Wirtschaft
Ursache und Wirkung: In den Handelsräumen der Devisenexperten läuft die Rede von Japans Premier Shinzo Abe vor dem Finanzausschuss.
Ursache und Wirkung: In den Handelsräumen der Devisenexperten läuft die Rede von Japans Premier Shinzo Abe vor dem Finanzausschuss.(Foto: REUTERS)

Nukleartest lässt Anleger zittern: Nikkei schließt breit im Plus

Der asiatische Aktienhandel steht am Dienstag unter dem Eindruck zweier verschiedener Einflussfaktoren: Der Yen gibt nach und sorgt im Tokioter Exportsektor für Auftrieb. In Seoul müssen sich Anleger nach einem nordkoreanischen Bombentest kurz neu sortieren.

Der neuerliche Kernwaffentest in Nordkorea hat die Börsen in Fernost kaum beeindruckt. In der Nacht zu Dienstag meldete die staatlich-nordkoreanische Agentur KCNA, ein miniaturisierter Sprengsatz mit großer Stärke sei gezündet worden. Dies sorgte zwar kurzzeitig für Verunsicherung, konnte dem allgemeinen Aufwärtstrend jedoch nichts anhaben. "Der Test war nichts, was dein Herz so zum Rasen bringt wie beispielsweise die besorgniserregende Situation zwischen dem Iran und Israel", sagte Analyst Kaname Gokon vom Broker Okato Shoji.

Beflügelt von einem schwächeren Yen verzeichnete die Börse in Tokio kräftige Kursgewinne: Nach dem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende legte der Nikkei für 225 führende Werte 215,96 Punkten oder 1,94 Prozent zu und ging bei einem Stand von 11.369,12 Punkten auf dem höchsten Stand seit 33 Monaten aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix verbesserte sich um 11,15 Punkte oder 1,16 Prozent auf den Stand von 968,50 Zählern.

Zur allgemeinen Erleichterung beim Yen trugen nach Ansicht von Beobachtern vor allem Äußerungen aus dem US-Außenministerium bei. Staatssekretärin Lael Brainard sagte Japan Unterstützung beim Kampf gegen die Deflation zu. Daraufhin gab der Yen deutlich nach und fiel zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit Mai 2010. Marktanalyst Takuya Takahashi sagte: "Ihre (Brainards) Aussagen haben dem Markt Vertrauen gegeben. Es war überraschend und hat die Zustimmung der Obama-Regierung zur Politik von Ministerpräsident Shinzo Abe signalisiert."

Während die Börsen in Schanghai und Hongkong wegen der Neujahrsfeierlichkeiten auch am Dienstag noch geschlossen bleiben, tendierte die australische Börse in Sydney kaum verändert. In Seoul gab der Leitindex Kospi nach einem zunächst weitgehend stabilen Handel 0,3 Prozent nach.

Im Handelsverlauf hatte es geheißen, im Nordosten Nordkoreas seien Erdstöße registriert worden, die auf einen unterirdischen Atombombentest hinwiesen, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul erklärte. Das "künstliche" Beben in Nordkorea sei um etwa 12.00 Uhr Ortszeit (4.00 MEZ) aufgetreten und habe wahrscheinlich eine Stärke von 4,9 gehabt, hieß es. Südkorea und Japan beriefen jeweils ihren nationalen Sicherheitsrat ein. Das Regime in Pjöngjang bestätigte schließlich die "erfolgreiche" Durchführung eines Kernwaffentests.

Es war bereits das dritte Mal, dass das Nachbarland Nordkorea einen Atomtest ausführte. Bisher haben sich die verstärkten geopolitischen Risiken kaum auf den Aktienmarkt in Südkorea ausgewirkt. Deutliche Verluste sind nach Ansicht von Lee Kyoung-min von Woori Investment & Securities nach den Vorfällen nicht zu erwarten. Vergangene Atomtests hätten auf den Markt auch kaum Einfluss gehabt, meinte er. Die Märkte in Singapur, Hongkong, Shanghai, Malaysia und Taiwan blieben wegen des Neujahrsfestes geschlossen.

Im japanischen Aktienhandel beherrschten dagegen die Bewegungen am Devisenmarkt das Geschehen: Der aussichtsreiche Kandidat für den Vorsitz der japanischen Notenbank, Haruhiko Kuroda, zeigte sich ebenfalls für eine weitere Lockerung der Geldpolitik offen. Der Dollar übersprang daraufhin zeitweise die Grenze von 94 Yen und notierte bei bis zu 94,18 Yen, dem höchsten Stand seit Mai 2010. Am späten Vorabend kostete er zeitweise sogar 94,35 Yen. Auch gegenüber dem Euro verlor die japanische Währung deutlich an Wert. Der Euro notierte bei 126,03 Yen nachdem er am späten Montag sogar 126,54 Yen gekostet hatte und am Freitag mit 123,89 aus dem Handel gegangen war.

Zusätzlich profitiert der Handel in Tokio von Aussagen des japanischen Wirtschaftsministers Akira Amari, die Regierung wolle Maßnahmen ergreifen, um den heimischen Aktienmarkt bis Ende März auf 13.000 Punkte zu treiben.

Besonders gefragt waren die Aktien exportorientierter Unternehmen und die Finanzwerte. Toyota stiegen um 0,5 Prozent. Anteilsscheine von Sony legten um 1,2 Prozent zu. Mizuho Financial gewannen 4,8 Prozent, die Papiere von Mitsubishi UFJ verteuerten sich um 2,3 Prozent.

Nissan gaben dagegen um 3,8 Prozent nach. Der Autobauer ließ bei der Vorstellung der Quartalszahlen seinen Gewinnausblick für das Gesamtjahr unverändert und enttäuschte damit Investoren.

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Quelle: n-tv.de

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