Wirtschaft
Tagestief am Nachmittag: So steuerte der Dax in Richtung Wochenende.
Tagestief am Nachmittag: So steuerte der Dax in Richtung Wochenende.(Foto: REUTERS)

Dax-Vorschau: Neue Zahlen zum Börsenherbst

Mit allein sechs Quartalsberichten aus dem Leitindex und einem ganzen Bündel an Konjunkturdaten markiert die kommende Woche am deutschen Aktienmarkt das Ende der dritten Jahreszeit. Nach der US-Wahl rechnen Analysten mit mehr Aufmerksamkeit für Schuldenkrise und Wirtschaftslage.

In der Woche nach der Wahl ging es insgesamt fast 3 Prozent nach unten.
In der Woche nach der Wahl ging es insgesamt fast 3 Prozent nach unten.(Foto: AP)

In der neuen Woche dürfte der deutsche Aktienmarkt angesichts der abflauenden Berichtssaison wieder mehr von konjunkturellen Faktoren und der im Hintergrund schwelenden europäischen Schuldenkrise bestimmt werden.

Nachdem der erhoffte Kursaufschwung nach der US-Wahl ausblieb, seien die Wachstumszweifel vor dem Hintergrund der in den USA drohenden "Fiskalklippe" und schwacher Konjunkturdaten aus dem Euroraum wieder auf dem Vormarsch, kommentierte Analyst Markus Reinwand von der Helaba die Lage.

Am letzten Handelstag vor dem Wochenende schloss der Dax 0,6 Prozent tiefer bei 7163,50 Punkten. Damit ging er aber fast 100 Punkte über dem Tagestief von 7064 Punkten aus der Sitzung. Auf Wochenbasis verlor der Leitindex damit 2,72 Prozent. Die Börsianer hätten nach der US-Wahl mit einer Erholung gerechnet und seien auf dem falschen Fuß erwischt worden, resümierte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade.

Die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) sehen im "" auch in den kommenden Wochen einen Belastungsfaktor für die Aktienmärkte. Unsicherheit und Volatilität dürften hoch bleiben. Zweiter wichtiger Themenkomplex sei die Schuldenkrise mit dem Fokus auf und .

Das griechische Parlament habe zwar das neue Sparprogramm gebilligt, die EU-Finanzminister hätten aber offenbar keine Eile, über neue Hilfsgelder zu entscheiden. Die massiven Proteste der Bevölkerung gegen die Sparpolitik verdeutlichten zudem, dass die Wahrscheinlichkeit eines Euro-Austritts Griechenlands nicht kleiner geworden sei. Auch ein erneuter scheine kaum vermeidbar zu sein.

"Gepaart mit der Hängepartie um einen sowie die im Frühjahr anstehenden Wahlen in bleibt die Schuldenkrise eine nicht zu unterschätzende Belastungsgröße für die heimischen Börsen", konstatierten die LBB-Fachleute. Und die langsam auslaufende Berichtssaison der großen deutschen Unternehmen falle in den kommenden Wochen als Stabilisator weg.

Aus Konjunktursicht sei es an der Zeit, so Helaba-Analyst Markus Reinwand, dass sich die Stimmung in Deutschland und der Eurozone wieder aufhelle. Der anstehende ZEW-Indikator dürfte besondere Beachtung finden. Im Oktober war der von minus 18,2 Punkten minus 11,5 Zähler gestiegen.

In Deutschland dürften auch die Auftragseingänge am Dienstag und die Industrieproduktion am Mittwoch verstärkt Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Die Quartalsberichterstattung der deutschen Unternehmen nähert sich derweil ihrem Ende. Mit Eon, K+S, RWE, Infineon, Merck KGaA und Henkel legen aber immerhin noch einmal sechs der 30 Dax-Konzerne ihre Geschäftszahlen zum abgelaufenen Vierteljahr den Märkten vor.

10.000 Punkte in Reichweite?

Zuversichtlich äußerte sich Henning Gebhardt, Leiter für europäische Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS. Gebhardt hält es für möglich, dass der Dax auf 10.000 Punkte steigt. "Die Höchststände werden relativ schnell genommen, da bin ich optimistisch", sagte der Fondsmanager. Denn Aktien seien billig und verglichen mit Anleihen attraktiv. Außerdem könnte sich die Konjunktur im kommenden Jahr deutlich besser entwickeln als erwartet.

Auch aus technischer Sicht herrscht erst einmal Aufatmen am Markt. Positiv sei, dass der Dax das Oktober-Tief bei 7120 Punkten nur vorübergehend unterschritten und dann wieder überwunden habe. "Damit ist ein technisches Verkaufssignal abgewehrt worden", sagte ein charttechnisch orientierter Beobachter. Er warnte aber auch, mittelfristig könnten weitere Tests des Oktober-Tiefs anstehen.

An der New Yorker Wall Street waren die großen Indizes am Freitag nach unerwartet guten Konjunkturdaten halbwegs freundlich aus dem Handel gegangen. Der Dow-Jones-Index schloss nach einem schwachen Auftakt kaum verändert auf 12.815 Punkten. Im Handelsverlauf bewegte sich das Marktbarometer zwischen 12.743 und 12.890 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,2 Prozent auf 1379 Zähler zu. Der Composite-Index an der Nasdaq schloss 0,3 Prozent fester bei 2904 Stellen. Im Wochenvergleich büßte der Dow 2,1 Prozent, der S&P 2,4 Prozent und der Nasdaq-Index 2,6 Prozent ein.

Der EuroStoxx50 war mit einem dünnen Aufschlag von 0,03 Prozent auf 2479,82 Punkte aus dem Handel gegangen. Der Londoner FTSE-Index büßte 0,11 Prozent ein, während der Paris CAC 40 um 0,47 Prozent zulegte.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,08 Prozent am Vortag auf 1,06 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,16 Prozent auf 135,05 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,02 Prozent auf 143,11 Punkte.

Der Euro konnte sein Minus im späten Handel etwas verringern und wurde zuletzt bei 1,2716 US-Dollar gehandelt. Gegen Freitagmittag hatte die EZB den Referenzkurs noch auf 1,2694 (Donnerstag: 1,2736) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7878 (0,7852) Euro.

Quelle: n-tv.de

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