Wirtschaft
Steht für den Kurs der Bank of Japan: Masaaki Shirakawa nimmt seinen Hut.
Steht für den Kurs der Bank of Japan: Masaaki Shirakawa nimmt seinen Hut.(Foto: REUTERS)

Shirakawa verlässt die Notenbank: Nikkei sorgt sich um den Yen

Am letzten Handelstag der Woche müssen Anleger in Asien noch die schwachen Konjunkturdaten aus Japan und der Eurozone verdauen: Gerüchte um einen konservativen Nachfolger für Notenbank-Chef Shirakawa bringen die Kurse im Exportsektor ins Rutschen.

Der Rezessionsdruck in Europa hat die Stimmung an den asiatischen Aktienbörsen auch vor dem Wochenende belastet. Investoren hielten sich beim Kauf von Exportwerten zurück. Die Aussicht auf einen konservativen neuen Chef der japanischen Notenbank trübte die Atmosphäre im japanischen Aktienhandel zusätzlich ein.

Börsianer sprachen von einem zurückhaltenden Marktgeschehen, weil viele Anleger bereits das anstehende Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchefs im Blick hatten. Die Investoren sind demnach besonders gespannt auf die Fortsetzung der Diskussion über die globale Währungspolitik.

Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsende mit einem deutlichen Abschlag von 133,45 Punkten oder 1,18 Prozent tiefer und ging auf einem Schlussstand von 11.173,83 Punkten aus dem Handel. Der breit gefasste Topix fiel um 12,47 Punkte oder 1,31 Prozent auf den Stand von 942,41 Zählern.

Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik (ohne Japan) notierte nahezu unverändert auf dem Stand des Vortages. Die US-Börsen waren am Vortag wenig verändert aus dem Handel gegangen.

Von Währungskrieg war zuletzt gehäuft die Rede, hieß es aus Japan. Vor möglichen kritischen Statements von Politikern oder Notenbankern zum schwachen Yen seien Anleger auf Nummer sicher gegangen und hätten Yen gegen Dollar und Euro gekauft. "Japan sorgt schon wieder für Aufsehen, vor dem G20-Treffen positionieren sich die Akteure im Yen", sagt Stan Shamu von IG Markets. Viele Marktteilnehmer erhofften sich von dem G20-Treffen mehr Klarheit zur Frage des schwachen Yen.

Der Euro geriet unter Druck, die Gemeinschaftswährung kostete 1,3350 Dollar und notierte damit deutlich unter dem 13-Monats-Hoch, das er Anfang Februar erreicht hatte. Der Yen bewegte sich allerdings kaum.

Dazu kam die Debatte um den künftigen Kurs der japanischen Geldpolitik: Kreisen zufolge ist Toshiro Muto, ehemaliger Beamter im Finanzministerium, Spitzenkandidat für die Nachfolge von Masaaki Shirakawa an der Spitze der japanischen Notenbank. Er gilt als konservativer Reformer und dürfte deswegen wohl sich bei einer radikalen Lockerung der Geldpolitik zurückhalten, wie sie bislang noch von vielen Investoren am Markt erwartet wird.

Muto dürfte auf den traditionellen Pfaden der Geldpolitik bleiben, sagte Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. "Investoren gehen davon aus, dass es schwierig werden dürfte, das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen, ohne dass der Geldhahn drastisch aufgedreht wird. Wir können uns nicht vorstellen, dass Muto etwa ausländische Devisenbestände aufkauft, was die Talfahrt des Yen beschleunigen könnte."

Die Debatte verdüsterte nach Ansicht von Beobachtern die Perspektiven für japanische Exportwerte: Die Aktien von Toyota gaben 1,9 Prozent nach, Honda verloren 1,6 Prozent, Mitsubishi-Titel gaben 0,9 Prozent nach.

Auch Bankaktien standen auf der Verkaufsliste: Die Papiere von Mizuho Financial verloren 5,8 Prozent, die Aktien von Mitsubishi UFJ 2,9 Prozent.

Die Papiere des Stahlproduzenten Nippon Steel & Sumitomo Metal büßten 3,5 Prozent ein. Der Branchenriese hatte am Donnerstag nach Börsenschluss Geschäftszahlen für 2012 veröffentlicht, die die Erwartungen verfehlte hatten. Auch die Kurse von Wettbewerbern wie Kobe Steel oder Sumitomo Metal Mining gerieten daraufhin unter Druck.

Nicht so gut wie erwartet dürften laut einem Zeitungsbericht künftig die Geschäfte des japanischen Bierbrauers Kirin laufen. Hohe Ausgaben für Werbung werden laut einem Bericht der Finanzzeitung "Nikkei" den Gewinn in diesem Jahr um fünf Prozent schmälern. Die Aktie verlor daraufhin sechs Prozent.

In Sydney rutschten die Aktien des Bergwerksbetreibers Rio Tinto knapp drei Prozent ab. Der Konzern hatte am Donnerstag nachbörslich erstmals seit 18 Jahren wegen hoher Abschreibungen einen Verlust melden müssen. Am Morgen veröffentlicht in London mit Anglo American ein weiterer Bergwerksgigant Ergebnisse für das vergangene Jahr. Hier rechnen Analysten trotz ebenfalls hoher Wertberichtigungen mit einem operativen Gewinn von sechs Milliarden Dollar und einer höheren Dividende.

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Quelle: n-tv.de

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