Wirtschaft
Einstieg in den Freitagshandel: Aller Voraussicht nach ist es der letzten Börsentag vor der Bekanntgabe des neuen Bundeskabinetts (Archivbild).
Einstieg in den Freitagshandel: Aller Voraussicht nach ist es der letzten Börsentag vor der Bekanntgabe des neuen Bundeskabinetts (Archivbild).(Foto: REUTERS)

"Der Markt könnte sich etwas stabilisieren": Dax vorsichtig freundlich erwartet

Gelingt dem deutschen Aktienmarkt vor dem Wochenende die Wende? Nach einer Serie schwacher Tage sehen Beobachter gute Chancen für einen halbwegs stabilen Auftakt in den Freitagshandel. Die US-Vorgaben könnten allerdings besser sein.

Nach den Kursverlusten der vergangenen Tagen gehen Beobachter in Banken und Brokerhäusern mit Blick auf den deutschen Aktienmarkt davon aus, dass sich die Dax-Anleger zum Auftakt in den letzten Handelstag der Woche erneut zurückhalten dürften. Am frühen Morgen rechnen Börsianer zum Start mit einem unveränderten deutschen Leitindex. In der Indikation bei Lang & Schwarz sehen Experten den Dax zum Start bei 9031 Punkten, was einem schmalen, aber erkennbaren Plus von 0,2 Prozent entspricht. Am Donnerstag hatte der deutsche Leitindex 0,7 Prozent schwächer bei 9017 Zählern geschlossen. Seit Wochenbeginn kommt der Dax auf ein Minus von fast 2 Prozent.

Beherrschendes Thema bleibe die Frage, wann und in welchem Umfang die US-Notenbank Fed ihre milliardenschweren Anleihenkäufe drosseln wird, heißt es. Vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank in der kommenden Woche seien wegen den damit verbundenen Unsicherheiten aber jederzeit stärkere Bewegungen in die eine oder andere Richtung möglich. Derzeit glauben rund die Hälfte der Marktbeobachter, dass die US-Notenbank eine Drosselung der Wertpapierkäufe ("Tapering") von derzeit monatlich noch 85 Milliarden Dollar beschließen wird.

Der XDax legt im Frühhandel um knapp 0,2 Prozent zu auf 9031 Punkte. Für den Eurostoxx50 zeichnet sich ein Start bei 2926 Zählern ab nach einem Schlussstand vom Vorabend bei 2928 Zählern. Bei den Konjunkturdaten spricht der weitgehend überschaubare Terminkalender des Tages für ein eher ruhiges Geschäft. Am Nachmittag werden in den USA die Erzeugerpreise für November veröffentlicht. Die Daten sind insofern von Interesse, da die sehr niedrigen Inflationsraten einer der wenigen Gründe sind, die gegen ein rasch eingeleitetes "Tapering" sprechen.

Uneinheitliche Vorgaben kommen aus Asien: Der Nikkei-Index in Japan rückt um 0,4 Prozent vor, der Shanghai-Composite in China verliert 0,4 Prozent. Abgesehen davon dürften auch die politischen Perspektiven in Deutschland für reichlich Gesprächsstoff im deutschen Aktienhandel sorgen. Der Mitgliederentscheid bei der SPD über den Koalitionsvertrag ist beendet. In der Nacht auf Freitag lief die Frist für den Eingang der Stimmzettel im Postfach des SPD-Vorstands ab. Mehr als 470.000 SPD-Mitglieder waren aufgerufen, bis zum Ablauf des Donnerstags über eine Koalition ihrer Partei mit CDU und CSU abzustimmen. Ausgezählt werden die Stimmzettel erst am Samstag. Bis Samstagabend soll dann bekanntgegeben werden, ob Deutschland künftig zum dritten Mal von einer Großen Koalition regiert werden kann.

Schwer tun sich Beobachter am Morgen mit einer Tendenzprognose für die europäischen Börsen. Der Markt sei derzeit weitgehend abgekoppelt von fundamentalen Einflüssen, heißt es. Zwar habe der Dax vier Tage in Folge nachgegeben, die Dynamik des Ausverkaufs in der vergangenen Woche habe sich jedoch nicht wiederholt. Vielmehr bröckelten die Kurse in kleinen Schritten ab. "Ich denke, dass sich der Aktienmarkt heute etwas stabilisieren kann", meinte ein Händler.

Allerdings nimmt die Volatilität immer weiter zu, wie die fundamental kaum erklärbaren Auf- und Ab-Bewegungen des Dax-Futures am Donnerstag zeigten. "Der Vola-Dax ist drei Tage in Folge gestiegen, wenn auch nicht stark", erklärte der Händler. Möglicherweise spiegelten sich hierin bereits die Positionierungen im Hinblick auf den großen Verfall wider. Dieser finde am Freitag kommender Woche statt und damit in diesem Jahr sehr kurz vor dem Jahresultimo. Das erschwere die Abwicklung und Lieferung, die in ein aller Voraussicht nach extrem umsatzarmes Kassageschäft an den Handelstagen um das Weihnachtsfest falle. Investoren dürften also versuchen, ihre Positionen früher als sonst üblich zu schließen.

Die Optionsprämien auf Dax-Optionen preisen für Freitag eine Schwankungsbreite im Dax von 75,98 Punkten oder 0,84 Prozent um den Schlusskurs vom Vortag ein. Das entspricht einer Dax-Bewegung auf bis zu 9093 Punkte nach oben und 8941 Punkte nach unten. Der VDax-New schloss am Vortag bei 16,10 Prozent.

Am europäischen Aktienmarkt könnte eine Branchenstudie der UBS bei den Kursen im Versorgersektor für Bewegung sorgen. Die Analysten haben den kontinentaleuropäischen Sektor auf "Neutral" von "Underperform" erhöht, raten aber zugleich von britischen Versorgeraktien ab. Die Aktien von Eon ziehen im Frühhandel um 1,3 Prozent an und sind damit Spitzenreiter im Dax. Am unteren Indexende stehen dagegen RWE mit einem Minus von 1,1 Prozent. Hier hat Goldman Sachs seine Kaufempfehlung zurückgezogen.

Am Vorabend hatte der Dax den Donnerstagshandel mit deutlichen Kursverlusten beendet. Im späten Geschäft gaben die wichtigsten deutschen Indizes weiter nach. Der L-Dax schloss bei 9005,61 Punkten, nachdem der Leitindex Dax im Hauptgeschäft um 0,66 Prozent auf 9017,00 Punkte gesunken war. Der L-MDax stand am Ende bei 15 863,74 Punkten. Der Index mittelgroßer Werte hatte sich zuvor um 0,75 Prozent auf 15.901,24 Punkte nach unten bewegt. Der L-TecDax ging bei 1112,38 Punkten aus dem Späthandel. Zuvor war der Index der Technologiewerte um 1,35 Prozent auf 1115,08 Punkte gefallen.

Die US-Börsen waren am Vorabend erneut schwächer aus dem Handel gegangen. Die Wirkung der unerwartet robusten Konjunktursignale schien schnell zu verpuffen. Beobachter werteten sie als mögliches Argument für einen beschleunigten Ausstieg aus den Konjunkturhilfen der US-Notenbank. Wie bereits an den Vortagen beherrschten damit die Spekulationen auf eine baldige Straffung der Geldpolitik den Handel.

Der Standardwerteindex Dow Jones schloss mit einem Abschlag von 0,7 Prozent bei 15.739 Punkten. Im Verlauf war er zwischen 15.703 und 15.845 Stellen gependelt. Der S&P 500 gab 0,4 Prozent nach auf 1775 Zähler. An der Nasdaq zog sich der Composite-Index 0,1 Prozent auf 3998 Punkte zurück.

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Quelle: n-tv.de

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