Wirtschaft
Wells Fargo liefert seinen Bericht.
Wells Fargo liefert seinen Bericht.(Foto: REUTERS)

Wells Fargo liefert irgendwie: Dow schleicht an die 17.000

Auf gute Stimmung machen die US-Anleger zum Wochenschluss erst einmal nicht. Stattdessen geben die Kurse anfangs sogar weiter nach. Quartalszahlen von Wells Fargo verpuffen am Markt.

Die Wall Street geht mit leichten Gewinnen ins Wochenende. Nach den Kursrückgängen am Vortag wegen der Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise habe sich die Lage wieder etwas beruhigt, sagen Händler. Die großen Indizes würden auch immer noch in der Nähe ihrer Allzeithochs notieren.

Letztlich legte der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,2 Prozent auf 16.943 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls um 0,2 Prozent auf 1967 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,4 Prozent auf 4415 Punkte vor.

Ein Teilnehmer wollte die Aufwärtsbewegung nicht überbewerten. Der Handel sei insgesamt in sehr ruhigen Bahnen verlaufen. Auch Impulse von der Konjunkturseite habe es nicht gegeben.

Die von der in Schwierigkeiten befindlichen Banco Espirito Santo in Portugal ausgehenden systemischen Risiken für den Bankensektor wurden zunehmend als "überschaubar" eingestuft. Eine deutlichere Erholung blieb allerdings aus. Denn schon am Vortag hatten die US-Investoren weniger drastisch auf die Entwicklungen um das Santo-Espirito-Konglomerat reagiert.

Zwar könne bei der in die Negativschlagzeilen geratenen Banco Espirito Santo nicht von einer Wunderheilung die Rede sein, die Anleger wüssten allerdings die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik auf ihrer Seite, so ein Marktbeobachter. Das sei der Grund, warum auch andere Störfeuer für die Börsen derzeit relativ gut weggesteckt würden.

Wells Fargo läuten Banken-Berichte ein

Dazu hat in der gerade angelaufenen Berichtssaison mit Wells Fargo die erste US-Großbank ihr Zahlenwerk vorgelegt, dass weder enttäuschte noch positiv überraschte. Im Tabak-Sektor stand zudem eine mögliche Fusion von Reynolds und Lorillard im Blickpunkt.

Die kommende Woche könnte zu einem "echten Test für den Markt werden", sagte Stratege Quincy Krosby von Prudential Financial. Immerhin würden 50 Unternehmen aus dem S&P-500 ihre Quartalsergebnisse vorlegen. Darunter auch Schwergewichte wie Intel, Yahoo, JP Morgan, Goldman Sachs, IBM, Google und General Electric.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand auf Unternehmensseite Wells Fargo mit den ersten Quartalszahlen des Bankensektors. Die US-Bank hat im zweiten Quartal zum vierten Mal in Folge gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres einen Rückgang bei den Einnahmen verzeichnet. Allerdings konnte die positive Gewinnentwicklung fortgesetzt werden. Der Kurs von Wells Fargo fiel um 0,6 Prozent. Es werde nun auf die Quartalsergebnisse der Citigroup am Montag gewartet, so ein Beobachter.

Übernahmeverhandlungen im Tabaksektor

Deutliche Rauchsignale gab es aus dem Tabaksektor, nachdem nach monatelangen Spekulationen Reynolds nun endlich Übernahmeverhandlungen mit dem Wettbewerber Lorillard bestätigt hat. Kommt der milliardenschwere Zusammenschluss zustande, ginge daraus die neue Nummer Zwei in den USA hinter Marktführer Altria hervor. Lorillard hat einen Marktwert von rund 23 Milliarden Dollar, der von Reynolds beträgt rund 33 Milliarden Dollar.

Um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen und um die Übernahme zu finanzieren, könnte Reynolds kleinere Marken wie Winston, Kool und Salem verkaufen. Die britische Imperial Tobacco Group hatte zuvor bereits angekündigt, unter bestimmten Voraussetzungen Marken und Unternehmensteile aus dem Zusammenschluss von Reynolds American und Lorillard zu übernehmen. Die Aktien von Lorillard legten um 4,6 Prozent zu, während es für Reynolds um 0,8 Prozent abwärts ging.

Belastet wurde der Dow-Jones-Index vor allem von den Abgaben bei Chevron und Exxon Mobile, die die Verliererliste anführten. Chevron hat im zweiten Quartal einen leichten Rückgang seiner Ölförderung hinnehmen müssen. Der Gewinn soll dennoch über dem Ergebnis des ersten Quartals liegen, kündigte der zweitgrößte US-Ölkonzern an. Das ist allerdings nicht auf operative Erfolge, sondern nur auf Sondereffekte zurückzuführen. Für die Aktie von Chevron ging es um 1,4 Prozent abwärts, Exxon Mobile verloren 0,8 Prozent.

Gestützt wurde die Nasdaq von Gewinnen bei den Internetunternehmen. So verteuerten sich Amazon um knapp sechs Prozent. Ebay-Titel kletterten um 2,3 Prozent. Gefragt waren die Anteilsscheine von T-Mobile US mit einem Kursaufschlag von 1,9 Prozent. Die Deutsche Telekom kommt bei dem geplanten Verkauf ihrer US-Tochter an den Rivalen Sprint einem Medienbericht zufolge voran. Zwischen Sprint und der Telekom gebe es inzwischen eine Basis-Vereinbarung zu dem Vorhaben, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Quelle: n-tv.de

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