Dollar. Damit kostete sie einen halben Cent weniger als am Morgen. Bis zum späten Nachmittag erholte sie sich nur leicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3676 nach 1,3702 Dollar am Dienstag festgesetzt.

Starke Impulse blieben zur Wochenmitte aus, entscheidende Konjunkturdaten standen nicht an. Dass der Euro seit etwa zwei Wochen zur Schwäche neigt, erklären die meisten Beobachter mit der Geldpolitik. Es wird erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung Anfang Juni ihre Leitzinsen weiter senkt. Das belastet den Euro, weil die Aussicht auf noch niedrigere Zinsen die europäische Währung in den Augen von Anlegern weniger lukrativ erscheinen lässt.

Pfund ist der Gewinner

Tagesgewinner unter den großen Währungen war zur Wochenmitte das britische Pfund. Ausschlaggebend waren robuste Zahlen vom Einzelhandel und Hinweise auf eine straffere Geldpolitik. Aus dem Protokoll zur jüngsten Zinssitzung der Bank of England geht hervor, dass die Neigung zu Zinsanhebungen zunimmt. Weil dann auch die Zinsen auf britische Geldanlagen steigen dürften, greifen Investoren beim Pfund zu. Mit einer ersten Zinsanhebung nach der Krise rechnen die meisten Analysten aber erst im kommenden Jahr.

Die am Donnerstag in einigen Ländern beginnenden Europawahlen werfen unterdessen ihre Schatten voraus. In den vergangenen Tagen hatte sich die Stimmung an den Finanzmärkten vieler Euroländer spürbar eingetrübt, weil eurokritische Parteien Umfragen zufolge deutliche Stimmengewinne einstreichen dürften. In einigen Ländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Griechenland könnte dies die Regierungen schwächen, argumentierten Beobachter. Am Mittwoch war die Stimmung an den meisten Märkten jedoch etwas besser.

Yen gesucht

Äußerungen des japanischen Notenbankchefs Haruhiko Kuroda geben der Landeswährung Yen am Mittwoch Auftrieb. Dollar und Euro verbilligten sich um jeweils etwa ein halbes Prozent auf ein Dreieinhalbmonatstief von 100,83 und 138,23 Yen.

Kuroda äußerte sich zuversichtlicher zu den Konjunkturaussichten und dämpfte damit Spekulationen auf eine weitere Lockerung. Die geldpolitischen Maßnahmen zeigten die erwünschten Effekte, betonte der Zentralbank-Chef. Sein Haus kauft seit Monaten Wertpapiere im großen Stil auf, um durch diese Geldspritzen die heimische Konjunktur anzukurbeln. Die Bank von Japan strich in ihrer Erklärung außerdem die Aussage, dass sich Japan in einer Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen - befinde.

"Die Bank of Japan (BoJ) hat bei ihrem heutigen Treffen alles beim Alten gelassen und weitet ihre Geldmenge wie geplant aus. Alles andere wäre auch eine extreme Überraschung gewesen", urteilte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Die Notenbanker beschlossen, weiterhin Wertpapiere in Höhe von 60 bis 70 Billionen Yen (rund 430 bis 500 Milliarden Euro) pro Jahr zu kaufen. Die BoJ will mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik die Inflationsrate an die Marke von zwei Prozent bringen. Japan steckt seit rund 15 Jahren in einer Deflation.

Quelle: n-tv.de

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