Trotz voller Lager in den USAÖlpreis legt leicht zu

Technische Fakktoren lassen die Ölpreise wieder steigen. Das Überangebot drosselt den Anstieg jedoch. Die Lagerbestände in den USA liegen in der Nähe von Rekordständen. Gleichzeitig ist die weltweite Nachfrage konjunkturbedingt verhalten.
Die Ölpreise haben wieder Boden gutgemacht. Händler sprachen von technischen Faktoren, nachdem die Anleger am Vortag aufgrund höherer Risikoaversion ihre Rohstoffbestände verringert hatten. Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 103,37 Dollar 0,4 Prozent mehr als am Vorabend. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich dagegen nur leicht um 0,1 Prozent auf 95,51 Dollar.
Der US-Preis werde von den recht hohen Lagerbeständen in den USA gebremst, hieß es. So sind in der vergangenen Woche in den USA die Rohölbestände nach Schätzungen des Branchenverbandes API überraschend stark gestiegen. Für Mittwochnachmittag wurden die amtlichen Statistiken erwartet.
Da normalerweise im Mai in den USA die Reisezeit beginnt, sollten die Bestände eigentlich fallen. "Die Lager sind schon ziemlich voll - für diese Jahreszeit", kommentierte ein Börsianer. Offenbar verschöben sich die Nachfragezentren für Öl immer mehr aus den USA und Europa in andere Gebiete. Dies zeige auch der Bericht der US-Energiebehörde (EIA), demzufolge erstmals überhaupt im April die Nachfrage nach Öl aus den OECD-Ländern hinter der aus dem Rest der Welt - darunter vor allem China - zurückblieb. Seit Montag hatten die Preise um etwa zwei Dollar nachgegeben.
Auch der Kupferpreis zog wieder leicht an. Eine Tonne verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 7113,75 Dollar. Gold notierte kaum verändert bei 1376,94 Dollar je Feinunze.
Gute Ernteaussichten drücken Weizenpreis
Die guten Ernteaussichten für Australien drückten unterdessen die Preise für europäischen und amerikanischen Weizen. In Paris fiel der Preis für eine Tonne Weizen zur Lieferung im November um bis zu 1,4 Prozent auf 199 Euro und damit auf ein Ein-Jahres-Tief. Auch US-Weizen kostete gut ein Prozent weniger. Auslöser der Verkäufe waren die um zwei Prozent erhöhten Ernteschätzungen der australischen Agrarbehörde ABARES. Danach werden im Landwirtschaftsjahr 2013/14 25.399 Mio. Tonnen Weizen produziert werden. Im März war ABARES noch von einer Ernte von 24,9 Mio. Tonnen ausgegangen. Zum Vorjahr wäre das sogar ein Plus von 15 Prozent.
Analysten erwarten, dass angesichts eines so hohen Angebots der Preisdruck zunehmen wird. Australien ist weltweit der zweitgrößte Weizen-Exporteur. Die Ernte des Wirtschaftsjahres 2012/14 wäre die viertbeste Australiens. "Sollte der EU-Weizen-Future unter 199,50 Euro schließen, wären weitere Preisabschläge von bis zu zehn Euro möglich", erklärte ein Euronext-Händler. Bei 193,50 oder 192 Euro je Tonne liege die nächste charttechnische Unterstützungslinie. Danach sei der Weg frei bis auf 190 Euro. Mit großer Spannung warteten die Terminmärkte nun auf die Schätzungen des US-Agrarministeriums, die für den Abend erwartet wurden.