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Wall-Street-Rally unterbrochen: Ölpreis-Schwenk schrumpft Dax-Plus ein

Der Dax bessert seine Wochenbilanz weiter auf und schließt den dritten Handelstag in dieser Woche fester. Er lässt sich dabei allerdings einige Dynamik zum Handelsende nehmen. Etwas aus der Puste präsentierte sich der US-Handel. Doch Anleger sind noch entspannt.

Der deutsche Aktienmarkt hat am vierten Handelstag der Woche zum dritten Mal fester geschlossen. N-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf machte einen Grund dafür aus: "Die Angst etwas zu verpassen, treibt die Anleger in den Aktienmarkt." Allerdings sorgte ein kippender Ölpreis im späten Handel dafür, dass das Plus bei Dax und Co. deutlich geringer ausfiel. Diese Entwicklung ging dann auch an der Allstreet nicht spurlos vorbei. Zwar schloss die Werte nach dreitägiger Rally im Minus. Doch Händler bleiben zuversichtlich.

Der Dax schloss bei 9464 Zählern mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent. Der MDax verabschiedete sich ebenfalls 0,9 Prozent fester bei 19.124 Punkten aus dem Handel. Das deutlichste Plus fuhr der TecDax mit 2,0 Prozent ein. Schlussstand:1619 Zähler.

Nach dem Kurseinbruch seit Jahresbeginn und angesichts hoher Liquiditätsbestände der Investoren dürften Aktien auf dem deutlich niedrigeren Kursniveau weiter eingesammelt werden, wie es am Markt hieß. Angesichts der Erholung an den Börsen in den vergangenen Tagen könne es dabei zwar immer wieder zu kleineren Gewinnmitnahmen kommen.

Chris Weston von IG Markets ist sich aber sicher, dass auch immer mehr Anleger auf den Zug aufspringen könnten: "Für viele Anleger ist Geld verlieren nur unwesentlich schlimmer als eine Gelegenheit zu verpassen." Die Sorge, nicht dabei zu sein wenn die Kurse steigen, sei gegenwärtig groß, so der Stratege.

Rohstoffe: Doch keine Trendwende?

Der Ölpreis konnte zunächst weiter zulegen. Erst am Abend war die Luft raus, als ein deutliches Plus bei den US-Rohöllagerbeständen vermeldet wurde. Das ließ vor allem den WTI-Preis zurückkommen. Der lag bei 30,71 Dollar aber noch leicht im Plus. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete dagegen mit 34,40 Dollar 0,3 Prozent weniger.

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Im Verlauf einer Woche hatten der Brent- und der WTI-Preis um jeweils mehr als fünf Dollar angezogen. Ein Grund sind Bemühungen führender Förderländer, das hohe Angebot an Rohöl auf dem Weltmarkt einzudämmen. Zuletzt hatte auch der Iran, für den jahrelange Handelssanktionen aufgehoben worden waren, eine russisch-saudische Initiative zur Begrenzung der Förderung begrüßt. Saudi-Arabien und Russland sind die größten Ölmächte der Welt. Beide Länder stehen für etwa ein Fünftel der Gesamtförderung. Allein der Versuch einer Begrenzung der Fördermenge hatte die rasante Talfahrt der Ölpreise damit vorerst gestoppt. Nach Experten-Einschätzung ist es aber zu früh, um von einer Trendwende zu sprechen.

Dax: Deutsche Börse überzeugt

Bei den Einzelwerten schauten Anleger etwa auf Lufthansa. Deren Anteilsscheine zogen mehr als 3 Prozent an. Einen Grund dafür sahen Händler in den Zahlen des Hauptkonkurrenten Air France-KLM. Die französische Airline war das erste Mal seit 2010 wieder in die Gewinnzone geflogen. "Allerdings geht ein Großteil davon auf die günstigen Kerosinkosten zurück, das Problem mit Einsparungen beim Personal und damit verbundenen Streikdrohungen ist nicht vom Tisch", sagte ein Händler.

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Deutsche Börse legten rund 2 Prozent zu. Der Börsenbetreiber hatte 2015 Marktteilnehmern zufolge in etwa so abgeschnitten wie erwartet und auch die Ziele für 2016 deckten sich mit den Prognosen von Analysten. Die Dividende erhöhte Deutsche Börse auf 2,25 Euro je Aktie etwas stärker als erwartet.

Versorger gefragt

Anleger griffen auch bei den zur Wochenmitte böse unter die Räder gekommenen Versorgern wieder zu. Eon und RWE verteuerten sich 1,6 und 2,6 Prozent.

Fresenius Medical Care schlossen rund 0,4 Prozent im Plus. Der Dialyse-Dienstleister will einen Rechtsstreit um Produkthaftung mit Klägern in den USA außergerichtlich beilegen. Sollte der Großteil der Kläger zustimmen, will FMC diesen 250 Millionen Dollar auszahlen, wobei ein Großteil davon von Versicherungen übernommen wird. Die ebenfalls vorgelegten Umsatzzahlen für 2015 bezeichneten Händler als "sehr ordentlich". Fresenius gewannen etwa 2 Prozent.

Am Nachmittag kamen dann die Bank-Aktien europaweit unter Druck. "Einen direkten Grund für den Trendwechsel sehe ich nicht", so ein Aktienhändler. Der Sektor sei zuletzt gut gelaufen. Der Freitag berge mit dem kleinen Verfalltermin an den Börsen einige Risiken, ergänzte er. Deutsche Bank schlossen rund rund 4 Prozent schwächer. Coba verloren etwa 1 Prozent.

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Sehr positiv für Takkt werteten Händler die neue Dividendenpolitik. Denn neben einer Erhöhung der Dividende auf 0,50 Euro nach 0,32 Euro zuvor soll auch die Ausschüttungsquote auf 35 bis 45 Prozent erhöht werden nach zuvor 30 Prozent. Die aktuelle Erhöhung entspricht rund 40 Prozent des Ergebnisses. "Das liegt deutlich über den Markterwartungen von 0,37 Euro", sagte ein Händler. Die Aktien sprangen 6,5 Prozent an.

USA: Aufwärtsdynamik lässt nach

An der Wall Street sprachen Händler von einer lediglich moderate Marktschwäche nach dem Höhenflug der Vortage. Der Dow-Jones-Index verlor 0,2 Prozent auf 16.413 Punkte, S&P-500 und Nasdaq Composite büßten 0,5 und 1,0 Prozent ein. In jüngster Zeit hatten die Kurse eine beeindruckende Erholung vollzogen. Seit seinem Jahrestief am 20. Januar gewann der Dow 6,5 Prozent.

Im Bankensektor wurden Gewinne eingestrichen - und verlor 1,7 Prozent. Goldman Sachs und JP Morgan büßten 2,1 und 1,6 Prozent ein. Wal-Mart fielen als Schlusslicht im Dow um 3,0 Prozent. Die US-Umsätze des Einzelhändlers blieben im vierten Quartal hinten den Erwartungen zurück. Außerdem senkte der Konzern die Umsatzprognose für das laufende Jahr. Apple fielen um 1,9 Prozent. Daten des Analysehauses Gartner zeigten, dass die iPhone-Verkäufe im vierten Quartal erstmals gesunken waren. Auch der Marktanteil ging zurück, während er auf Jahresbasis zugelegt hatte.

Der IT-Dienstleister IBM stärkte seine Watson Health genannte Plattform für Datenverarbeitung im Gesundheitswesen mit einem großen Zukauf. Morgan Stanley stufte die zuletzt arg gebeutelten Titel in der Folge auf "Overweight" hoch. Die Analysten vertraten die Auffassung, dass die Transformation von "Big Blue" hin zu einem mehr analytischen und cloudbasierten Geschäft nicht entsprechend eingepreist sei. Der Wert legte als Dow-Spitzenreiter um 5,1 Prozent zu.

Nvidia sprangen um 8,6 Prozent nach oben, nachdem der Grafikchiphersteller im vierten Quartal sein eigenes Umsatzziel übertroffen hatte. Auch die Umsatzprognose für das laufende erste Quartal lag über dem Analystenkonsens. Für Marathon Oil ging es 6,5 Prozent abwärts. Das Unternehmen hat als Folge des Ölpreisverfalls den ersten Verlust seit 20 Jahren eingefahren. Yahoo gewannen 0,2 Prozent. Der Internetkonzern will sieben Digitalmagazine einstellen.

Devisen: Euro um 1,11

Am Devisenmarkt schwächelte der Euro gegen den Dollar. Die Gemeinschaftswährung fiel erstmals seit dem 8. Februar unter die Marke von 1,11. Im späten US-Geschäft wurde der Euro mit 1,1094 Dollar bezahlt. Laut Protokoll ihrer jüngsten Sitzung war die Europäische Zentralbank (EZB) wegen des niedrigen Inflationsdrucks besorgt. Dies wurde am Markt als Türöffner für weitere geldpolitische Lockerungen interpretiert. Der Goldpreis profitierte von den mauen US-Daten und der Aussicht auf eine weiterhin lockere Geldpolitik und legte zum Vorabend um 2,3 Prozent auf 1237 Dollar zu. Die gleichen Argumente sprachen auch für die vermeintliche Sicherheit der US-Staatsanleihen.

Belastet wurde der Eurokurs durch die anhaltende Erholung der Aktienmärkte. Die Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen, zu denen der Euro zuletzt verstärkt gezählt wurde, nahm deshalb ab. Ein pessimistischer Wachstumsausblick der OECD konnte die allgemeine Marktstimmung kaum trüben. Die Organisation hatte ihre Prognosen für das weltweite Wachstum reduziert und vor erheblichen Risiken für die Finanzstabilität gewarnt.

Konjunkturdaten aus den USA zeigten, dass sich die schwächelnde Industrie ein Stück weit zu erholen scheint und der Arbeitsmarkt robust bleibt. Die Zinserwartungen an die US-Notenbank stiegen daraufhin etwas an. Verglichen mit den vier Zinsanhebungen, die die Fed Ende 2015 für dieses Jahr in Aussicht gestellt hatte, sind die Finanzmärkte aber wesentlich vorsichtiger. An den Märkten wird allenfalls eine weitere Zinsanhebung im laufenden Jahr erwartet. Hauptgrund für die Zurückhaltung sind die bis vor wenigen Tagen aufgetretenen Börsenturbulenzen.

Asien: Shanghai dreht noch ins Minus

Vor allem dank der guten US-Vorgaben ging es am Donnerstag auch an den ostasiatischen Aktienmärkten deutlich nach oben. Zweifel an der Stabilität des weltweiten Finanzsystems legten sich etwas. Gleichzeitig linderte die fortgesetzte Erholung der Ölpreise die Konjunkturskepsis unter den Anlegern.

Während der Tokioter Nikkei um 2,7 Prozent auf 16.265 Punkte stieg und der S&P/ASX-200 in Sydney um 2,3 Prozent vorrückte, fiel der Shanghai Composite am Ende noch 0,2 Prozent auf 2863 Stellen. Die chinesischen Inflationsdaten für Januar waren "nur" im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Bei den seit fast vier Jahren deflationären Erzeugerpreisen hatte sich der Rückgang im vergangenen Monat verlangsamt.

Auch in Japan mussten Konjunkturdaten verarbeitet werden. Das japanische Handelsbilanzdefizit war im Januar geringer als erwartet. Doch brachen die Exporte noch stärker ein, als Volkswirte prognostiziert hatten. Besonders die Ausfuhren nach China und in andere asiatische Länder gingen drastisch zurück.

Quelle: n-tv.de

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