Wirtschaft
Die Wall Street freut sich über die Fed-Protokolle.
Die Wall Street freut sich über die Fed-Protokolle.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Perfektes Fed-Protokoll": Wall Street erholt sich

Die US-Börsen schließen deutlich im Plus. Die anfängliche Nervosität legt sich, als die US-Notenbank Fed das Protokoll ihrer jüngsten Sitzung vorlegt. Das las sich vielleicht nicht aufregend, war aber genau das, was die Börsianer hören wollten.

Zur Wochenmitte haben sich die Aktienkurse an der Wall Street von ihren jüngsten Verlusten erholt. Getragen wurden die Kursgewinne von einigen erfreulichen Unternehmensbilanzen. Das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung gab den Kursen zusätzlich Auftrieb. Es enthielt im Wesentlichen nichts Neues, zerstreute aber Befürchtungen, dass die Federal Reserve ihre Geldpolitik beschleunigt straffen könnte.

Während ihrer April-Sitzung hatte die Federal Reserve an ihrer Einschätzung festgehalten, dass sich die Wirtschaft allmählich erholt. Zudem debattierten die Währungshüter ausgiebig über ihre Strategie beim Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. Die Debatte bedeute aber nicht, dass die Straffung bald komme, wurde in dem Protokoll versichert.

Am Dienstag hatte Charles Plosser, der Präsident der Federal Reserve Bank of Philadelphia und bekannt als geldpolitischer "Falke", die Anleger etwas verunsichert, indem er sagte, dass die US-Zinsen wohl eher früher als später steigen dürften.

Nach Meinung von John Canally, Investmentstratege und Volkswirt bei LPL Financial, ist das Protokoll für die Aktienmärkte einfach perfekt. Er sprach von einem "Goldilocks Scenario" in Anspielung auf das Märchen vom Goldlöckchen, dem der Brei weder zu heiß noch zu kalt sein darf.

Der Dow-Jones-Index kletterte um 1 Prozent auf 16.533 Punkte. Der S&P-500 und der Nasdaq-Composite legten um 0,8 respektive 0,9 Prozent zu. Die Umsätze waren abermals dünn. Gehandelt wurden 0,59 (Dienstag: 0,65) Milliarden Aktien. Dabei kamen auf 2.015 Kursgewinner 1.093 -verlierer. Unverändert schlossen 118 Titel.

An der Börse standen erneut einige Einzelhandelsunternehmen mit ihren Quartalsausweisen im Fokus der Anleger. Die Entwicklung der Branche wird stark beachtet, weil der private Konsum etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht.

Nachdem am Dienstag die Baumarktkette Home Depot einen überraschend optimistischen Ausblick gegen hatte, zog am Mittwoch Wettbewerber Lowe's ebenfalls mit höheren Ertragserwartungen nach. Das Ergebnis je Aktie lag knapp über der Analystenschätzung, doch enttäuschte der Umsatz. Die Aktie verlor 0,3 Prozent.

Aktien des Discounters Target gewannen 1 Prozent. Das Unternehmen hat etwas weniger verdient als erwartet und mit dem Umsatz die Analystenschätzungen ungefähr getroffen. Gut kam bei den Anlegern an, dass Target den Chef seines strauchelnden Kanada-Geschäfts ausgetauscht hat. Der Kurs von PetSmart fiel um 8,3 Prozent, nachdem der Anbieter von Tierbedarf seine Ertragserwartungen gesenkt hatte.

Glänzend liefen die Geschäfte des Luxusjuweliers Tiffany. Umsatz und Ergebnis übertrafen die Erwartungen. Das Unternehmen hob zudem seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr an. Der Tiffany-Kurs stieg um 9 Prozent.

Pharmakonzern Pfizer kann sich Hoffnungen machen, dass die Übernahme des britischen Wettbewerbers AstraZeneca doch noch gelingt. Legal & General (L&G), einer der großen Investoren bei AstraZeneca, hat Kreisen zufolge das Management des Pharmakonzerns aufgefordert, Gespräche mit Pfizer über eine Übernahme aufzunehmen. "Der Druck der Investoren wächst, die das verbesserte Angebot von Pfizer als lukrativ betrachten", sagt ein Händler. Die Pfizer-Aktie stieg um 1,1 Prozent.

Am Rohstoffmarkt kletterte der Preis für ein Barrel Öl der US-Sorte WTI über die Marke von 104 Dollar, nachdem die US-Regierung einen überraschend deutlichen Rückgang ihrer Rohölvorräte gemeldet hatte. Ferner stützten nach wie vor Befürchtungen, dass die Ereignisse in Syrien und der Ukraine das Angebot verknappen könnten. Zum Settlement kostete das Barrel WTI 104,07 Dollar und damit 1,7 Prozent bzw 1,74 Dollar mehr als am Dienstag. Die europäische Referenzsorte Brent verteuerte sich um 0,8 Prozent bzw 0,86 Dollar auf 110,55 Dollar.

Der Goldpreis gab zum Settlement um 0,5 Prozent bzw 6,50 Dollar auf 1.288,10 Dollar je Feinunze nach. Im elektronischen Handel baute Gold seine Verluste nach der Veröffentlichung des Fed-Sitzungsprotokolls zeitweise um rund 5 Dollar aus. Neben den Kursgewinnen der Aktienmärkte habe die unveränderte Einschätzung der Wirtschaftslage durch die Fed das Interesse an sicheren Anlagen gedämpft, hieß es.

Verstärkte Zurückhaltung herrschte aus dem gleichen Grund auch am US-Anleihemarkt. Hier legte die Rendite zehnjähriger Papiere um zwei Basispunkte auf 2,54 Prozent zu.

Der Euro fiel unter die Marke von 1,37 Dollar zurück, machte im späten US-Geschäft in Reaktion auf das Fed-Protokoll aber wieder etwas Boden gut und kostete etwa 1,3685 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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