Wirtschaft
In den heiligen Hallen des japanischen Aktienmarktes: Nach der Eröffnungszeremonie des Börsenbetreibers erreichte der Nikkei ein 22-Monatshoch.
In den heiligen Hallen des japanischen Aktienmarktes: Nach der Eröffnungszeremonie des Börsenbetreibers erreichte der Nikkei ein 22-Monatshoch.(Foto: REUTERS)

Kursfeuerwerk in Tokio: Nikkei springt ins neue Jahr

Der japanische Aktienmarkt startet verspätet, dafür aber mit einem satten Plus ins neue Jahr: Nach zwei Feiertagen reagieren nun auch die Anleger in Tokio erleichtert auf das vorläufige Ende des US-Haushaltsstreits. Die Fed-Signale wirken zunächst nur im Hintergrund.

Feierlicher Jahresauftakt: Zum Start ins neue Börsenjahr erscheinen Angestellte der Tokioter Börse in traditionellen Gewändern zur Arbeit.
Feierlicher Jahresauftakt: Zum Start ins neue Börsenjahr erscheinen Angestellte der Tokioter Börse in traditionellen Gewändern zur Arbeit.(Foto: REUTERS)

Die Börse in Tokio startet mit satten Kursgewinnen ins neue Jahr: Am ersten Handelstag 2013 legte der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 292,93 Punkte oder 2,82 Prozent auf 10.688,11 Zähler zu und erreichte damit den höchsten Stand seit 22 Monaten. Der breit gefasste Topix stieg um 28,71 Punkte oder 3,34 Prozent auf 888,51 Zähler.

Japans Börsen waren von Montag bis Donnerstag wegen einer Reihe von Feiertagen zum Jahreswechsel geschlossen. Der Freitag war damit der erste Handelstag im neuen Jahr. Die positiven Reaktionen auf den US-Etatkompromiss konnten die Investoren daher erst mit Verspätung nachvollziehen. Die übrigen asiatischen Märkte hatten bereits an den beiden Vortagen positiv auf den Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern in den USA reagiert.

Stützend wirkte ein im Vergleich zu wichtigen anderen Währungen schwächerer Yen, der japanische Exporte verbilligt. Der Dollar wurde um 15.00 Uhr (Ortszeit Tokio) mit 87,74-76 Yen gehandelt nach 86,30-31 Yen am späten 28. Dezember, dem letzten Handelstag vor dem Jahreswechsel. Der Euro notierte zum Yen mit 114,44-46 Yen, vor einer Woche waren es 114,36-38 Yen. Zum Dollar lag er bei 1,3042-3043 Dollar nach 1,3249-3253 Dollar.

Die Geschäfte an der Börse liefen auf Hochtouren, registriert wurden mehr als 3,4 Milliarden Transaktionen. Der Haushaltskompromiss in den USA hatte bereits am Mittwoch weltweit die Börsenkurse in die Höhe getrieben. Das US-Repräsentantenhaus hatte damit die Risiken der sogenannten Fiskalklippe nach Meinung vieler Beobachter zumindest hinausgezögert: Formal waren zum 1. Januar 2013 automatische Steuererhöhungen für fast alles US-Bürger und massive Kürzungen bei den staatlichen Ausgaben in Kraft getreten. Wäre der Kompromiss nicht geglückt, hätte der Sturz von der "Fiskalklippe" Rezessionsgefahren für die USA bedeutet, die sich auch auf die Weltkonjunktur hätten auswirken können.

Neben der lang erwarteten Fiskaleinigung beflügelt vor allem der schwache Yen die Kurse. Er fiel im Handelsverlauf im Vergleich zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit Juli 2010. Davon profitieren insbesondere die Exportwerte. Angeführt wird die Liste der Gewinner von den Automobilwerten, die zudem von günstigen Absatzzahlen im Dezember in den USA profitieren. Toyota-Aktien verteuerten sich um 4,9 Prozent. Honda stiegen 3,7 Prozent. Bei den Autobauern spiegelte sich auch die positive Entwicklung der Absatzzahlen in den USA in den Kurssprüngen wieder.

Aber auch andere Exporteure wie etwa Nikon, Canon oder der Industrieroboterhersteller Fanuc gehörten zu den Profiteuren der schwachen Heimatwährung.

Tüchtig erholt und gut gelaunt: Nach den Feiertagen zum Jahreswechsel strömen die Anleger zurück an die Börse.
Tüchtig erholt und gut gelaunt: Nach den Feiertagen zum Jahreswechsel strömen die Anleger zurück an die Börse.(Foto: REUTERS)

An den asiatischen Märkte außerhalb Japans herrschte vor dem Wochenende Ernüchterung angesichts schwacher US-Vorgaben vor: Die Aussichten auf ein möglicherweise bald bevorstehendes Ende der lockeren Geldmarktpolitik in den USA löste tiefgehende Verunsicherung aus.

Blick nach China

Anders als der Nikkei startete die Börse in Shanghai ebenfalls nach einer feiertagsbedingten Pause mit einem leichten Minus in das neue Jahr. Dort bremsen insbesondere die jüngsten Konjunkturdaten. Der offizielle Einkaufsmanagerindex war im Dezember auf 51,7 Punkte nach 52,1 Punkten im November gefallen und damit den dritten Monat in Folge. Gleichwohl bewegt er sich damit immer noch im expansiven Bereich über 50. Zudem hatte der Leitindex bereits im Vormonat eine Rally hingelegt und hatte um 16,4 Prozent zugelegt. Die Indizes in Südkorea, Australien und Singapur, die bereits an den beiden Vortagen von dem US-Fiskalkompromiss profitiert hatten, wiesen leichte Verluste auf.

In Japan wird unterdessen mit Spannung erwartet, wer neuer Chef der Bank of Japan (BoJ) wird. Die Amtszeit des derzeitigen Chefs läuft im April ab. Die neue konservative Regierung unter Shinzo Abe drängt die Zentralbank, die Geldpolitik weiter zu lockern und damit den Yen zu schwächen, dessen Stärke seit Jahren die Exporte japanischer Unternehmen erschwert. Seit dem Wahlsieg der Konservativen Mitte Dezember ist der Kurs des Yen bereits gesunken.

Job-Daten wirken auf den Yen

Nach Ansicht eines Devisenexperten dürfte der US-Dollar weiterhin seinen Aufwärtstrend zum Yen fortsetzen, sollten die US-Arbeitslosenzahlen für Dezember einen Zuwachs um 150.000 Stellen im nicht-landwirtschaftlichen Sektor aufweisen und die Arbeitslosenrate bei 7,7 Prozent liegen.

Technisch deute der Aufwärtstrend auf eine Bewegung des Dollars auf 94 Yen hin, meinte Masafumi Yamamoto, Devisenstratege der Barclays Bank in Tokio. Allerdings gebe es kurzfristig auch ein Abwärtsrisiko auf 76 Yen, da der Aufwärtstrend einseitig auf die Erwartung einer aggressiven Geld- und Fiskalpolitik des japanischen Premierministers sowie Optimismus bezüglich der US-Fiskalklippe basiere.

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Quelle: n-tv.de

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