Wirtschaft
Gestrichen wird vor allem im Ausland: Panasonic baut Stellen ab.
Gestrichen wird vor allem im Ausland: Panasonic baut Stellen ab.(Foto: REUTERS)

Lebhafte Kursgewinne in Tokio: Nikkei zieht kräftig an

Unter dem Eindruck anhaltender Konjunktursorgen und hintergründig wirkender Wechselkurseffekte bewegen sich die Aktienmärkte in Fernost in verschiedene Richtungen: In Seoul, Shanghai, Hongkong und Sydney weisen die Trendpfeile klar nach unten. In Tokio strömt das Geld der Anleger dagegen in die Exportwerte.

Legt ein neues Konjunkturpaket für die nachfolgende Regierung auf: Yoshihiko Noda.
Legt ein neues Konjunkturpaket für die nachfolgende Regierung auf: Yoshihiko Noda.(Foto: REUTERS)

Die asiatischen Börsen zeigen sich am Donnerstag überwiegend im Minus. In Australien markiert der Leitindex ein Siebenwochentief. Dank einer leichten Yen-Abschwächung scherten die Börsen in Tokio aus.

Der Nikkei-Index mit seinen 225 Einzelwerten aus der japanischen Unternehmenslandschaft kletterte um satte 164,99 Punkte oder 1,90 Prozent auf den Schlussstand von 8829,72 Punkten. Der breit gefasste Topix verbesserte sich ebenfalls deutlich um 15,10 Punkte oder 2,09 Prozent auf 737,51 Zähler. An der japanischen Börse zeichnet sich damit eine Trendwende ab: Mit Blick auf den Nikkei sprachen Beobachter vom ersten Anstieg seit acht schwachen Handelstagen. Insbesondere exportorientierte Papiere wie die von Toyota, Honda und Komatsu profitierten vom schwächeren Yen.

Mazda Motors ziehen um 4,7 Prozent an. Der Bauausrüster Komatsu gewinnt um 4,4 Prozent. Sony verlieren massiv, nachdem das Unternehmen angekündigt hat, eine Wandelanleihe von 150 Mrd. Yen ausgeben zu wollen. Ziel ist es, Kapital für strategische Investitionen und den Schuldenabbau aufzunehmen. Die Aktie bricht um 10 Prozent ein.

Der angeschlagene japanische Elektronikriese Panasonic rückte durch Spekulationen um erweiterte Sparmaßnahmen ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Einem Medienbericht plant Panasonic den Abbau von 10.000 weiteren Arbeitsplätzen. Die meisten der betroffenen Stellen sollen bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres (31. März 2013) im Ausland wegfallen, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press unter Berufung auf informierte Kreise meldete.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Elektronikkonzern die Anzahl seiner Stellen bereits um rund 36.000 zurückgefahren. Ende September beschäftigte Panasonic noch rund 322.000 Mitarbeiter. Der Konzern erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust von 765 Mrd. Yen (7,5 Mrd. Euro). Panasonic-Aktien zogen um 1,8 Prozent an.

Neuwahlen in Japan

Die konjunkturelle Lage der japanischen Wirtschaft bereitet unterdessen nicht nur Ökonomen und Anlegern große Sorgen: Die Regierung in Tokio will sich noch in diesem Monat mit einem weiteren Konjunkturpaket gegen die drohende Rezession stemmen. Darauf habe sich Ministerpräsident Yoshihiko Noda mit seinem Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Seiji Maehara, verständigt, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Wie die Konjunkturspritze finanziert werden soll, sei jedoch unklar. Ein Nachtragsetat für das bis 31. März 2013 laufende Steuerjahr sei geplant, hieß es. Doch dieser wird wohl Aufgabe der nächsten Regierung sein. Denn Noda will noch an diesem Freitag das Unterhaus des Parlaments vorzeitig auflösen und am 16. Dezember neu wählen lassen.

Der S&P/ASX-200 in Australien notiert 0,9 Prozent niedriger bei 4348 Punkten. Zuvor war er auf ein Siebenwochentief gefallen. Qantas Airways steigen um 4 Prozent. Händler verweisen auf den positiven Ergebnisausblick, die Ankündigung eines Sparprogramms sowie eines Aktienrückkaufprogramms. James Hardie Industries reduzieren sich um 2,2 Prozent aufgrund enttäuschender Zahlen.

In Südkorea verliert der Kospi 1,2 Prozent. Das Thema Fiskalklippe in den USA belaste weiterhin die Stimmung am Markt, hieß es mit Blick auf die Grundstimmung an den asiatischen Aktienmärkten. US-Präsident Barack Obama warnte zuletzt davor, dass Steuererhöhungen und Haushaltskürzungen die US-Wirtschaft in die Rezession stützen könnte, sollte keine Lösung im Haushaltsstreit gefunden werden.

Schlechte Nachrichten kamen auch aus Europa: Die Industrieproduktion in Europa ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren gesunken. Zudem verschärfen sich die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Israel hat bei Luftangriffen auf palästinensische Gebiete den Militärführer der radikal-islamischen Hamas getötet. Damit steht eine Eskalation der Kämpfe in einer ohnehin äußerst labilen Region zu befürchten.

Wohin steuert China?

Die Märkte blicken unterdessen nach Peking, wo die neue chinesische Führung vorgestellt wird. Wie erwartet übernimmt der chinesische Vize-Präsident Xi Jinping die Führung der Kommunistischen Partei. "Das Positive an dem Führungswechsel ist, dass damit die Unsicherheit in China zumindest teilweise verringert wurde", sagt David Chang von Franklin Templeton Investments in Hongkong. Da der Parteikongress in China wie erwartet verläuft, hält sich sein Einfluss auf die Börse in Grenzen. Der Shanghai Composite notiert 0,3 Prozent niedriger. Der Hang Seng in Hongkong verliert im Gleichklang mit den anderen Börsen in der Region 0,9 Prozent.

Die Aktien des chinesischen Internetunternehmens Tencent Holdings verlieren in Hongkong 4,9 Prozent, nachdem es unter den Erwartungen liegende Drittquartalszahlen vorgelegt hat. Die Papiere des Modekonzerns Esprit Holdings schnellen dagegen um 20 Prozent in die Höhe. Der ehemalige Chef Michael Ying hat seine Beteiligung an dem Unternehmen erhöht und damit Spekulationen befeuert, dass er an die Spitze des Unternehmens zurückkehren könnte.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen