Wirtschaft
(Foto: dpa)

Schwacher Yen macht stark: Nikkei erklettert neues Rekordhoch

Die Hoffnung an Tokios Börse auf eine Verschiebung der Mehrwertsteuererhöhung und einen Machtwechsel hält an. Auch die Aussicht auf eine weiter ultralockere Geldpolitik stärkt die Kauflaune. Der Nikkei steigt auf den höchsten Stand seit sieben Jahren.

Wachsende Spekulationen über Neuwahlen und eine Verschiebung der Mehrwertsteuererhöhung in Japan haben der Tokioter Börse Auftrieb verliehen. Der Leitindex Nikkei stieg am Donnerstag auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Zugleich reagierten Anleger relativ gelassen auf enttäuschende Konjunkturdaten aus China. Das stützte viele asiatischen Märkte außerhalb Japans, der entsprechende Index tendierte kaum verändert.

In Tokio beendete der Leitindex Nikkei den Handel 1,1 Prozent fester bei 17.392 Punkten. Anlass waren Äußerungen eines einflussreichen Abgeordneten der Regierungspartei in einem Agenturbericht, wonach es nicht abwegig sei, sich darauf einzustellen, dass Ministerpräsident Shinzo Abe zu Neuwahlen tendiere. Seit Tagen wird darüber spekuliert, dass Abe vor einer Reihe unpopulärer Maßnahmen wie etwa eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer zunächst seine Macht festigen will.

Die Mehrwertsteuer wurde erst im Frühjahr angehoben, woraufhin die japanische Konjunktur einen Dämpfer erlitt. Die Spekulationen über eine mögliche Verschiebung der für Oktober 2015 geplanten Steuererhöhung gepaart mit Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik sorgten weiter für Kauflaune. Rückenwind kommt auch wieder vom Yen, der zum Dollar auf 115,72 nachgibt von Tageshochs am Vortag um 115,00 Yen.

Die Aktien des Telekommunikationskonzerns Softbank profitierten erneut von der Aussicht auf eine Verschiebung der Steuererhöhung und legten knapp 2,9 Prozent zu. Die Titel des Airbag-Herstellers Takata verteuerten sich um 3,3 Prozent. Das Unternehmen hatte zuvor Änderungen zu einem Airbag bekanntgegeben, der im Zentrum eines weltweiten Rückrufs von Millionen Fahrzeugen steht.

Japans Freud' ist Südkoreas Leid

Auch zum südkoreanischen Won hat der Yen nachgegeben, womit sich die Exportsitituation japanischer Unternehmen verbessert, die in Konkurrenz zu südkoreanischen Exporteuren stehen. Das wiederum bremst den Markt in Seoul, zumal sich die dortige Notenbank von der Yen-Schwäche wenig beeindruckt zeigt und die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen hat. Der Kospi gibt um 0,4 Prozent nach.

Der Notenbankchef des Landes äußerte sich zwar besorgt über den schwachen Yen, bezeichnete die Bedenken der Akteure an den Finanzmärkten aber als überzogen. Im August und Oktober hatte die Notenbank um jeweils einen Viertelpunkt gesenkt. Die Analysten von Nomura rechnen mit einem weiteren solchen Schritt im Dezember.

Chinesische Konjunkturdaten machen wenig Kauflaune

Neue Wirtschaftsdaten, wonach die Industrie-Produktion in China mit einem Plus von 7,7 Prozent im Oktober langsamer als erwartet stieg, nährten indes zwar Sorgen vor einer stärkeren Konjunkturabkühlung in der Volksrepublik. Zugleich aber schürten die Zahlen bei Anlegern die Erwartung, dass die kommunistische Führung in Peking Maßnahmen zur Stützung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ergreifen dürfte, sollte sie es für notwendig erachten gegenzusteuern.

In Hongkong stand das Indexschwergewicht Tencent Holdings im Fokus. Nach Vorlage schwächer als erwartet ausgefallener Geschäftszahlen des Internetunternehmens ging es mit dem Kurs um ein Prozent abwärts nach anfänglichen Einbußen von 3,5 Prozent. Tencent hat ein Nettogewinnwachstum von 46 Prozent gemeldet, verglichen mit einer Konsenserwartung von 57 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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