Wirtschaft
Weder in die eine, noch deutlich in die andere Richtung zog es zum Wochenausklang den Dax.
Weder in die eine, noch deutlich in die andere Richtung zog es zum Wochenausklang den Dax.(Foto: picture alliance / dpa)

Wall Street verbucht Gewinnwoche: Müder "Hexentanz" endet für Dax im Plus

Der wilde Ritt der Aktienkurse bleibt am letzten Handelstag der Woche aus: Trotz des für seine starken Schwankungen bekannten "Hexensabbats" zeigt sich der Dax in ruhigem Fahrwasser. Ein nachlassender Euro sorgt für Kursgewinne.

Der wilde Tanz der Aktienkurse, für den der "Hexensabbat" bekannt ist und woher er seinen Namen hat, ist in Frankfurt ausgeblieben. Nur am Nachmittag kam mit dem Verfall von Futures und Optionen ein bisschen mehr Bewegung in den Dax. Am Ende schloss der Leitindex 0,6 Prozent fester bei 9951 Punkten. fester ging auch die Wall Street ins Wochenende.

Im Blick stand weiter die Dollar-Entwicklung. Der Euro wertete leicht ab und notiert unterhalb der 1,13-Dollar-Marke. Der Greenback hatte nach der taubenhaften Sitzung der US-Notenbank stark abgewertet. Keinen Belastungsfaktor lieferte der Index der Uni Michigan, der mit 90 knapp unter den erwarteten 92,2 ausgefallen war. "Der Stimmungsrückgang enttäuscht angesichts der Erholung an den Finanzmärkten und des robusten Arbeitsmarktes", hieß es von Ulrich Wortberg, Marktstratege bei der Helaba.

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Etwas überrascht zeigten sich Händler von der positiven Kursreaktion der Porsche-Aktie auf den Freispruch für die beiden Ex-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Das Stuttgarter Landgericht hat die beiden Ex-Porsche-Manager vom Vorwurf der Marktmanipulation im Zuge der verpatzten VW-Übernahme im Jahr 2008 freigesprochen. Die Porsche SE muss keine Geldbuße zahlen, wie das Gericht urteilte. Die Porsche-Aktie legte um 3,9 Prozent zu, die Papiere der Konzernmutter Volkswagen um 1,5 Prozent.

Unternehmensnachrichten gab es kaum. Positiv wertete ein Händler den Kauf eines Anteils an der schweizerischen Sunrise Communication durch Freenet: "Freenet muss akquirieren, um weiter zu wachsen. Auf den Kernmärkten verlangsamt sich das Wachstum". Die Aussage von Freenet, mit dem Zukauf erhöhten sich Ebitda und Cashflow, belege, dass der Einstieg bei den Schweizern wertsteigernd sei. Anleger hingegen schickten die Freenet-Aktie nach unten.

Frankfurt: RWE und K+S an der Dax-Spitze

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Auch beim MDax ging es leicht nach oben, er verbesserte sich um 0,3 Prozent und legte auf 20.099 Punkte zu. Etwas fester auch der TecDax, der 0,6 Prozent auf 1611 Punkte zulegte. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 0,6 Prozent auf 3043 Punkte. Auf Wochensicht rückte der Dax 1,2 Prozent vor. Marktanalyst Ben Le Brun vom Online-Broker OptionsXpress sagte weitere Kursgewinne am Aktienmarkt voraus und verwies auf die jüngsten Entscheidungen von EZB, Fed & Co., an ihrer lockeren Geldpolitik festzuhalten. "Wir haben eine wichtige Woche hinter uns und sind nicht nur unbeschädigt, sondern scheinbar gestärkt daraus hervorgegangen."

Bester Wert im Dax waren die Aktien von RWE, die um 2,9 Prozent zulegten. Auch K+S  und BASF verbuchten Gewinne von 2,7 und 2,3 Prozent. Ganz hinten landeten hingegen Vonovia mit einem Verlust von 2,6 Prozent. Auch Munich Re schwächelten: minus 1,0 Prozent.

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Der im TecDax notierte Telekom-Anbieter Freenet übernimmt für 714 Millionen Euro knapp ein Viertel am Schweizer Mitbewerber Sunrise. Freenet-Titel gaben daraufhin 5,3 Prozent nach. An der Züricher Börse gewannen Sunrise 6,0 Prozent.

"Gänzlich ohne Überraschungen" seien die Jahresergebnisse der Deutsche Wohnen geblieben, sagte ein Händler. Die Geschäftszahlen seien größtenteils seit Januar bekannt und den Ausblick für 2016 habe das Immobilienunternehmen erwartungsgemäß bekräftigt. Die Aktie gewann dennoch 0,3 Prozent. Marktteilnehmer schließen Gewinnmitnahmen im weiteren Sitzungsverlauf aber nicht aus.

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Ansonsten bewegten die Analysten die Kurse. So gab es aus dem Hause der Deutschen Bank eine positive Einschätzung für Kion, die Aktie legte in Folge 4,4 Prozent zu.

USA: Gewinne an der Wall Street ziehen an

Die Fed-Entscheidung, bei den geplanten Zinserhöhungen behutsamer vorzugehen, wirke immer noch nach, sagten Händler zum Handelsverlauf in New York. "Die Fed hat mit ihren Kommentaren einige Nervosität aus dem Markt genommen", sagte Gary Bradshaw, Portfolio-Manager bei Hodges Funds. Das Börsengeschäft stand auch im Zeichen des Verfalls sowohl von Termingeschäften als auch von Optionen auf Börsenindizes und einzelne Aktien - dem sogenannten vierfachen Hexensabbat.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent höher auf 17.602 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,4 Prozent auf 2050 Zähler. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um 0,4 Prozent auf 4796 Punkte zu. Im Wochenvergleich ergab sich für den Dow ein Plus von 1,8 Prozent, für den S&P von 1,3 Prozent und für den Nasdaq-Index von einem Prozent.

Bei den Einzelwerten gewannen Adobe-Papiere fast vier Prozent an Wert, nachdem der Softwarekonzern im ersten Quartal dank neuer Abo-Kunden mit einem Gewinnsprung überraschte. Bei den Bankenwerten legten Bank of America und JP Morgan jeweils etwa drei Prozent zu. Beide Geldhäuser hatten zuvor ihre Aktienrückkaufprogramme öffentlich gemacht.

Die Stimmung der US-Konsumenten trübte sich im März überraschend ein. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel um 1,7 auf 90,0 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit einem halben Jahr. Ökonomen hatten dagegen mit einem Anstieg auf gerechnet. Die US-Konjunktur hängt stark von den Verbrauchern ab: Der private Konsum steht für rund 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der weltgrößten Volkswirtschaft.

Steil nach unten ging es mit der Aktie von Aeropostale, sie sackte um rund 46 Prozent ab. Der auf Jugendkleidung spezialisierte Einzelhändler hat sich externe Berater in das Unternehmen geholt, die einen möglichen Verkauf oder eine umfassende Restrukturierung prüfen. Das Unternehmen hatte zuletzt schwache Ergebnisse für das Gesamtjahr 2015 veröffentlicht. So war der Umsatz um 18 Prozent eingebrochen.

Licht und Schatten liegen bei Tiffany nah beieinander: Die Ergebnisse des Schmuckunternehmens im vierten Quartal litten weiter unter dem starken Dollar, auch wenn sie nicht ganz so schlimm ausgefallen sind wie befürchtet. Aufs Jahr gerechnet konnten die ursprünglichen Prognosen bei Umsatz und Ergebnis nicht erreicht werden, doch hob Chef Frederic Cumenal hervor, dass die Bruttomargen dennoch zugelegt haben. Dafür fiel der Gewinnausblick für das erste Quartal schlechter aus als erwartet. Die Aktie gewann 3 Prozent.

Asien: Nikkei im Minus, Shanghai im Plus

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Die meisten asiatischen Börsen haben zum Wochenschluss noch einmal zugelegt. Sie folgten damit dem Trend der Wall Street, die am Vortag deutliche Kursgewinne verbuchte. Die Talfahrt des Dollar zum Euro verhalf vor allem Industriewerten zu Höhenflügen, die damit kalkulierten, ihre Waren auf dem Weltmarkt günstiger anbieten zu können.

Dies war wohl auch der Grund, warum sich die Börse in Tokio gegen den Trend bewegte. Auf ihre Kurse drückte der Anstieg des Yen im Verhältnis zum Dollar, was als Belastung für die Exportwirtschaft des Landes gewertet wurde. Hintergrund ist die Ankündigung der US-Notenbank Fed, behutsamer bei künftigen Zinserhöhungen vorzugehen.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,2 Prozent im Minus bei 16.725 Punkten. Zu den Verlierern zählten insbesondere Exportwerte wie die Autobauer Toyota und Nissan, die jeweils rund zwei Prozent einbüßten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor ein Prozent auf 1345 Zähler. Die Börse in Shanghai schloss hingegen 1,72 Prozent fester. Auch an anderen Aktienmärkten der Region gab es Gewinne: Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik ohne Japan legte 0,8 Prozent zu.

Rohstoffe: Ölpreise zeigen sich uneinheitlich

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Der Ölpreis setzte den jüngsten Höhenlauf anfangs fort, fiel aber zurück, nachdem Baker Hughes, ein Ausrüster der Erdöl- und Gasindustrie, Daten zu den in Betrieb befindlichen Bohrlöchern veröffentlicht hatte. Hier wurde erstmals seit zwölf Wochen kein Rückgang verzeichnet. Vielmehr kam in der vergangenen Woche in den USA eine Förderanlage hinzu, was am Markt Befürchtungen weckte, das Überangebot an Öl könne vielleicht doch nicht so rasch abgebaut werden wie erhofft.

Das Fass der Sorte WTI ermäßigte sich zum Settlement um 1,9 Prozent bzw 0,76 Dollar auf 39,44 Dollar. Brent gab um 0,8 Prozent bzw 0,34 Dollar auf 41,20 Dollar nach. Die Rally der vergangenen Tage war vom schwachen Dollar angetrieben worden, aber auch von der Hoffnung auf eine Begrenzung der Produktion.

Beim Goldpreis wurde nach dem kräftigen Satz nach oben am Mittwoch die Luft dünner. Er gab um 0,9 Prozent nach auf 1254,30 Dollar, belastet auch vom wieder steigenden Dollar. Das Edelmetall war am Mittwoch wegen der taubenhaften US-Notenbank massiv vorgerückt.

Devisen: Euro wieder unter 1,13 Dollar

Der Kurs des Euro hat zum Wochenabschluss nachgegeben. Am späten Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung knapp unter 1,13 US-Dollar gehandelt und damit unter dem Niveau vom Vortag. Zuletzt kostete ein Euro 1,1288 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1279 (Donnerstag: 1,1311) Dollar festgelegt.

Aussagen des EZB-Chefvolkswirts Peter Praet hatten den Eurokurs etwas geschwächt. Praet betonte in einem Zeitungsinterview, dass die Grenzen der Geldpolitik noch nicht erreicht seien. Weitere Zinssenkungen gehörten nach wie vor zum verfügbaren Arsenal. Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi nach dem jüngsten Zinsentscheid hatten zuvor am Markt die Vermutung gefestigt, dass es sich bei den jüngsten Zinssenkungen vorerst um die letzten gehandelt haben könnte. Der Eurokurs hatte deshalb deutlich zugelegt.

Quelle: n-tv.de

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