Wirtschaft
Engagement im Irak: In der Region Amara rund 450 Kilometer südlich von Bagdad planen Petrochina-Experten den Ausbau der Raffineriekapazitäten über dem Halfaya-Ölfeld.
Engagement im Irak: In der Region Amara rund 450 Kilometer südlich von Bagdad planen Petrochina-Experten den Ausbau der Raffineriekapazitäten über dem Halfaya-Ölfeld.(Foto: dpa)

Händler halten sich zurück: Ölpreis sinkt unter 100 Dollar

Die Zeichen deuten weiter nicht auf ein Anspringen der weltweiten Konjunktur. Entsprechend geringer ist damit der Bedarf am schwarzen Gold. Hinzu kommt ein ausgesprochen hohes Angebot - trotz aller Krisen. Das drückt den Preis.

Trotz der Krisen in mehreren wichtigen Produktionsregionen ist Erdöl billig wie lange nicht mehr. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der europäischen Referenzsorte, der Nordseesorte Brent, sank am Morgen in London auf 99,76 Dollar (77 Euro). Er lag damit das erste Mal seit 14 Monaten unter der Marke von 100 Dollar. Seit Erreichen eines Neun-Monats-Hochs im Juni dieses Jahres ist das Barrel damit gut 13 Prozent billiger geworden. US-Sorte WTI fiel um ein Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 92,37 Dollar.

Hintergrund der Entwicklung ist laut Experten, dass derzeit ein starkes Angebot auf eine vergleichsweise niedrige Nachfrage trifft. Zwar stecken wichtige Ölländer wie der Irak in politischen Krisen, doch auf die Produktion hatte das bisher kaum Einfluss. Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS), die in Syrien und im Irak kämpft, sind bislang nicht im Süden des Iraks aktiv, wo 90 Prozent des für den Export vorgesehenen Öls gefördert wird.

US-Fracking zeigt Wirkung

Auch die russischen Ölexporte sind trotz der Spannungen mit dem Westen wegen der Ukraine-Krise bislang auf dem üblichen Niveau. In Libyen ist die Erdölproduktion vor kurzem wieder angelaufen.

Zugleich fördern die USA mit der umstrittenen Fracking-Methode laut Experten zunehmend mehr Öl selbst, sodass sie weniger auf Importe angewiesen sind. In der Folge sinkt der Preis für Rohöl auch in Europa. Hinzu kommt, dass der vergleichsweise starke Dollar Öl für Abnehmer, die in anderen Währungen zahlen, teurer macht und so deren Nachfrage bremst.

Hinzu kommen enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA und China. Die rückläufigen chinesischen Importe deuteten auf eine schwächelnde Inlandsnachfrage hin, sagte Victor Shum, Partner bei der Öl-Beratungsfirma Purvin & Gertz. "Das schürt weitere Sorgen über die Erholung der chinesischen Wirtschaft." Auch in den USA wuchs die Furcht vor einer Abkühlung der Konjunktur, nachdem der am Freitag bekanntgegeben Jobaufbau im August hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.

Coba: Massiver Abbau von Leerverkäufen

Die Commerzbank sieht den fallenden Ölpreis mit Skepsis. Der Markt sei derzeit offenbar "auf einem Ohr taub" und nehme nur für den Preis negative Meldungen auf. Zudem sei der Preisrückgang auch stark spekulativ getrieben. Die Bank verweist auf den massiven Aufbau von Leerverkäufen, die zum Beispiel bei US-Öl mit rund 76.000 Kontrakten mittlerweile so hoch lägen wie zuletzt im Dezember 2012.

Den massiven Anstieg des Pessimismus hält die Bank wegen der vielen geopolitischen Risiken für wenig begründet. Die Stimmung könnte schnell wieder drehen, sollte es zu tatsächlichen Produktionsausfällen bei Öl kommen. Die Bank erwähnt die möglichen weiteren Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die auch große russische Ölunternehmen betreffen sollen. Außerdem habe China im August rund 6 Prozent mehr Rohöl und 36 Prozent mehr Ölprodukte als im Vormonat eingeführt.

Abwärts geht es auch weiter für den Goldpreis. Die Unze kostet derzeit 1266,50 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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