Wirtschaft
Tiefrot ist der Februar für den Dax bisher.
Tiefrot ist der Februar für den Dax bisher.(Foto: REUTERS)

Dow Jones gibt ebenfalls ab: Niedrige Ölpreise setzen Dax arg zu

Mit dem erneut einsetzenden Ölpreis-Verfall drehen die Börsen in die Verlustzone. Die Unsicherheit wächst, auch mit Blick auf eine möglicherweise anhaltende Konjunkturschwäche in China. Die Anleger sind ängstlich, Dax und Dow Jones rutschen fast zwei Prozent ab.

Eine weitere herbe Schlappe erlitt der deutsche Aktienmarkt am zweiten Handelstag im Februar: Ein bereits in der ersten Handels-Halbzeit schwächelnder Dax rutschte mit der negativen Eröffnung der US-Börsen noch tiefer ins Minus. Am schloss der Dax 1,8 Prozent leichter auf 9581 Punkten. Das war ein Tagesverlust von rund 180 Punkten.

Vor allem der erneute Preisverfall beim Öl sorgte für eine steigende Verkaufsbereitschaft unter den Investoren. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent verlor am Terminmarkt bis zu fünf Prozent auf 32,47 Dollar. Der Preis für WTI rutschte erstmals seit dem 22. Januar kurzzeitig wieder unter die Marke von 30 Dollar.

"Das Fenster für Käufe in die Kursschwäche ist aus unserer Sicht geschlossen und die Unsicherheit dürfte im Laufe der Woche noch größer werden", hieß es in einem Broker-Kommentar. Denn spätestens nach dem chinesischen Neujahrsfest in der kommenden Woche dürften die Finanzmärkte wieder die Konjunkturschwäche Chinas thematisieren.

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In London büßten BP knapp 8,6 Prozent ein. Der Einbruch des Ölpreises sowie hohe Abschreibungen haben dem Branchenriesen im vergangenen Jahr einen Verlust von 5,2 Milliarden Dollar eingebrockt. In Zürich brachen UBS um 7,1 Prozent ein. Die schweizerische Großbank hat zwar das vergangene Jahr solide abgeschnitten und belohnt ihre Aktionäre mit einer höheren Dividende.

In Deutschland hatte Infineon Zahlen vorgelegt, konnte aber ebenfalls nicht überzeugen. "Die Zahlen sind nicht schlecht ausgefallen. Aber trotzdem sind die Börsianer ein bisschen enttäuscht", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel die Bilanz. Denn: Die Jahresprognose sei nur bestätigt worden, manche hatte jedoch auf eine kleine Anhebung gehofft. Die Aktie verzeichnete am Ende ein deutliches Minus von 5,7 Prozent.

Frankfurt: Infineon trotz guter Zahlen weit hinten im Dax

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Der Dax schloss am Ende 1,8 Prozent leichter auf 9581 Punkten. Sein Tagestief hatte er bei 9537 Punkten markiert, der Tageshöchststand lag bei 9729 Zählern. Für den MDax ging es 2,0 Prozent nach unten auf 19.085 Zähler. Abschläge von 1,2 Prozent verzeichnete der TecDax, der auf 1677 Punkte abfiel. Um 2,4 Prozent ging der Euro-Stoxx-50 zurück und sank auf 2949 Punkte.

Im Dax blieben am Ende nur noch zwei Gewinner übrig: Beiersdorf legten um 0,7 Prozent zu und standen ganz oben. Vonovia verbesserten sich um 0,6 Prozent.

Danach folgten die Reihen der Verlierer. Spürbare Verluste verbuchten Infineon, die 5,7 Prozent nachgaben, im frühen Handel aber mehr als fünf Prozent eingebrochen waren. Und das trotz überraschend positiver Quartalszahlen. Investoren hatten offenbar auf eine positive Überraschung gehofft. Auch nannten Marktteilnehmer den Ausblick auf das zweite Quartal eher verhalten.

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Am Dax-Ende landeten schließlich Thyssenkrupp, die um 6,0 Prozent abrutschten. Stahlwerte gehörten mit den Rohstoff- und Ölwerten zu den Hauptverlierern in Europa. Neben der Stahlschwemme und dem Verfall der Stahlpreise litten die deutschen Werte auch unter Berichten über die Lohnforderungen der IG Metall von 4,5 bis 5 Prozent. Diese Forderung basiere auf dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent und einem Produktivitätsanstieg von 1,1 Prozent, hieß es bei der Gewerkschaft.

Mit seinen Geschäftszahlen hat Wacker Chemie einige Anleger enttäuscht. Die Titel des Spezialchemiekonzerns drehen nach einem freundlichen Auftakt ins Minus und verloren 7,3 Prozent. Im MDax halten die Titel - 2015 hatten sie ohnehin schon zu den Schlusslichtern gezählt - die rote Laterne.

USA: Ölpreise fügen Wall Street Verluste zu

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Im Sog der wieder unter Druck stehenden Ölpreise ist es mit den Aktienkursen an der Wall Street kräftig nach unten gegangen. Damit setzte die bereits in der Vorwoche gesehene Korrelation der Aktienmärkte mit den Ölpreisen wieder ein. Zwar sollten niedrige Ölpreise langfristig die Konsumausgaben erhöhen, bislang hat sich die Ausgabefreude der US-Bürger jedoch noch nicht spürbar belebt. Kurzfristig wecken die niedrigen Ölpreise überdies Sorgen bezüglich der Nachfrage der großen Ölkonsumenten - allen voran China. Zudem belasten sinkende Ölpreise die wichtige US-Schieferölindustrie. Ablenkung bot lediglich die Berichtssaison.

Der Dow-Jones-Index verlor 1,8 Prozent auf 16.154 Punkte. Der S&P-500 gab um 1,9 Prozent nach, der Nasdaq-Composite um 2,2 Prozent.

Für die Alphabet-Aktie geht es um 1,3 Prozent nach oben, womit der Konzern Apple als teuerstes Unternehmen der Welt ablöst. Der Nettogewinn der Google-Dachgesellschaft legte im Schlussquartal um 5 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar zu. Auf bereinigter Basis verdiente Alphabet mehr als erwartet und schlug auch beim Umsatz die Analystenprognosen. Die Apple-Aktie verlor dagegen 2 Prozent.

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Schwache Quartalszahlen mehrerer Ölkonzerne verdeutlichten, dass selbst die solidesten Branchenvertreter mittlerweile Schwierigkeiten haben, die ohnehin schon niedrigen Erwartungen des Marktes zu erfüllen. Jüngstes Beispiel in den USA ist Exxon Mobil. Der Konzern hat im Schlussvierteljahr erstmals seit Sommer 2002 weniger als 3 Milliarden US-Dollar in einem Quartal verdient. Auch der US-Ölkonzern Chevron rutschte in die roten Zahlen, wie das Unternehmen vergangene Woche mitteilte. Die Exxon-Aktie fiel um 2,2 Prozent, der Kurs von Chevron um 4,7 Prozent.

Der Pharmakonzern Pfizer hat im vierten Quartal besser abgeschnitten als am Markt erwartet. Allerdings gab das Unternehmen einen enttäuschenden Ausblick auf das laufende Jahr ab. Der Kurs der Aktie reduzierte sich dennoch nur um 0,1 Prozent. Dow Chemical hat im vierten Quartal dank lebhafter Nachfrage einen überraschend hohen Gewinn erzielt. Preisrückgänge und der starke Dollar drückten indes auf den Umsatz der Gesellschaft, die mit DuPont fusionieren will. Die Aktie verbesserte sich um 5,8 Prozent. DuPont verbuchten ein Plus von 5,4 Prozent.

Für die Aktie des Barbie-Herstellers Mattel ging es nach Vorlage besser als erwartet ausgefallener Geschäftszahlen um fast 14 Prozent nach oben. United Parcel Service (UPS) hat im wichtigen Schlussquartal bei etwas höheren Umsätzen deutlich mehr verdient. Die Titel gewannen 0,7 Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise sacken wieder ab

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Die Ölpreise setzten ihre Abgaben vom Wochenbeginn fort. Beobachter begründen den jüngsten Schwächeanfall mit den enttäuschenden Konjunkturdaten des wichtigen Nachfragers China vom Wochenende und schwindenden Hoffnungen auf Förderkürzungen seitens der Opec.

Ein Offizieller der Opec erklärte, die Mehrheit der Mitglieder würde ein kurzfristiges Treffen vor dem nächsten regulären Treffen im Juni nicht unterstützen. "Mit dem Ende der Spekulationen um eine Reduzierung der Fördermenge dürfte die Volatilität wieder deutlich zunehmen", so Analyst Norbert Ruecker von Julius Bär.

Ein Barrel der Sorte WTI kostete zum Settlement 29,88 Dollar, ein Abschlag von 5,5 Prozent bzw. 1,74 Dollar. Für Brent wurden 32,72 Dollar aufgerufen, ein Minus von 4,4 Prozent bzw. 1,52 Dollar.

Asien: Nur Shanghai im grünen Bereich

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In Asien schert die Börse in Shanghai dank einer neuerlichen Liquiditätsspritze der chinesischen Notenbank aus der Phalanx der nachgebenden Aktienmärkte aus. Der Shanghai Composite legte um 2,3 Prozent zu auf knapp 2750 Punkte, während in Hongkong der Hang Seng um 0,8 Prozent auf 19.439 Zähler nachgab. Auch an den anderen Handelsplätzen ging es bergab.

In Tokio verliert der Nikkei 0,6 Prozent und schließt bei 17.751 Punkten, der breit gefasste Topix büßt 0,7 Prozent auf 1452 Zähler ein. Im australischen Sydney hat der Markt bereits geschlossen mit einem Minus von 1,0 Prozent. Händler berichten unter anderem von einer Atempausen, nachdem es an den beiden Vortagen an den meisten Börsen der Region deutlicher aufwärts gegangen war.

So stehen Ölwerte unter Druck. In Tokio verlieren beispielsweise Inpex über 5 Prozent und in Sydney Santos 4,3 Prozent.

Dagegen legten in Japan Mitsubishi UFJ um knapp 1 Prozent zu nach Vorlage der Quartalszahlen am Vortag nach Börsenschluss. Nippon Steel kamen von ihrem rund 10-prozentigen Plus am Vortag um 8 Prozent zurück. Das Unternehmen hatte den Einstieg beim kleineren Konkurrenten Nisshin mitgeteilt, was den deutlichen Kursanstieg ausgelöst hatte. Danach war bekanntgeworden, dass Nippon Steel an einer Kapitalerhöhung beim mit Problemen kämpfenden französischen Stahlrohrhersteller Vallourec teilnimmt. Nisshin Steel büßten rund 7 Prozent ein und damit in etwa die Hälfte der Vortagesgewinne.

Devisen: Euro über 1,09 Dollar

Wenig Bewegung gab es im Währungspaar Euro/Dollar. Die Gemeinschaftswährung stieg wieder über 1,09 Dollar und konnte sich im späten US-Handel mit gut 1,0920 Dollar oberhalb dieser Marke behaupten. Damit setzte sich aber nur die schon zwei Monate andauernde Pendelbewegung um dieses Niveau fort. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,0919 (Montag: 1,0884) Dollar festgesetzt.

"Die starken Kursverluste an den Aktienmärkten haben den Euro gestützt", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. "Die US-Notenbank Fed reagiert sensibel auf fallende Aktienkurse und sinkende Ölpreise." Die Erwartungen an weiter steigende Leitzinsen in den USA würden so gedämpft und der Dollar belastet.

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Quelle: n-tv.de

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