Wirtschaft
(Foto: imago/Mint Images)

WTI auf Niveau von 2009: Ölpreis sackt noch weiter ab

Brennende libyschen Ölterminals sorgen nur für kurze Zeit für eine leichte Erholung des Ölpreises. Dann bestimmen die Sorgen um eine zu geringe Nachfrage den Handel. Das US-Öl ist so billig wie zuletzt vor mehr als fünf Jahren.

Der Ölpreis sinkt immer weiter. Am Montag fiel er auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 1,75 Dollar auf 57,51 Dollar je Barrel (etwa 159 Liter). US-Öl kostete mit 53,10 Dollar das Fass 1,63 Dollar weniger. Damit ist der Ölpreis so niedrig wie seit Mai 2009 nicht mehr.

Seit dem Sommer hat sich der wichtige Rohstoff wegen eines weltweiten Überangebots um mehr als 40 Prozent verbilligt. Hintergrund ist neben einer schwächelnden Nachfrage auch die boomende Förderung aus Schiefergestein in den USA dank der umstrittenen Fracking-Technik.

Nachrichten aus Libyen sorgten sowohl für die zwischenzeitliche Erholung als auch für den darauf folgenden Druck. So wurde zunächst berichtet, dass ein Feuer in einem libyschen Ölhafen 800.000 Barrel Rohöl vernichtet hat. Dieses Feuer warf Fragen über den sich ausweitenden Konflikt in Libyen auf, dessen unerwartet robuste Ölproduktion zuvor eine zentrale Rolle bei dem weltweiten Überangebot gespielt hat.

Doch inzwischen haben Feuerwehrkräfte die Brände in zwei der fünf betroffenen Ölterminals gelöscht, so die Informationen von Sirte Oil, einer staatlichen Ölgesellschaft, sowie von Waha Oil, die den Hafen verwaltet. Da der Ausstoß des Landes inzwischen ohnehin auf 230.000 Barrel am Tag gesunken ist, könnten sich die Auswirkungen durch die Havarie in Grenzen halten, da das Land bei dem globalen Überangebot nur noch eine marginale Rolle spielt, vermuten Analysten.

Warten auf neue US-Daten

Ein weiterer Belastungsfaktor für den Ölpreis sind die erwarteten Lagerbestände in den USA. So rechnet der Energiedatendienstleister Genscape mit einem Aufbau der Rohöllagerbestände um mehrere Millionen Barrel, wie der Händler Peter Donovan von Liquidity Energy sagt. Die U.S. Energy Information Administration wird die Daten am Mittwoch veröffentlichen.

Wichtigster Faktor für den erneuten Dreh des Ölpreises nach unten sei die weiter dominierende Vermutung, dass das Angebot die Nachfrage deutlich übersteigen wird, sagt Donovan, der auch die geringen Umsätze am Montag hervorhebt. "Die bearishen Signale haben weiter Gültigkeit, und wir sehen keinen Grund, warum es zu diesem Zeitpunkt zu einer deutlichen Rally kommen sollte", sagt er weiter.

"Wir benötigen Nachfrage"

Sowohl Brent als auch WTI sind fünf Wochen in Folge gefallen. So verlor WTI in der vergangenen Woche 4,2 Prozent und Brent 3,1 Prozent, nachdem ein kräftiger Anstieg des US-Angebots den Markt belastet hatte.

Zuvor waren die Preise seit dem 16. Dezember seitwärts gelaufen, das war die stabilste Periode in rund einem Monat. Daten der vergangenen Woche zum Wirtschaftswachstum in Amerika und zum steigenden Ölverbrauch in China hatten die Hoffnung geweckt, dass die Nachfrage nun angesichts der gesunkenen Preise anzieht. Auch der Konflikt in Libyen hatte dabei geholfen.

"Was wir wirklich benötigen, ist Nachfrage", sagt Bob Yawger, Direktor der Futures-Abteilung bei Mizuho Securities USA. "Ich wüsste aber nicht, was der Katalysator hierfür sein könnte".

Quelle: n-tv.de

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